BVB sucht Partner - Einstieg der Deutschen Bank geplatzt

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DORTMUND - So viel waren BVB-Aktien zuletzt 2002 wert: Medienberichte über einen Einstieg der Deutschen Bank beim westfälischen Topclub trieben den Kurs von Borussia Dortmund kräftig nach oben. Zuletzt notierten die Aktien bei knapp 4,67 Euro.

Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund will auch wirtschaftlich dem deutschen Primus Bayern München nacheifern. Nach dem geplatzten Wiedereinstieg der Deutschen Bank sucht der BVB weiter nach neuen Finanzpartnern. "Zur Sicherung eines nachhaltigen Wachstums" werde der BVB "weitere Sondierungsgespräche mit mehreren interessierten Unternehmen führen", teilte Deutschlands einziger börsennotierter Fußballverein am Freitagabend mit.

Zuvor hatte ein Sprecher der Deutschen Bank mitgeteilt: "Der Vorstand der Deutschen Bank hat nach einem längeren Prüfprozess heute einstimmig entschieden, zum jetzigen Zeitpunkt keine Beteiligung an dem Bundesligaclub Borussia Dortmund einzugehen." Das Magazin "Bilanz" hatte am Donnerstag berichtet, im Gespräch sei eine zehnprozentige Beteiligung. Medienberichten zufolge soll der BVB für den Anteil einen Betrag deutlich über dem aktuellen Marktwert verlangt haben.

Die Verhandlungen sind nach "Bilanz"-Informationen von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sowie von Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen und dem Privatkundenvorstand Rainer Neske geführt worden. Die Idee sei auf Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner zurückgegangen.

Die Deutsche Bank wollte sich zu Details der Verhandlungen nicht äußern. Auch in der Mitteilung der Borussia ist lediglich von Sondierungsgesprächen die Rede, die aber nicht fortgeführt würden. "Eine Beteiligung der Deutschen Bank an Borussia Dortmund im Wege einer Kapitalmaßnahme wird folgerichtig nicht stattfinden."

Die Deutsche Bank war bereits einmal BVB-Aktionär. Zur Stabilisierung des Börsenkurses hatte der Bankenprimus kurz nach dem BVB-Börsengang im Herbst 2000 ein Aktienpaket gekauft, sich rund drei Jahre später aber von der Beteiligung wieder getrennt. Aktuell größter BVB-Aktionär ist der Unternehmer Bernd Geske, Borussia selbst hält gut 7 Prozent, 75 Prozent sind in Streubesitz.

An der FC Bayern München AG, die anders als der BVB nicht börsennotiert ist, sind dagegen drei Großunternehmen beteiligt: Je 8,33 Prozent liegen bei den langjährigen Partnern Adidas, Audi und Allianz. Der Mutterverein hält 75 Prozent.

Die Berichte über ein neuerliches Interesse des größten deutschen Bankhauses hatten den Kurs der BVB-Aktie kräftig nach oben getrieben. Zuletzt kletterte er am Freitag um rund 12 Prozent auf knapp 4,67 Euro, seit Anfang Juni beträgt das Plus sogar rund 20 Prozent. Allerdings ist der Kurs der Aktie immer noch weit vom damaligen Ausgabekurs von 11 Euro entfernt.

Borussia Dortmund ist Deutschlands bislang einziger börsennotierter Fußballclub. Erst am Donnerstag hatte die Deutsche Börse mitgeteilt, dass der BVB an der Börse zum 23. Juni in den SDax aufsteigt. Der Index bildet kleinere Aktiengesellschaften, sogenannte Small Caps, ab. Er umfasst hinter dem Dax (30 Unternehmen) und dem M-Dax (50) die Aktiengesellschaften 81 bis 130, sozusagen die dritte Liga.

Der BVB hatte zuletzt glänzende Zahlen geschrieben und sich sportlich hinter dem FC Bayern München als Nummer zwei im deutschen Fußball etabliert. 305 Millionen Euro Umsatz und 51,2 Millionen Euro Gewinn bedeuteten im vergangenen Geschäftsjahr (2012/2013) Vereinsrekord. - lnw

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