BVB-Trainer Jürgen Klopp lässt keine Gefühle zu

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Klopp: "Verabschiede mich erst kurz bevor ich weg bin."

Dortmund - Es ist Jürgen Klopps letzte Pressekonferenz vor einem Bundesligaspiel im Dortmunder Stadion. Doch der scheidende Fußball-Lehrer gewährt keinen Einblick in sein Gefühlsleben, verdrängt die Emotionen.

Wer vor dem Saisonkehraus am Samstag gegen Werder Bremen (15.30 Uhr) einen nachdenklichen oder gar sentimentalen Trainer auf dem Podium erwartet hat, der sieht sich getäuscht. Klopp hat den Verein auch darum gebeten, vor dem Spiel auf den obligatorischen Blumenstrauß zu verzichten. „Ich verabschiede mich erst kurz bevor ich weg bin“, erklärt der 47-Jährige. „Es gibt am Samstag kein Klopp-Event.“

Während BVB-Routinier Sebastian Kehl, der seine aktive Laufbahn beendet, nach seinem letzten Auftritt im Signal-Iduna-Park Mannschaft und Freunde zu einem Abendessen einlädt, hat Klopp nichts geplant. „Alles ist wie sonst auch“, sagt er und hebt schon einmal mahnend den Finger: „Wer Pokalsieger werden will, der kann am Samstag nicht saufen.“

Konzentration und Kraft gefordert

Der Coach lässt keine Zweifel daran, dass er in seinen letzten beiden Spielen mit dem BVB sehr viel vor hat. Deshalb sei seine ganze Konzentration und Kraft gefordert. Schließlich geht es gegen Werder um die Qualifikation für die Europa League, eine Woche später am 30. Mai im Finale in Berlin gegen den VfL Wolfsburg um den DFB-Pokal. „Ich sehe es als meine Aufgabe an, nicht zu nostalgisch in dieses letzte Heimspiel zu gehen. Was sich danach abspielt, ist für mich alles andere als eine schöne Vorstellung. Im Moment lasse ich nicht zu, dass ich mich damit großartig beschäftige.“

Klopp will die Chance nutzen, mit der er zur Hälfte der Saison nicht mehr gerechnet hatte. Am 19. Spieltag lag der BV Borussia auf dem letzten Tabellenplatz der Bundesliga. Deshalb würde allein schon die Qualifikation für die Europa League alles für ihn bedeuten. „Am 19. Spieltag habe ich nach dem 0:1 gegen Augsburg zum ersten Mal gedacht, es könnte eng werden. Wenn so viel scheiße gegen dich läuft, kann alles passieren“, erzählt der Trainer. „Dass wir jetzt mit diesem wild tobenden Abstiegskampf nichts zu tun haben, ist schon eine tolle Sache. Und wir können uns sogar wieder mit einem großen Ziel beschäftigen. Um die Europa League nach den Erfolgen der vergangenen Jahre als etwas Großes anzusehen, muss man zuvor wie wir durch ein tiefes Tal gegangen sein.“

Europa League eine "Riesenchance"

Die Spieler haben ihrem scheidenden Übungsleiter schon nach der Verkündung seiner Demission einen würdigen Abschied versprochen. Doch deswegen nimmt Klopp seine Profis nicht in die Pflicht. „Es muss keiner einen Schritt mehr laufen, weil ich in ein paar Tagen nicht mehr Trainer bin. Sondern einfach nur, weil sich uns mit der Europa League eine Riesenchance bietet, die lange Zeit unerreichbar schien“, sagt er.

Dafür sucht er lieber den Schulterschluss mit den Fans: „Ich wünsche mir, dass wir es noch einmal schaffen, ein richtiges BVB-Heimspiel daraus zu machen. Das bedeutet, dass es voller Leidenschaft, Zielstrebigkeit und Intensität geführt wird. Dann wird es schwierig für den Gegner, sind wir stark und erreichen unser Ziele.“ Für Klopp würde sich der Kreis schließen. In seinem ersten Meisterschaftsjahr mit dem BVB wurde er Sechster. Diese Platzierung ist auch in seiner siebten und letzten Saison in Dortmund möglich.

Was danach passiert, lässt er übrigens weiter offen. Meldungen, er sei in Istanbul gesichtet worden, dementiert er. „Man muss nicht jedem Vollpfosten, der etwas twittert, glauben“, betont der gebürtige Schwabe. „Ich habe nach wie vor mit keinem Verein gesprochen und mich auch nicht damit beschäftigt. Ich habe nicht einmal ein Gefühl dazu. Ich bin voll hier. Das können manche gut finden oder nicht. Aber es hilft.“

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