Zorc: "Erwartungshaltung hat sich nicht verändert"

+
BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

BAD RAGAZ - Borussia Dortmund hat vor der neuen Spielzeit 47 Millionen Euro in Neuzugänge investiert. Sportdirektor Michael Zorc äußerte sich im Interview über die Erwartungshaltung, die wirtschaftlichen Perspektiven, die Belastung der Spieler und auch über das Financial Fairplay.

Michael Zorc, erst wenige Tage von dem Spiel um den Supercup werden auch die letzten Weltmeister zum Kader stoßen. Wie sehen Sie den Einfluss der WM auf die Saison-Vorbereitung?

Michael Zorc (Sportdirektor Borussia Dortmund):  "Die Vorbereitung nach einem großem Turnier ist nie ideal, aber man kann damit umgehen. Sie liefert andererseits ja auch eine Chance für jüngere Spieler, die ansonsten nicht so im Vordergrund stehen, sich zu zeigen."

Ihr prominentester Neuzugang, Ciro Immobile, ist dagegen schon seit einigen Tagen im Training. Was hat den Ausschlag für seine Verpflichtung gegeben?

Zorc: "Ciro Immobile war U21-Nationalspieler in Italien, als er uns aufgefallen ist. Er ist von seiner Art her ein Spieler, der zum Trainer und zu unserem Spielstil passt. Wir hoffen, dass er sich schnell an die höhere Intensität im deutschen Fußball gewöhnt."

Immobile wird als vermeintlicher Nachfolger von Robert Lewandowski gesehen...

Zorc: "Natürlich hängt nicht die komplette Erwartungshaltung an Ciro Immobile. Wir haben immer gesagt, dass kein Stürmer kommt, der Robert Lewandowski eins zu eins ersetzen kann, das soll im Verbund geschehen."

Wird der Wechsel von Lewandowski zu Bayern München eine Änderung im Spielsystem nach sich ziehen?

Zorc: "Schon nach den Abgängen in den vergangenen Jahren hat sich das Spiel immer ein wenig verändert. Das wird auch in diesem Jahr der Fall sein."

Der BVB hat in diesem Sommer 47 Millionen Euro in die Mannschaft investiert. Wie hoch sind die Erwartungen für die neue Saison?

Zorc:  "Die Erwartungshaltung hat sich nicht dramatisch verändert. Wir können nicht wegdiskutieren, dass Bayern München bessere Rahmenbedingungen hat als wir und in jedem Jahr wieder der Topfavorit ist. Wer das ignoriert, der ist ein Träumer."

Was heißt das konkret?

Zorc: "Wir wollen das Beste aus unseren Möglichkeiten machen. Unserer Zielsetzung ist klar formuliert: Wir wollen uns wieder direkt für die Champions League qualifizieren, möglichst als Tabellenzweiter. Wir wollen zudem in der Champions League überwintern und erneut das Pokalfinale erreichen."

Nicht zuletzt durch die erweiterten Investitionen des Hauptsponsors Evonik wird sich für den BVB in Zukunft die wirtschaftliche Basis verbessern...

Zorc: "Zum einen ist es natürlich angenehmer, wenn man mehr finanziellen Spielraum zur Verfügung hat. Aber andererseits greift man auch in Regalen etwas höher. Dort trifft man aber auch auf Mitbewerber, die wirtschaftlich noch mehr Möglichkeiten haben."

Der BVB hat sich in den vergangenen Jahren in Europa zu einer Marke entwickelt...

Zorc: "Ich habe jüngst eine Tabelle über den Marktwert der einzelnen Klubs gesehen. Barca und Real lagen an der Spitze, die Bayern waren Vierter und wir Neunter. Wenn man das vor vier, fünf Jahre angedacht hätte, wäre man ausgelacht worden. Wir können stolz darauf sein, aber es ist auch eine Herausforderung für die kommenden Jahre."

Wie sehen Sie die Investionen von Real Madrid, Barcelona oder Manchester United, die Ablösesummen in einer Höhe zahlen, die kaum einem Fußball-Fan zu vermitteln sind?

Zorc: "Das ist nicht neu. Schon vor 13 Jahren ist Zinedine Zidane für eine ähnliche Summe gewechselt. Klubs wie Barcelona oder Real Madrid machen über eine halbe Milliarde Euro Umsatz und Gewinne von über 40 Millionen Euro nach Steuern. Es wird immer geglaubt, da sind Hasardeure am Werk. Aber diese Klubs sind gesund."

Aber dennoch bleiben Zweifel an der Finanzierung einiger Spieler...

Zorc: "Man muss unterscheiden zwischen Klubs wie Barcelona, Real oder Manchester United, die hochprofitabel sind und mehr als 500 Millionen Euro Umsatz machen, sowie Klubs wie Manchester City oder Paris St. Germain, wo vergleichsweise wenig Geld verdient wird. Diese Klubs haben ja auch die Gelbe Karte von der UEFA bezüglich des Financial Fairplay bekommen."

Ziel des BVB war ja auch, den Kader qualitativ breiter aufzustellen. Grund dafür ist die wachsende Belastung der Spieler...

Zorc: "Durch die Anzahl der Spiele, die mittlerweile im Laufe der Saison auf die Jungs zukommen, ist für mich die Belastungsgrenze erreicht und teilweise sogar überschritten. Das hat man in Brasilien auch bei Nationen mit einer Liga mit 20 Mannschaften gesehen. Ganz so frisch wirkten die Spieler aus diesen Ligen nicht mehr während der WM."

Halten Sie auf Sicht eine Entspannung im Terminkalender der UEFA und FIFA für möglich?

Zorc: "Da kommt man sich vor wie ein einsamer Rufer in der Wüste. Aber der Rahmenterminkalender ist auf viele Jahre festgelegt. Ich hoffe, das in den Verbänden ein Umdenken stattfindet. Wir müssen aufpassen, dass nicht noch weiter an der Schraube gedreht wird." - SID

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare