Fan unterliegt vor Gericht

Tube Haargel geklaut: Drei Jahre Stadionverbot

DORTMUND - Ein glühender Fan des FSV Mainz 05 kann insgesamt drei Jahre lang bei Bundesligaspielen maximal am Fernseher mitfiebern. Seit Juli 2012 darf der Mainzer bundesweit kein Stadion betreten.

Vor dem Dortmunder Landgericht wurde jetzt eine Vorentscheidung des Amtsgerichts bestätigt und die Berufung des 24-jährigen Mainzers als unbegründet verworfen. Das insgesamt für drei Jahre verhängte Stadionverbot ist rechtskräftig.

Der damals 22-jährige Fußballfan war am 3. März 2012 mit der Bahn zum Auswärtsspiel seines Vereins angereist, hatte im Stadion die 1:2-Niederlage seines Vereins erleben müsse und wollte am frühen Samstagabend zurück mit der Bahn nach Mainz.

Verhängnisvoller Fehlgriff

Im Dortmunder Hauptbahnhof kam es dann zu dem verhängnisvollen Fehlgriff, der dem jungen Mann ein Strafverfahren und das dreijährige Stadionverbot einbrachten: In einem Drogeriemarkt klaute er eine Tube Haargel und eine Flasche Mineralwasser im Gesamtwert von 4,94 Euro. Doch noch in den Geschäftsräumen wurde er auf frischer Tat ertappt, es kam zu einem kleinen Gerangel mit dem Ladendetektiv.

Keine Chance in beiden Instanzen

Monate später folgte das Strafverfahren für den Mainzer mit einer Verurteilung zu einer Geldstrafe wegen Ladendiebstahls und Nötigung. Die für ihn weitaus schlimmere Sanktion des dreijährigen Stadionverbotes wollte der Mainz-05-Fan nicht akzeptieren, hatte jedoch in beiden Instanzen nicht den Hauch einer Chance.

Wann wird ein Stadionverbot ausgesprochen?Stadionverbote werden in Deutschland seit den frühen 1990ern ausgesprochen. In den Ligen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gibt es sowohl örtliche als auch bundesweite Stadionverbote. Bundesweite Verbote gelten für die obersten vier Ligen, den DFB-Pokal und Länderspiele. Sie werden vom ausrichtenden Verein oder vom DFB selbst ausgesprochen.

Ein Stadionverbot kann unter anderem aufgrund folgender Vergehen ausgesprochen werden: Körperverletzung, Abbrennen von Pyrotechnik, rechtsradikale oder rassistische Handlungen, Land- und Hausfriedensbruch, Diebstahl, Vandalismus.

Die zugrunde gelegten Vergehen müssen, wenn sie im Zusammenhang mit einer Sportveranstaltung standen, nicht zwingend an der Sportstätte selbst stattgefunden haben. Außerdem bedarf es für ein Verbot keiner rechtskräftigen Verurteilung für eine Straftat. Ausreichend ist bereits ein gegen eine Person eingeleitetes Ermittlungsverfahren. Häufig wird ein Verbot auf Empfehlung der Polizei erteilt.

Quelle: Wikipedia

Die Berufungsrichter am Dortmunder Landgericht verwiesen auf eindeutige Richtlinien des Deutschen Fussballbundes, wonach den Fußballclubs bereits der Verdacht einer Straftat ausreicht, um über einen Fan ein Stadionverbot zu verhängen. Auch der unmittelbare Weg zum Stadion und wieder zurück sei für die Clubs ein Gebiet, wo sie ihr Hausrecht ausübten dürften.

"Problemlos in der uniformierten Masse untertauchen"

Gerade hier, inmitten der zu den Spielen pilgernden Massen, bestehe eine erhöhte Gefährdungslage: "Ein Straftäter kann problemlos in der großteils ja mit Trikots uniformierten Masse unerkannt untertauchen" beschrieb der Vorsitzende Richter das Phänomen. Die Tatsache, dass der junge Mainzer sich mit einem Detektiven angelegt habe, spreche nach den Regeln des DFB auch für seine Gewaltbereitschaft.

Gericht: "Er galt als potenzieller Störer"

"Er galt als potentieller Störer, der sich vielleicht auch im Stadion mit einem Ordner anlegen würde" wiederholte das Gericht die Argumente der allgemeinen Ligaregeln. Im übrigen, von dem Fan vehement bestritten, habe die Bundespolizei bereits damals Erkenntnisse gehabt, dass er früher schon mal bei Fussballspielen auffällig geworden sei.

Keine Revision mehr möglich

Der junge Mann im adretten hellblauen Hemd zeigte sich bei dem Gerichtstermin eher schüchtern und geknickt, dass er nun noch fast ein Jahr auf das Live-Erlebnis der Bundesligaspiele verzichten muss. Da die Regeln des Deutschen Fussballbundes zur Verhängung eines Hausverbotes bereits vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe rechtlich überprüft worden sind, ließen die Berufungsrichter am Dortmunder Landgericht keine weitere Revision zu - das Stadionverbot ist daher rechtskräftig.

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