Initiative der CDU-Fraktion

Führerschein-Fall Reus soll vom Landtag geprüft werden

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Marco Reus

[UPDATE 14.20 Uhr] DÜSSELDORF/DORTMUND - Die NRW-CDU will den umstrittenen und viel kritisierten Strafbefehl gegen Fußballprofi Marco Reus von Borussia Dortmund wegen jahrelangen Fahrens ohne Führerschein vom Landesparlament prüfen lassen.

Von Robert Vornholt

Peter Biesenbach nimmt die Flanke, die Marco Reus wegen jahrelangen Fahrens ohne Führerschein geschlagen hat, indirekt auf. In der kommenden Woche stellt der CDU-Vize-Fraktionsvorsitzende eine Kleine Anfrage an die Landesregierung, um einige Aspekte der „Causa Reus“ zu klären. Erst wenn die Fakten bekannt seien, könne er einschätzen, ob eine „Sonderbehandlung für Prominente“ seitens der Justiz auszuschließen sei, erläuterte der CDU-Landtagsabgeordnete im Gespräch mit unserer Zeitung.

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Die Ansicht, dass der Strafbefehl für den Dortmunder Fußball-Nationalspieler zu milde ausgefallen sein könnte und der Profi-Kicker damit eine Vorzugsbehandlung erhalten haben könnte, ist Hintergrund der aktuellen Überlegungen. Die Dortmunder Staatsanwaltschaft hatte dem 25-jährigen Fußballer Ende vergangenen Jahres wegen "vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis zwischen September 2011 und März 2014 in sechs Fällen" einen Strafbefehl in Höhe von 540.000 Euro zugestellt, was 90 Tagessätzen zu 6000 Euro entspricht. Damit bleibt Reus gerade noch von einem Eintrag ins Vorstrafenregister verschont.

Ob mit diesen Betrag tatsächlich ein Viertel des jährlichen Nettoeinkommens abgeschöpft werde, müsse geklärt werden, betont Biesenbach. Hintergrund: Neben dem Gehalt als Fußballspieler bei Borussia Dortmund dürfte Reus noch erhebliche Werbeeinnahmen erzielt haben, die bei der Strafbefehlsbemessung unberücksichtigt geblieben sein dürften.

Obwohl der 25-Jährige zugab, mehr als fünf Jahre ohne Führerschein gefahren zu sein und bei einer Polizeikontrolle einen fingierten Führerschein vorgelegt haben soll, wurden lediglich sechs Fälle wegen Geschwindigkeitsüberschreitung beim Strafmaß zugrunde gelegt. Dabei sieht das Straßenverkehrsgesetz vor, dass unerlaubtes Führen von Fahrzeugen mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen sanktioniert werden kann. Für die Dortmunder Staatsanwalt erschien bereits die Hälfte des möglichen Strafrahmens hingegen als „schuld- und strafangemessen".

Mit der Initiative Biesenbachs dürfte jetzt auch geprüft werden, wie die Vorlage eines imitierten Führerscheins zu werten ist. Denn die Vorlage eines illegalen Dokuments könnte als weitere Belastung für Reus gewertet werden, die bisher unberücksichtigt geblieben ist.

Bereits im vergangenen Jahr war der Justiz unterstellt worden, bei Fehlverhalten des Duisburger Alt-Oberbürgermeisters Josef Krings (SPD) lasch gehandelt zu haben. Trotz zahlreicher Verkehrsverstöße war der Sozialdemokrat glimpflich behandelt worden.

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