Kagawa auch bei der WM in der Krise

Shinja Kagawa

RECIFE - Shinji Kagawa steckt in einer tiefen Formkrise. Der japanische Hoffnungsträger droht bei der WM an den hohen Erwartungen zu scheitern. Seit seinem Wechsel vom BVB nach Manchester hat sich der Japaner nicht weiterentwickelt.

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Der Optimismus war grenzenlos. Trotz einer hundsmiserablen Saison bei Manchester United war Japans Shinji Kagawa voller Zuversicht nach Brasilien gereist, wollte die "Blauen Samurai" als Nummer 10 in neue Sphären führen. Doch nach dem schwachen Auftritt beim WM-Auftakt gegen die Elfenbeinküste ist die Euphorie des Ex-Dortmunders verflogen. Vor dem so wichtigen Spiel gegen Griechenland beginnt der "Messi Japans", wie ihn die Nippon-Fans nennen, an sich selbst zu zweifeln. "Ich habe mich so sehr auf die WM vorbereitet. Wenn dies das Ergebnis sein sollte, sagt das viel über mich aus", diktierte Kagawa völlig niedergeschlagen in die Notizblöcke der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo News. Die Gedanken an seine WM-Premiere würden ihn quälen, aber "wir haben noch zwei Spiele und werden nicht aufgeben".

Jürgen Klopp, seinem Entdecker und Mentor aus glücklichen Zeiten bei Borussia Dortmund, dürfte ob der Vorstellung seines einstigen Musterschülers jedoch das Herz geblutet haben. Trainer Alberto Zaccheroni hatte gegen die Ivorer Superstar Keisuke Honda ins zentrale Mittelfeld beordert und den technisch versierteren Kagawa wie mal wieder auf den linken Flügel verbannt. Dort wirkte der 25-Jährige allerdings wie ein Fremdkörper und konnte dem japanischen Angriffsspiel kaum nennenswerte Impulse geben. Während Spielmacher Honda in der Zentrale zumindest ein bisschen Unruhe stiftete und die zwischenzeitliche Führung markierte, gelang Kagawa so gut wie nichts. Seine Auswechslung in der 86. Minute kam einer Erlösung gleich.

Schon in England hatte Asiens Fußballer des Jahres 2012 eine Saison zum Vergessen gespielt hatte. Nichts erinnerte noch an den wieselflinken Instinkt-Fußballer, der mit seinen blitzschnellen Dribblings und seinem ausgeprägten Gespür für die Situation in Dortmund die Massen verzaubert und den BVB zwischen 2010 und 2012 zu zwei Meisterschaften und dem Pokalsieg geführt hatte. "Shinji ist einer der besten Spieler der Welt und jetzt spielt er 20 Minuten bei Manchester United - auf dem linken Flügel! Das bricht mir das Herz", klagte Dortmunds Coach Klopp in der britischen Tageszeitung The Guardian schon nach Kagawas erster Saison auf der Insel. Das treibe ihm die "Tränen in die Augen"." Doch auch unter David Moyes, dem im April geschassten Nachfolger von Sir Alex Ferguson, kam Kagawa nie über den Status eines Ergänzungsspielers hinaus und erzielte in 18 Ligapartien, die er häufig als Einwechselspieler absolvierte, nicht einen einzigen Treffer.

Sein Wechsel im Sommer 2012 für geschätzte 20 Millionen Euro nach Manchester entpuppte sich immer mehr als einziges Missverständnis. "Ich bin trotzdem motiviert geblieben. Ich hatte ja noch die WM, auf die ich mich freuen konnte", hatte Kagawa noch unmittelbar vor dem Turnierauftakt gesagt und seine Ambitionen mit Nachdruck unterstrichen: "Mein Wille ist groß. Ich will das Team führen." Gegen Griechenland bekommt er nun seine zweite Chance. Eine Chance, die er unbedingt nutzen will. "Wir wollen in diesem Turnier nicht auf diese Weise enden und haben eine keine andere Wahl als zu attackieren", sagte Kagawa. - sid

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