Dortmunds Neuverpflichtung

Vom Staatsfeind zum Königstransfer: Das ist Axel Wistel

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Axel Witsel erhält bei Borussia Dortmund einen Vertrag bis 2022.

Sie haben gekämpft und ihn bekommen: Axel Witsel läuft künftig für Borussia Dortmund auf. Sein Weg in eine europäische Top-Liga war ein langer und steiniger zugleich.

Bad Ragaz - Spätestens um 16.32 Uhr am Montag begann für ihn das Kapitel Borussia Dortmund so richtig. Mit seinen neuen Kollegen kam Axel Witsel am Platz in Bad Ragaz an, um anschließend zum ersten Mal auf den Platz zu gehen. Gerade einmal rund zwei Stunden nach seiner Ankunft im Team-Hotel im Trainingslager – womit nach tagelangem Schweigen offiziell war, was irgendwie ohnehin schon jeder wusste.

Der 29-Jährige zog die Ausstiegsklausel in seinem Vertrag mit Tianjin Quanjian, während der BVB die kolportierte Ablösesumme von 20 Millionen Euro an den chinesischen Klub zahlt. Der Dortmunder Königstransfer erhält einen Vertrag bis 2022 und soll rund 10 Millionen Euro pro Jahr verdienen.

„Wir sind seit vielen Monaten stark daran interessiert gewesen, Axel Witsel zu verpflichten und sehr froh, dass er sich für Borussia Dortmund entschieden hat“, erklärte Sportdirektor Michael Zorc via Klub-Mitteilung. „Axel ist ein Spieler mit großer internationaler Erfahrung, der alle Fähigkeiten mitbringt, um das zentrale BVB-Mittelfeld zu prägen: taktisches Verständnis, Zweikampfstärke, Tempo, Kreativität und Mentalität.“

Witsel wollte weg aus China

Witsel selbst, der lediglich einige Runden um den Platz drehte, wird zitiert: „Nach der WM war es mein Ziel, aus China zurück nach Europa zu wechseln. Nach unserem ersten Gespräch musste ich nicht mehr lange überlegen, denn Borussia Dortmund ist für mich einer der besten Klubs auf dem Kontinent.“

Bei all den Lobeshymnen ist es verwunderlich, dass Witsel erst jetzt, im Alter von 29 Jahren, zum ersten Mal den Sprung in eine der Top-fünf-Ligen Europas schafft. Schließlich ist er in Belgiens Nationalmannschaft bereits seit geraumer Zeit kaum wegzudenken.

An seinem ersten Tag im BVB-Dress absolvierte Axel Witsel mit seinen neuen Kollegen einige Ballübungen, ehe er seine Runden um den Platz drehte.

Für Marc Wilmots, dem ehemaligem Nationalmannschaftscoach, war er „mein Chef auf dem Spielfeld“, sagte er vor der WM 2014. Witsel gilt als moderner Mittelfeldmotor mit Disziplin, Übersicht, Dynamik und technischer Raffinesse. Hinzu kommt seine körperliche Robustheit. Dass er den Ball verliert, ist beinahe eine Rarität.

Eine Szene veränderte alles

Und dennoch hatte er lange Zeit einen schweren Stand. In seinen jungen Fußballer-Jahren, in denen er als großer Hoffnungsträger des belgischen Fußballs galt. 2008 und 2009 wurde er mit Standard Lüttich belgischer Meister, dazu 2008 im Alter von 19 Jahren zu Belgiens Fußballer des Jahres gekürt. Doch es folgte eine Szene, die alles veränderte.

Es war der 30. August 2009, als Witsel – bis dato nicht als Rüpel aufgefallen – Anderlechts Verteidiger Marcin Wasilewski mit einem Foul das Schien- und Wadenbein brach. Wasilewskis Fuß baumelte nur noch an seinem Bein. Plötzlich wurde Witsel zum Geächteten, zum Staatsfeind Nummer eins. Er erhielt Morddrohungen. Steine flogen durch die Fensterscheiben im Haus seiner Eltern. „Der Vorfall hat Axel verändert“, erzählte Witsels Vater einst in einem Interview: „Es gibt einen Axel vor diesem Zweikampf und einen Axel danach.“

Das Ganze ging nicht spurlos am Mittelfeldspieler vorbei. Er haderte lange, bis er es schaffte, den Schalter umzulegen und sich ein dickes Fell zuzulegen. Er hielt es noch einige Zeit in Belgien aus, ehe er 2011 zu Benfica Lissabon wechselte und sich dort noch einmal weiterentwickelte.

Sein Trainer Jorge Jesus formte aus dem Offensivspieler Witsel einen Witsel für die Schaltzentrale im Mittelfeld. Schon ein Jahr später ging es weiter – wieder nicht in eine Top-Liga, sondern nach Russland. Für 40 Millionen Euro zu Zenit St. Petersburg. Obwohl Vereine aus England an ihm interessiert gewesen sein sollen.

Beinahe bei Juve gelandet

Im Sommer 2016 landete er beinahe bei Juventus Turin. Der Wechsel schien so gut wie sicher, doch am entscheidenden Tag fehlten die nötigen Unterlagen aus St. Petersburg. Ein neuer Versuch sollte im Winter 2017 her. Bis Tianjin Quanjian dazwischen funkte. Der chinesische Erstligist bot Witsel ein Jahresgehalt von angeblich 18 Millionen Euro. „Es war eine sehr schwierige Entscheidung“, meinte der Belgier anschließend: „Auf der einen Seite ein Top-Klub wie Juventus, auf der anderen ein Angebot, das ich für meine Familie nicht ablehnen konnte.“ Will heißen: Das Geld lockte.

Doch nun hat Witsel offenbar genug von China. Es soll nun endlich klappen mit einer Top-Liga Europas. Vor allem nach der WM 2018 in Russland, bei der Witsel einmal mehr zu den Säulen des belgischen Teams zählte. Und es nun beim BVB auch werden soll.

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