3. Bundesligaspieltag

Union Berlin blamiert Borussia Dortmund: Die große Spieltagsanalyse rund um den BVB

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Marco Reus ist nach der Niederlage des BVB bei Union Berlin enttäuscht.

Wie steht es bei Union Berlin gegen Borussia Dortmund? 3:1 für die Eisernen. Wollte manch ein BVB-Fan vielleicht gar nicht glauben. Eine Analyse.

Dortmund – Borussia Dortmund und die Standards, Borussia Dortmund und die vermeintlich kleinen Gegner, Borussia Dortmund und – seit Samstag neu dabei – Union Berlin. Gegen den Aufsteiger haben die Schwarzgelben die schlechteste Leistung seit langem gezeigt.

Immerhin, der BVB hat etwas historisches vollbracht. Er ist der erste Klub, der gegen Union Berlin in einem Bundesligaspiel in der Alten Försterei verloren hat. Ein Trost? Keinesfalls. Die Schmach von Berlin lässt eine – für BVB-Fans und solche, die sich eine spannendere Liga wünschen – schockierende Vermutung aufkommen: Der BVB hat in der vergangenen Hinrunde nur Spielglück gehabt, die Rückrunde spiegelte die fußballerische Realität wider – und offenbart sich nun im Saisonstart 2019/20. Für diese These sprechen drei Dinge.

Borussia Dortmund verliert gegen Union Berlin – eine Offenbarung

Analyse: Sebastian Kehl, als Leiter der Lizenzspielerabteilung nah dran an den Profis, wird nicht müde, immer wieder auf‘s Neue eine unstillbare Gier von den BVB-Akteuren zu fordern. Diese Gier ist vorhanden in der Offensive. In der Arbeit gegen den Ball ist sie aber wie ein Mitarbeiter im Baumarkt, wenn man es gerade wieder eilig hat: Nicht zu finden. Die Verpflichtung von Mats Hummels sollte in der Defensive Löcher stopfen, das ist teilweise gelungen. Alarmierend aber, wenn Lucien Favre bei Sky sagt: „Es sind nicht nur Details zu verbessern. Da ist noch mehr.“ Die Standardanfälligkeit ist erschreckend. Favre und sein Co-Trainer Manfred Stefes (der dafür verantwortlich sein soll) bekommen es nicht in den Griff. BVB-Sportdirektor Michael Zorc sagt zwar, es helfe nur „üben, üben und üben“. Aber wie lange noch?

Dabei gerät der BVB natürlich auch durch Bälle aus dem Spiel heraus in Rückstand. Augsburg etwa hatte sich durchkombiniert, traf früh. Auch Union Berlin brachte jetzt den Ball zum 3:1-Endstand nach einem netten Passspiel hinter die Linie. Vorteil BVB bislang: Die schnellen Reaktionen. Paco Alcácer schleicht wie ein Jaguar um den gegnerischen Strafraum, beißt tödlich zu. Oft mit dem ersten Kontakt. Generell ist die Offensive prunkvoll besetzt. Neuzugang Julian Brandt bringt erfrischende Impulse mit, sogar einen Mario Götze kann man auf der Bank lassen. Dann ist da noch Major Tom, der über allen schwebt: Jadon Sancho. Losgelöst von den Zwängen des starren Positionsspiel räumt Favre seinem Dribbelkünstler Freiheiten auf den Flügeln ein. Die Stärken kommen gerade dann zum Ausdruck, wenn der Gegner müde ist. Bestes Beispiel: 1. FC Köln. Bald setzt aber die Doppel- und Dreifachbelastung in Form von Liga, Pokal und Champions League ein, dieser Vorteil könnte verloren gehen. Also auch hier die Frage: Wie lange noch?

Favre hält am System fest: Muss der BVB gegen Gegner wie Union Berlin mutiger sein?

Ein weiteres Problem: Das Festhalten am 4-2-3-1-System. Die Doppelsechs gibt dem BVB, und allen voran Coach Favre, Stabilität und Sicherheit. Das ist auch völlig in Ordnung und meistens die richtige Entscheidung. Man muss sich aber die Frage stellen, ob ein Aufsteiger mit dem Bruchteil des Etats, der Vizemeister Borussia Dortmund zur Verfügung steht, so das Spiel bestimmen darf. Die Eisernen haben in der Alten Försterei eine eindrucksvolle Festung, die FCU-Anhänger ackerten auf den Rängen – wo es im BVB-Block zwischenzeitlich zu Ausschreitungen kam – mindestens genauso stark wie die Union-Spieler unten auf dem Rasen. Der BVB hätte da aber schlichtweg mutiger sein müssen. Frei nach Willy Brandt: Mehr Offensive wagen. Namensvetter Julian kann schließlich über den Flügel kommen, dann wäre Platz für Götze auf der Acht. Borussia Dortmund würde so vermutlich jedem Gegner sein Spiel aufzwingen, unangenehme Pressingsituationen könnte man besser und weiter weg vom eigenen Tor entgegenwirken. Noch aber ist Favre nur ansatzweise bereit, von seinem 4-2-3-1 und der bequemen Doppelsechs abzuweichen. Fragt sich: Wie lange noch?

Gedanken machen kann sich Borussia Dortmund nun in der kommenden Woche. Es ist Länderspielpause, weiter geht‘s erst mit einem Heimspiel am 14. September (Samstag, 15.30 Uhr). Zu Gast ist Ex-Trainer Peter Bosz mit seinem Offensivzirkus von Bayer 04 Leverkusen. Hoffentlich gibt‘s nicht so viele Standards.

Kommentar: Nach BVB-Klatsche bei Union Berlin – Wiedergeburt der Tiefstapelei verhindern

Kommentar: Borussia Dortmund hat gegen Aufsteiger Union gepatzt, die ersten Glückwünsche in Richtung Süden zum Gewinn der Meisterschaft wurden bereits abgesetzt. Und ja, die Leistung des BVB in der Alten Försterei war tatsächlich nicht meisterlich. Aber Borussia Dortmund hat sich dieses Ziel nun einmal gesetzt. Von einem hohen Flug und dem tiefen Fall zu sprechen, wäre falsch.

„Wir denken von Spiel zu Spiel“, „wir werden das analysieren“, „die Mentalität hat gefehlt“, „entscheidend ist erst am 34. Spieltag“ – langweilig. Einfach nur langweilig. Niemand möchte diese Phrasen hören. Im Profifußball werden sie aber bis zur Perversion ausgereizt. Und oft auch zu recht, wie die Reaktionen jetzt zeigen.

Fans, Experten, Journalisten (wir dürfen uns davon nicht ausnehmen) und auch aktive Fußballer zeigen auf den BVB: „Seht her, ihr ruft die Meisterschaft aus und gewinnt nicht einmal gegen einen Aufsteiger.“ Der wiederum denkt sich: „Hätten wir mal bloß wieder drumherum geredet.“

Reflexartig wird aus dem ambitionierten Ziel – das viele gefordert haben in Form von: Wann bietet endlich jemand öffentlich den Bayern Paroli? – eine Grube, in die man die Verantwortlichen des BVB hineinstößt. Lucien Favre, schon zuvor Meister der Verschwiegenheit, kündigte bereits an: „Wir müssen aufpassen, was wir sagen.“ Er sieht sich bestätigt darin, dass die Tiefstapelei vielleicht doch der richtige Weg ist. Für Emotionen, Spannung und Leidenschaft ist sie das aber keinesfalls – stürzen wir uns also lieber auf anderen Dinge mit Spott und Häme. Vielleicht werden denn auch in Zukunft echte Ziele gesetzt und mutige Aussagen getroffen.

Union Berlin gegen Borussia Dortmund: Gewinner und Verlierer

Gewinner: Den größten Sieg haben die Fans und Spieler – alles voran Neven Subotic – von Union Berlin am Samstag errungen. Erster Dreier in der Bundesliga in der Alten Försterei ausgerechnet gegen einen großen Verein wie Borussia Dortmund. Mehr Liebe zum Spiel geht nicht – erfrischender Auftritt im durchgetakteten Business.

Verlierer: Erneut ist Thomas Delaney der Pechvogel beim BVB. Erst kam er auf keine Startelfeinsätze, dann die Chance gegen Union Berlin von Beginn an – und nach 45 Minuten war Schluss. Kopfplatzwunde, Brummschädel, Auswechselung. Bitter. Zu allem Übel setzte es auch noch eine Niederlage. maho

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BVB-Blamage bei Union Berlin

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