Profi-Geschäft

BVB-Spieler Schmelzer über Druck im Fußball

+
Marcel Schmelzer (rechts) im Gespräch mit Sportjournalist Oliver Müller (links) und DAZN-Reporter Sebastian Benesch.

In Dortmund läuft zur Zeit ein Film über Mario Götze. Wir waren bei der Vorstellung dabei – und haben im Anschluss einen Talk mit Marcel Schmelzer verfolgt. Der ehemalige BVB-Kapitän hat tiefe Einblicke gewährt.

Dortmund – Mario Götze polarisiert. Medien, Fans, Fachleute. Das hinter dem Siegtorschützen des WM-Finales von 2014 aber ein ganz anderer steckt, sehen wenige. Götze hat durch den Sport-Streamingdienst DAZN eine Dokumentation über sich selbst drehen lassen. Es geht um den Druck im Profigeschäft. 

Am Donnerstag war die Kinofassung im Dortmunder Roxy zu sehen – mit anschließender Talk-Runde. DAZN-Reporter Sebastian Benesch moderierte, zu Gast waren Oliver Müller, Sportjournalist und Protagonist der Doku, sowie BVB-Linksverteidiger Marcel Schmelzer. Und auch der gab einen ziemlich tiefen Einblick.

Shitstorms im Internet

„So weit es es mir gerade gut. Ich bin ein bisschen verletzt und es zieht sich auch noch ein bisschen. Aber sonst, ja, geht es gut“, sagte Schmelzer. Hätte man die Frage dem 30-Jährigen vergangene Saison gestellt, die Antwort wäre eine andere gewesen. „Das war eine meiner schlechtesten Spielzeiten beim BVB. Ich hatte da auch viel mit mir selbst zu kämpfen und kann den Unmut der Fans verstehen“, sagte er. Hinzu der Druck von außen. Shitstorms in den sozialen Medien. „Ich kann keinem empfehlen, die Kommentare zu lesen. Junge Spieler machen das, klar. Aber spätestens mit der ersten schlechten Phase hört man damit auf“, so Schmelzer.

Mit Götze würde er zudem nicht tauschen wollen. „Ich bekomme das ja hautnah mit, wie es ihm ging und wie die Berichte über ihn laufen. So etwas belastet einen Menschen schwer – und ihn immer nur am WM-Finale zu messen ist auch sehr schwer“, sagte der ehemalige BVB-Kapitän.

Schutzreflexe der Spieler

Er spricht dabei von Schutzreflexen. Schmelzer: „Viele Leute sagen, dass wir Fußballer immer nur Floskeln raushauen und es mittlerweile eigentlich langweilig geworden ist. Aber: Wenn wir nur halb so viel sagen, was wir denken – wie lange würden wir dann mit diesen Aussagen konfrontiert werden?“ 

Der Druck ist groß, hinter jedem Profi-Fußballer steckt ein normaler Mensch. Familie, Freunde, Freizeit. Das vergessen die Menschen. „Es heißt immer, wir haben keine Typen mehr mit echter Meinung. Aber mal ehrlich, die letzten, die was rausgehauen haben, denen wurde das tagelang, monatelang oder gar jahrelang vorgehalten“, so Schmelzer.

Mario Götze (zweiter von rechts) kann wieder jubeln.

Wer denkt, damit seien die Emotionen im Fußball begraben, liegt falsch. Auf dem Platz ist entscheidend. „Die Einwechslung von Mario gegen Augsburg war einer der schönsten Momente für mich in der der jüngeren Vergangenheit. Wie laut dieser Name geschrien wurde! Ich hatte wirklich Gänsehaut. Umso besser, dass er direkt mit dem Tor antworten konnte“, erzählte Schmelzer.

Favre bindet jeden ein

Ein Umstand, an dem auch Coach Lucien Favre nicht unbeteiligt ist. „Der Trainer macht einen sehr guten Job in der Zeit, in der er hier ist. Er macht keinen Unterschied zwischen den Spielern, bei denen es gut läuft oder denen, die hinten dran sind. Das fördert den Teamgeist extrem“, sagte Schmelzer. Daher seien auch erst die vielen Jokertore möglich. „Deswegen machen auch im Moment die Spieler, die nicht von Anfang an spielen und dann reinkommen, den Unterschied. Weil jeder einzelne einfach dieses Gefühl der Wichtigkeit hat“, so 30-Jährige.

So ein starkes Wir-Gefühl birgt aber auch letztendlich Tücken. Der Wechsel von Götze nach Bayern hat seinerzeit tiefe Wunden bei den Fans von Borussia Dortmund gerissen. Ob so etwas noch mal möglich wäre – vielleicht mit einem anderen Spieler als Protagonisten? Schmelzer negiert. „Es kann letztendlich keinen Fall mehr wie Mario geben. Das einzige wäre, wenn Marco jetzt so etwas machen würde. Sonst würde das nicht vergleichbar sein.“

Homosexualität im Fußball

Und dann hat eine Zuschauerfrage noch ein ganz anderes Thema angerissen. Homosexualität im Fußball. Der Druck in der Öffentlichkeit ist groß bei diesem Thema. Ja, auch im Jahr 2018, mitten in Deutschland. Wo eigentlich kein Problem sein sollte, existiert eins. 

Nicht aber unter den Spielern. „Das wäre kein Problem“, sagte Schmelzer. „Das würde ja nicht ändern, was gerade ist. Der Spieler wäre weiterhin ein Freund und ein Mannschaftskamerad. Ich denke, dass wird aber noch lange ein Schutzreflex der Spieler sein“, sagte er.

Sie wollen auch die Doku sehen? Hier können Sie ein DAZN-Abo abschließen. (Partnerlink)

Verpassen Sie keine Nachricht zu Borussia Dortmund und werden Sie Fan unserer Facebook-Seite.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare