Vor dem Derby die Balance finden

+

Dortmund - Selten ist in Dortmund angesichts des Wirbels um die Rückkehr von Jürgen Klopp über ein Revierderby im Vorfeld so wenig geredet worden wie in diesen Tagen. Daher wird es auch BVB-Trainer Thomas Tuchel keineswegs leicht fallen, nach dem mageren 1:1 (0:1) im Viertelfinal-Hinspiel der Europa League gegen den FC Liverpool mit Blick auf das Rückspiel am kommenden Donnerstag an der Anfield Road die richtige Balance zwischen Bundesliga und internationaler Bühne zu finden.

„Liverpool, Schalke, Liverpool – es ist nicht nur eine körperliche Belastung, sondern auch ein emotionaler Stress“, erklärte der Dortmunder Fußball-Lehrer. „Wir sind voller Vorfreude auf die Aufgaben gewesen. Das sind alles Spiele zum Genießen.“ Davon war am Donnerstagabend auf dem Rasen allerdings wenig zu sehen. Klopp hatte seine Reds optimal eingestellt. Dem FC Liverpool war es von Beginn an gelungen, mit aggressivem Pressing den Schwarz-Gelben den Spaß am Fußball zu nehmen. 

„Wir haben in der ersten Hälfte sehr nervös, verkrampft, zu verbissen gewirkt. Ich hatte mir gewünscht, dass die Mannschaft mit einem Lächeln auf den Lippen spielt. Mit einer Freiheit und Lockerheit das Ganze anzugehen. Das ist uns Gott sei Dank in der zweiten Halbzeit besser gelungen“, lautete die erste Analyse von Tuchel. Immerhin schaffen die Borussen nach dem 0:1 durch Divock Origi (36.) kurz nach dem Wiederanpfiff den Ausgleich durch den Kopfball von Mats Hummels (47.), der ihnen zumindest noch alle Chancen auf den Einzug ins Halbfinale lässt. 

BVB und Liverpool trennen sich im Europa League-Hinspiel 1:1

Diese Tatsache hatte der Bundesligist aber allein seinem überragenden Schlussmann Roman Weidenfeller zu verdanken, der im Verlauf der Partie einige Male überragend reagierte und einen höheren Rückstand vereitelte. Was dem Routinier ein Sonderlob der beiden Trainer einbrachte. Als „sensationell“ bewertete Klopp die Vorstellung seines ehemaligen Schützlings. Das bestätigte auch Tuchel: „Es war eine herausragende Leistung von ihm. Ich freue mich sehr, dass es ihm in diesem Spiel gelungen ist. Es ist die Belohnung für all die Energie, die er der Mannschaft gibt. Vor allem in der Phase nach der Pause hat er uns im Spiel gehalten. Wenn jemand es verdient hat, dann er.“ 

Bürki bleibt am Sonntag die Nummer eins

Was für Weidenfeller aber nicht reicht, auch am Sonntag (15.30 Uhr) im Derby in der Schalker Arena zwischen den Pfosten zu stehen. In der Bundesliga bleibt der Schweizer Roman Bürki die Nummer eins. Der BVB-Coach kündigte ohnehin eine erneute Rotation an. „Wir werden sehr gewissenhaft mit der Belastung umgehen. Es wird zu Wechseln kommen, aber wir werden trotzdem eine gute Mannschaft auf dem Feld haben“, sagte Tuchel. Abschenken werden die Dortmunder den Revierschlager aber nicht. „Wir wissen, welche Bedeutung diese Partie für unsere Fans hat. Deswegen wollen wir sie unbedingt gewinnen. Vielleicht werden wir eine Reaktion auf das 1:1 gegen Liverpool schon am Sonntag sehen.“

Bis dahin dürfte auch das Thema Klopp aus allen Dortmunder Köpfen sein. Der Liverpooler Teammanager war „Im Großen und Ganzen sehr zufrieden“, warnte aber vor dem Rückspiel: Wir haben nach dem 1:1 nicht das Gefühl, bereits durch zu sein. Jetzt ist richtig Pfeffer drin. Am Donnerstag brennt die Anfield.“ Dazu will auch der BVB-Kapitän mit seinen Teamkollegen beitragen: „Es ist noch alles drin. Mit einem 2:2 wären wir weiter. Und ein solches Ergebnis sollte uns zuzutrauen sein“, beteuerte Hummels. „Wir haben nicht nur eine gute, sondern eine sehr gute Chance aufs Weiterkommen, weil wir unsere Qualitäten kennen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare