Schonungslose Bestandsaufnahme

Hochverdient rausgeflogen: Rückschlag nach Niederlage

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DORTMUND - Schon der obligatorische Weg vor die Südtribüne fiel den Profis von Borussia Dortmund schwer. Zu groß war die Enttäuschung, die auch zahlreiche Fans bereits weit vor Abpfiff des deprimierenden Achtelfinal-Rückspiels in der Champions League gegen Juventus Turin dazu veranlasst hatte, das Stadion zu verlassen.

Von Frank Heidenreich

Die 0:3 (0:1)-Niederlage, die das Aus bedeutete, hatte Spuren hinterlassen. Denn sie hatte sämtliche Defizite offenbart, die den BVB in dieser Saison begleiten. Schonungslos. Mit voller Wucht.

Und so versuchte erst keiner der Beteiligten, die bittere Bestandsaufnahme schönzureden. Die Partie war eine Zäsur, sie beendete eine Ära. Nach spektakulären Abenden in den vergangenen beiden Jahren zählte das uninspirierte Treiben gegen den abgezockten und blendend organisierten Tabellenführer der italienischen Serie A zu den düsteren Momenten der Schwarz-Gelben auf der ganz großen europäischen Bühne, die sie angesichts der derzeitigen Tabellenkonstellation in der Bundesliga wohl mindestens anderthalb Jahre lang nicht mehr betreten werden – was auch einen finanziellen Einschnitt bedeutet.

Hochverdient rausgeflogen

„Wer so spielt, hat keine Berechtigung, in der Champions League mitzuspielen“, meinte ein desillusionierter Trainer Jürgen Klopp, der wie Kapitän Mats Hummels von einem „Rückschlag“ sprach und ergänzte: „Wir sind hochverdient rausgeflogen.“ Vor allem das uninspirierte, mutlose Treiben des BVB in der Offensive war erschreckend. „Ganz schwach“ nannte Hummels die Darbietung in einem „Spiel zum Vergessen“, „unterirdisch“ gar die zweite Halbzeit. „Wir sind alle sehr enttäuscht über die Art und Weise, wie wir ausgeschieden sind. Das sind wir nicht gewohnt“, gestand Marco Reus.

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Ohne Sahin nach Hannover

Borussia Dortmund muss auch im Spiel am Samstag (15.30 Uhr) bei Hannover 96 auf Nuri Sahin verzichten. Der Mittelfeldakteur laboriert noch immer an einem Muskelfaserriss im Adduktorenbereich und fällt definitiv aus. In der Partie gegen den Tabellen-13. muss Klopp wohl auch auf Marcel Schmelzer verzichten. „Ein Einsatz von Schmelzer ist nicht komplett ausgeschlossen, aber auch nicht wahnsinnig wahrscheinlich“, sagte der Coach. Der Nationalspieler wurde gegen Juventus Turin in der Halbzeit ausgewechselt, klagte über muskuläre Probleme. Kevin Großkreutz steht den Dortmundern nach wie vor nicht zur Verfügung, der Verteidiger befindet sich noch im Aufbautraining. Auch für Lukas Piszczek (Syndesmose-Teilriss) kommt die Begegnung in Hannover zu früh. - sid

Die Dortmunder wirken nur noch wie eine Karikatur ihrer selbst in Tagen, als sie ihren Gegnern mit gnadenlosen Attacken, blitzgescheiten Ideen und hohem Tempo zu schaffen machten. Seit drei Pflichtspielen warten die Schwarz-Gelben mittlerweile auf einen eigenen Torerfolg, der Schwung und die Aufbruchstimmung nach dem Derbysieg gegen Schalke sind komplett verpufft. Die Partie gegen Juve machte exemplarisch die Dortmunder Misere deutlich. „Wer nicht schießt, kann nicht treffen“, benannte Klopp einen Teil des Problems. Die einstigen Chancenverschwender kreieren kaum noch Möglichkeiten, treffen „falsche Entscheidungen“ (Klopp), lassen es an Präzision im Passspiel, an Konsequenz und an Durchschlagskraft vermissen.

Viel investiert

„Wir“, sagte der Coach mit Blick auf die gravierende spielerische Armut, „haben viel investiert. Trotzdem ist nichts dabei herausgekommen.“ Was Klopp auf die Partie gegen Turin bezog, lässt sich problemlos auf die mit Millionen aufgerüstete Offensive übertragen, deren Gesicht ein ebenso gehemmter wie verunsicherter und bei seiner Auswechselung (64.) ausgepfiffener Henrikh Mkhitaryan ist.

Die Gäste, die durch ihr kongeniales Sturmduo Tévez (3., 79.) und Morata (70.) für klare Verhältnisse sorgten, müssen sich vorgekommen sein wie professionelle Dompteure, die es mit ausgestopften Löwen zu tun bekommen. Der BVB fuhr nie die Krallen aus. „Pressing ohne Timing ist nicht wirklich sinnvoll“, meinte Klopp. Sein Team verkörpert derzeit allenfalls das, als was die Bundesliga-Tabelle ihn ausweist: tristes Mittelmaß. Und so liegt die Ernüchterung bleischwer auf dem Team. „Wir haben uns in der Hinrunde viel kaputt gemacht, sind in der Champions League ausgeschieden. Da ist es schwierig, noch ganz große Ziele zu haben“, meinte Sven Bender.

Klassenerhalt nicht aus den Augen verlieren

Ein Ziel allerdings sollte die Borussia noch nicht aus den Augen verlieren angesichts von nur sieben Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz: den Klassenerhalt. Weshalb Klopp einen „dicken Strich“ unter das Duell mit Juve ziehen will, sein Team soll bis zur Partie am Samstag bei Hannover 96 (15.30 Uhr) die Enttäuschung abschütteln. Denn der Coach weiß, dass es vor allem „doof ist, wenn Niederlagen darüber hinaus nachwirken“.

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