"Lage extrem gefährlich"

BVB vor Wochen der Wahrheit

DORTMUND - Lange Zeit hat der BVB mit erstaunlicher Geschlossenheit auf die Krise reagiert. Doch nach dem Fehlstart in die Rückrunde gerät der Vereinsfrieden mehr und mehr in Gefahr. Mit jeder Niederlage wächst der Druck - auch für den lange unumstrittenen Trainer Klopp.

Für Borussia Dortmund beginnt die Zeit der Endspiele. Steht der Edelkader auch nach den Partien gegen die Mitkonkurrenten Freiburg, Stuttgart und Mainz sowie dem Derby gegen Schalke noch am Tabellenende, drohen Turbulenzen.

Auf Medienberichte, wonach in diesem Zeitraum über die Zukunft von Jürgen Klopp entschieden wird, reagierte der Club mit einer Jobgarantie für den Trainer. "Natürlich, das steht außer jeder Frage. Ich bin überhaupt nicht bereit, jede Woche diese Frage aufs Neue zu beantworten", sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Geschlossenheit gerät ins Wanken

Die bisher erstaunliche Geschlossenheit des Abstiegsaspiranten geriet nach dem 0:1 am Mittwoch gegen den FC Augsburg gehörig ins Wanken. Selbst die treuen Fans auf der Südtribüne, die ihre Mannschaft zuletzt auch nach Niederlagen bedingungslos unterstützt hatten, verweigerten erstmals die Gefolgschaft. Auf das schrille Pfeifkonzert und die Sprechchöre ("Wir wollen euch kämpfen sehen") reagierte Klopp mit Verständnis: "Die Leute sind sehr enttäuscht und sauer. Der ein oder andere hat Angst um die Zukunft des Vereins."

Diese Sorgen sind berechtigt. Auch wenn sich der frühere BVB- und aktuelle FC Bayern-Profi Robert Lewandowski den Revierclub "nicht in der 2. Liga vorstellen" kann und einen Absturz für "unmöglich" hält, erscheint das Horror-Szenario immer realistischer.

"Resignation ist nicht im Ansatz in mir" 

Alle Maßnahmen von Klopp scheinen zu verpuffen. Auf Fragen nach eigenen Fehlern reagiert der Trainer dennoch selbstbewusst: "Wir haben nicht so viel falsch gemacht, dass wir 18. sein müssten. Es geht jetzt nicht darum, dass ich mich durch übermäßige Selbstkritik auch noch selbst schwäche. Resignation ist nicht im Ansatz in mir."

Gleichwohl ist sein einstmals für innovative Spielkultur gerühmter BVB auf das Niveau eines echten Abstiegsaspiranten gesunken. Nur der HSV (12) erzielte weniger Treffer als die Dortmunder (18). Mit jeder Niederlage wächst die Ratlosigkeit, mit jeder vergebenen Chance schwindet das Selbstvertrauen. Bezeichnend ist es, dass die Mannschaft nach einem Rückstand - wie auch gegen Augsburg - stets den Glauben an die eigene Stärke verliert.

"Lage extrem gefährlich" 

"Klar spielt die Psyche eine Rolle. Jede Aktion die nicht gelingt, führt zur totalen Verkrampfung", bekannte Mittelfeldspieler Nuri Sahin, "die Lage ist brisant und extrem gefährlich." Nur Siege können helfen, die Verunsicherung zu vertreiben. Im Kellerduell am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim nur zwei Punkte besser platzierten Tabellen-15. aus Freiburg soll die Trendwende eingeleitet werden.

Trainer Christian Streich vom Fußball-Bundesligisten SC Freiburg will sich vor dem Abstiegsduell mit dem BVB nicht mit den Sorgen des Vizemeisters beschäftigen. "Ich habe selbst so viele Baustellen. Zudem habe ich keinen Einblick beim BVB und hohen Respekt vor dem Klub", sagte Streich am Freitag auf einer Pressekonferenz. Eine Baustelle des Sportclubs könnte demnächst geschlossen sein. Innenverteidiger Pavel Krmas wird gegen Tabellenschlusslicht Dortmund wohl wieder zum Kader gehören. Somit fehlt in der Defensive nur noch U19-Europameister Marc-Oliver Kempf verletzungsbedingt. - dpa/sid

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