Fußball

Anna-Maria Walters: Verteidigerin mit der richtigen Einstellung

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Anna-Maria Walters geht als Verteidigerin keinem Zweikampf aus dem Weg. Seit Anfang 2017 läuft sie für die Frauen von Fortuna Walstedde auf. In dieser Saison kommt die 24-Jährige bei 18 Bezirksliga-Spielen ihrer Mannschaft auf 15 Einsätze. Elfmal hat sie durchgespielt, viermal wurde sie ausgewechselt.

Drensteinfurt/Walstedde – Immer wieder haben die Fußballerinnen von Fortuna Walstedde mit personellen Problemen zu kämpfen. Eine Spielerin, auf die der heimische Bezirksligist zählen kann, ist Anna-Maria Walters. Die Verteidigerin läuft seit Anfang 2017 für den Verein auf.

Seit genau drei Jahren wohnt Walters in Stewwert. „Mein Freund kommt aus Ahlen und wir sind im April 2017 nach Drensteinfurt gezogen“, sagt die 24-Jährige, die aus Datteln stammt und in den ersten Monaten viel Zeit investierte, um sich in die Mannschaft zu integrieren. „Da habe ich zwar noch nicht hier gewohnt, hatte mich aber schon angemeldet.“ In der Vorbereitung und zu den ersten Spielen nach der Winterpause fuhr sie damals immer aus Datteln nach Walstedde – 45 Kilometer pro Weg.

Im Alter von zehn Jahren hatte Walters mit dem Fußballspielen angefangen. Erst trug sie das Trikot von Germania Datteln, danach lief sie für Hillerheide, einen Verein in Recklinghausen, auf – ausschließlich in Mädchenmannschaften. „Bei den Jungs habe ich gar nicht gespielt“, sagt sie. Die Fortuna ist also ihr dritter Verein. „Dadurch, dass ich nach Drensteinfurt gezogen bin, habe ich im Internet einfach mal geschaut, was es für Vereine gibt, und mich für Walstedde entschieden.“

„Total ungewöhnlich“

Dass die Saison seit sieben Wochen unterbrochen ist, schmerze „sehr“, sagt die Anhängerin des Bundesligisten Borussia Dortmund. „Es war schon ein bisschen Alltag, dass man dienstags, donnerstags und vor allem sonntags sehr viel Zeit auf dem Fußballplatz verbracht hat.“ An dem ersten Sonntag Mitte März, als wegen der Corona-Pandemie kein Spiel war, hätten sich alle gefragt: Was machen wir jetzt? „Fußball ist halt ein fester Bestandteil.“ Die aktuelle Situation sei „total ungewöhnlich“, sagt Walters. „Ich verstehe mich mit den Mannschaftskolleginnen gut und vermisse die Mannschaft.“ Teilweise ist sie gut befreundet mit ihren Mitspielerinnen.

Wie sie die Zeit ohne Mannschaftssport überbrückt? „Ich halte mich ein bisschen mit Joggen und Home-Workout fit. Aber das ist auch nicht das, was man auf Dauer machen möchte.“ Immerhin hat sich beruflich kaum etwas verändert. „Bei mir geht es noch ganz normal weiter“, sagt die ausgelernte und bei der Stadt Ahlen beschäftigte Gärtnerin. Und: „Ich bin ganz froh, dass ich draußen arbeite und nicht drinnen sitzen muss.“ Um in Kontakt zu bleiben, absolvieren Fortunas Frauen zurzeit ein paar Challenges. „Wir müssen bis Sonntag, 15 Uhr, Videos in unsere Gruppe gestellt haben. Die erste Challenge war zum Beispiel, einen Sockenknäuel mit dem Fuß hochzuhalten. Das ist immer ganz lustig. Dann hat man wenigstens ein bisschen was zu lachen.“

Entscheidung akzeptieren

Nichts zu lachen hätte die Mannschaft bei einem Abstieg. Doch so weit wird es wohl nicht kommen. Sollte die Saison endgültig beendet und nur die Hinserie gewertet werden, gäbe es keine Absteiger, nur Aufsteiger. Dann würde Walstedde Viertletzter der Bezirksliga 6. Sollten die Ergebnisse komplett gewertet werden, hätte die Fortuna die Klasse aus eigener Kraft gehalten. Als Tabellenzwölfter hat sie nämlich einen Punkt Vorsprung auf Alverskirchen. „Das Beste wäre, wenn keiner auf- und keiner absteigen würde“, sagt Walters. „Wir müssen uns einfach alle überraschen lassen, was die Oberen entscheiden, und das müssen wird akzeptieren, egal in welche Richtung es geht.“ Einerseits hofft die 24-Jährige, dass es sportlich weitergeht, andererseits wurde bereits seit mehreren Wochen nicht mehr trainiert. Das Team sei raus aus dem Rhythmus. „Auf jeden Fall glaube ich nicht, dass der Amateurfußball vor der Bundesliga startet.“

Sorgen, was die eigene Mannschaft und die nächste Saison betrifft, macht Walters vor allem die dünne Personaldecke. „Wenn man alle mitzählt, müssten wir 24 sein. Aber relativ viele studieren woanders und sind nur in den Semesterferien vor Ort. Manchmal kriegen wir nur mit Ach und Krach elf Spielerinnen zusammen“, berichtet die Verteidigerin und bedauert: „Jetzt wäre die Zeit gewesen, in der wir genug Spielerinnen gehabt hätten.“ Am Training nähmen durchschnittlich nur acht Spielerinnen teil. „Manchmal stehen wir auch nur zu sechst da. Cool wäre es, wenn man zu zehnt ist“, sagt Walters und betont: „Wir müssen zusehen, dass wir eine Handvoll Spielerinnen kriegen, sonst sieht es nicht gut aus.“

18 Spiele, 15 Einsätze

Anna-Maria Walters geht auf jeden Fall als gutes Beispiel voran. In dieser Saison kommt sie bei 18 Spielen auf 15 Einsätze. Elfmal hat sie durchgespielt, viermal wurde sie ausgewechselt. „Ich sehe zu, dass ich nicht nur dienstags und donnerstags beim Training dabei bin, sondern auch sonntags, weil unsere Personallage momentan etwas zu wünschen übrig lässt.“ Ihre Einstellung: „Da muss man halt mal am Sonntag ein Kaffeetrinken absagen beziehungsweise später erscheinen, damit man nicht nur mit elf Spielerinnen antritt, sondern auch mit ein paar Auswechselspielerinnen.“

Schwer verletzt war Walters bislang nicht. „Ich hatte bis jetzt zum Glück noch keine Probleme.“ Dass sie nach ihren beiden Toren für Fortuna Walstedde in der Saison 2017/18 in der vergangenen und in dieser Spielzeit keinen Treffer erzielt hat, stört sie nicht. „Als Verteidigerin bin ich eben nicht die Goalgetterin“, sagt Walters.

Verstärkung gesucht

Fortunas Frauen suchen für die nächste Saison Verstärkung. Ansprechpartnerinnen sind auf den Internetseiten von Fortuna Walstedde zu finden. www.fortuna-walstedde.de

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