Unrühmlicher Spitzenreiter

Rote Karte für den BVB: Umwelthilfe kritisiert Einwegbecher

+

Dortmund - An den ersten acht Spieltagen in der ersten und zweiten Bundesliga sollen zwei Millionen Einwegbecher verbraucht worden sein, bemängelt die Deutsche Umwelthilfe. Unrühmlicher Spitzenreiter: Borussia Dortmund, der Verein mit den meisten Zuschauern.

Wie die „Ruhr Nachrichten“ berichtet, hatte der BVB angesichts der aufwendigen Logistik durch Mehrwegbecher zur neuen Saison auf Einwegbecher umgestellt. Borussia Dortmund, ähnlich wie Bayern München, sende damit ein falsches Signal an die Fans und andere Vereine, so die Kritik der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation Deutsche Umwelthilfe. Ihre Forderung an alle Bundesligisten, Stadion-Caterer und Stadtverwaltungen: Benutzung umweltfreundlicher Mehrwegbecher.

Laut Arne Niehörster, BVB-Sprecher, ist auch die Ökobilanz von Mehrwegbechern nicht unumstritten. Diese würden viel Wasser verbrauchen, da sie gespült werden müssten. Zudem gebe es dabei ein Hygiene-Problem. Bei den neuen Einwegbechern entfalle der Spültransport nach Potsdam. Sie seien aus Mais produziert und zu 100 Prozent wiederverwertbar.

Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft bei der DUH, hält dagegen. Die Einwegbecher aus dem Biokunststoff Polyactid (PLA) belasteten durch intensiven Düngemittel- und Pestizideinsatz sowie durch einen hohen Energieverbrauch bei der Rohstoffherstellung die Umwelt. Außerdem, unterstellt er, würden die Becher in der Regel verbrannt.

Der BVB lasse sich das Kompostieren der Becher jedoch zertifizieren, widerspricht Niehörster. Im Stadion wurden eigens für die Sammlung der Becher unter allen Tribünen und an den Ausgängen rund 60 Sammelröhren und 50 gekennzeichnete Tonnen aufgestellt, flankiert von der Kampagne „Gib mich den Becher“. Stadionbesucher sollen ihre Becher in den Sammelstellen zu entsorgen.

Die Entsorgung Dortmund (EDG) teilte auf Anfrage mit, dass an den Wegstrecken und Eingängen zum Stadion seit August nicht auffällig mehr Plastikbecher angefallen seien als sonst. Trotzdem sei das Einwegsystem nicht in Stein gemeißelt, sagt BVB-Sprecher Niehörster. Nach der Sommerpause werde man sich zusammensetzen und Bilanz ziehen.

Union Berlin belegt den Spitzenplatz

Am besten abgeschnitten hat unter allen Erst- und Zweitligisten der 1. FC Union Berlin. „Die Hälfte aller Bundesligisten setzt bereits auf Mehrweg. Hannover 96 hat sich diese Saison von Einweg-Bioplastikbechern verabschiedet und ist zum Mehrwegsystem zurückgekehrt. Dies zeigt, dass Mehrwegbecher problemlos einsetzbar und in vielerlei Hinsicht vorteilhaft sind“, sagt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer.

Der beste Weg um Abfälle zu vermeiden, sowie Energie und CO2-Emissionen zu vermeiden, sei die benutzung von wiederverwendbaren Bechern. „Wir fordern alle Vereine auf, ihr Abfallkonzept zu überprüfen und zu optimieren. Auch viele Vereine, die bereits Mehrwegbecher einsetzen und damit die Umwelt schützen, haben beim Catering noch Spielraum nach oben“, sagt Thomas Fischer von der DUH. - eB

Mehr zum Thema

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare