„Absolut unverantwortlich“: Trainer halten nichts von 14-tägiger Vorbereitung

Zuletzt am 4. Oktober auf dem Platz: Lara Kaufmann (links) wartet seit 16 Wochen auf das nächste Spiel mit der SG Walstedde/Heessen. Foto: Kleineidam
+
Zuletzt am 4. Oktober auf dem Platz: Lara Kaufmann (links) wartet seit 16 Wochen auf das nächste Spiel mit der SG Walstedde/Heessen.

WA.de hat bei drei Trainern nachgefragt, wie sie die Situation einschätzen und was ihre Meinung zur 14-tägigen Vorbereitung ist, die der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) aktuell für ausreichend hält.

Drensteinfurt/Rinkerode/Walstedde – Die Fußball-Seniorenmannschaften müssen sich weiter gedulden. Seit Ende Oktober rollt kein Ball, ob und wann die Saison fortgesetzt wird, ist völlig offen. Vor März, wahrscheinlich sogar vor Ostern (Anfang April) wird es nichts mit den nächsten Meisterschaftsspielen. WA.de hat bei drei Trainern nachgefragt, wie sie die Situation einschätzen und was ihre Meinung zur 14-tägigen Vorbereitung ist, die der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) aktuell für ausreichend hält.

Vor 13 Wochen ging es für die zweite Mannschaft des SV Drensteinfurt zuletzt um Punkte, sie schlug Concordia Albachten II mit 2:1. Dominik Heinsch ist skeptisch, was den Re-Start betrifft. „Ich sehe mich diese Saison ehrlich gesagt gar nicht mehr auf dem Platz“, sagt der Spielertrainer des B-Kreisligisten. Er kann es sich nicht vorstellen, dass die Hälfte aller Partien ausgetragen wird. „Du müsstest ja spätestens zu Ostern anfangen – vorab zwei Wochen Vorbereitung –, damit es eine ordentliche Bewertung für die einzelnen Ligen gibt. Ein Corona-Fall in einer Mannschaft – und man hängt wieder zwei Wochen hinterher.“ Das könne nicht funktionieren, meint Heinsch. „Und deswegen verstehe ich den Verband auch nicht, warum er die Saison beziehungsweise die Hinrunde unbedingt durchboxen will.“

Füße wieder richtig einstellen

Beim Thema 14-tägige Vorbereitung „packe ich mir nur an den Kopf! Jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand weiß doch, dass das schlichtweg unmöglich ist.“ Zwei Wochen – das wären bei der SVD-Reserve vier Einheiten. „Jeder ist am joggen und hält sich fit, aber Fußball ist eine komplett andere Bewegung. Das kannst du nach so einer langen Pause nicht in vier Einheiten alles wieder antrainieren. Allein eine Einheit bräuchte man, um die Füße wieder richtig einzustellen.“ Hinzu komme das Verletzungsrisiko. Als Coach habe er auch eine Fürsorgepflicht. „Deswegen finde ich das absolut unverantwortlich“, sagt Heinsch.

Wirklich glücklich sind wir damit nicht.

Sven Kuschel

Sven Kuschel geht angesichts der aktuellen Lage „eher von Ostern aus“. Vorher dürfte der Ball in den Amateurligen weiter ruhen. Von der kurzen Vorbereitungszeit hält auch der Trainer des A-Kreisligisten SV Rinkerode nichts. „Letztendlich muss der FLVW ja was vorgeben, aber so wirklich glücklich sind wir damit nicht.“ Die Verantwortlichen des SVR versuchen, die Jungs über eine Lauf-Challenge individuell vorzubereiten, und hoffen laut Kuschel, „dass wir das Fußballspezifische schnell wieder drin haben.“ Doch wer grundsätzlich verletzungsanfällig ist, werde damit sicherlich Probleme haben.

Kuschel nimmt an, dass es nach dem Re-Start eher so sein wird wie vor dem zweiten Lockdown. „Da sind gerade überkreislich Spiele ausgefallen, wovon natürlich die zweiten Mannschaften profitierten. Corona wird ja im März/April vermutlich nicht einfach so verschwinden.“ Grundsätzlich wären die Rinkeroder aber froh, wenn sie wieder auf dem Platz spielen könnten. Das war zuletzt am 25. Oktober im Duell mit dem SV Herbern II (0:1) der Fall. „Der Rest wird sich dann ergeben“, sagt Kuschel. „Aber dass wir eine ganze Saison zu Ende spielen, halten wir für eher unrealistisch.“

Ich bin für einen Saisonabbruch und einen Neustart ab August.

Holger Kürpick

Holger Kürpick hat eine klare Meinung. „Ich bin für einen Saisonabbruch und einen Neustart ab August. So hätten wir Planungssicherheit, könnten Ende April etwas trainieren und irgendwann eine vernünftige Vorbereitung absolvieren“, sagt der Coach der SG Walstedde/Heessen. Die Fußballfrauen pausieren mittlerweile seit fast vier Monaten. Das letzte Spiel vor der Unterbrechung war das auf eigenem Platz gegen den Hammer Sport-Club (6:1) am 4. Oktober. Vier Partien hat die SG erst absolviert, 26 stehen noch aus. Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass das bis zum regulären Saisonende im Juni unmöglich ist.

Auch Kürpick nimmt an, dass vor Ostern nichts passiert. „Das habe ich schon Anfang des Jahres gesagt.“ Ob es zu realisieren ist, die Hinrunde respektive die Hälfte aller Spiele in der Kreisliga Unna/Hamm auszutragen, müsse man abwarten. Der SG-Trainer ist äußerst skeptisch.

Wann fängt man an?

Auch er findet eine 14-tägige Vorbereitung „nicht vorteilhaft, da wir wahrscheinlich ein halbes Jahr kein Fußball gespielt haben“. Allerdings seien zwei Wochen besser als nichts. Seine Spielerinnen müssten vorher individuell und regelmäßig laufen, um Kondition aufzubauen. „Aber wann fängt man an?“, fragt Kürpick. Der Coach aus dem Kreis Soest vermutet: „Wenn das Training wieder erlaubt ist, werden bestimmt auch sofort Meisterschaftsspiele angesetzt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare