Der Frust entlädt sich beim BVB in den Katakomben

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Gefrustet hockte Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang nach der überraschenden 1:3-Niederlage auf dem Rasen.

Hamburg - Mit versteinerter Miene stapfte Michael Zorc, Sportlicher Leiter von Borussia Dortmund, nach der 1:3-Niederlage beim Hamburger SV in die Katakomben des Volksparkstadions. Hier entlud sich sein Frust. „Wir haben eine extrem schlechte erste Halbzeit gespielt, weil wir nicht bereit waren, die Spielweise der Hamburger anzunehmen“, wetterte er.

Zudem, so schimpfte Zorc weiter, hätten die Dortmunder auch noch kräftig mitgeholfen bei den drei Gegentreffern. Diese Kritik galt vor allem Torhüter Roman Bürki, der Ivo Illicevic im Strafraum zu Fall brachte, obwohl der Hamburger die Riesenchance schon vertan hatte.

Auf seinen Fehler angesprochen, wiegelte der Schweizer ab. Er wisse nicht, ob er Illicevic von den Beinen geholt habe oder ob dieser in ihn hineingelaufen sei. Den fälligen Elfmeter verwandelte Pierre-Michel Lassoga sicher zum 1:0.

Trotz des frühen Rückstandes zeigte der BVB keine Trotzreaktion. Völlig emotionslos spielten die Schwarz-Gelben einen Fußball, der mit vielen Fehlern behaftet war. Auch beim 2:0 durch Lewis Holtby düpierte der HSV die überforderte Hintermannschaft der Gäste. Anstatt nach dem Fehlpass von Matthias Ginter den Hamburger Nicolai Müller zu stellen, ließen Mats Hummels und Sokratis den HSVer ungehindert zu Holtby passen.

Dramatischer Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit

In der Pause wechselte Thomas Tuchel Matthias Ginter und Shinji Kagawa aus, um dem Spiel eine Wende zu geben. Denn nach Meinung des BVB-Trainers gab es in den ersten 45 Minuten einen dramatischen Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Warum das so war, obwohl die Dortmunder vor der Länderspielpause mit hervorragenden Leistungen aufgewartet hatten, dafür hatte der Trainer nach dem schlechtesten Spiel des BVB unter seiner Regie keine Erklärung.

HSV durfte Ball durch eigene Reihen laufen lassen

Die Ursache für die abermalige Niederlage gegen den Angstgegner Hamburg war die fehlende Aggressivität. Anstatt den Kampf anzunehmen, konnten die Hausherren vielfach ungehindert den Ball durch ihre eigenen Reihen laufen lassen.

An den wartenden Journalisten vorbei lief derweil Abwehrchef Mats Hummels, der mit seinem Eigentor den HSV mit 3:0 in Front schoss. Warum er selbst und seine Teamkollegen erst in der zweiten Halbzeit zumindest phasenweise so etwas wie guten Fußball gezeigt hatten, darüber mochte der Kapitän nicht reden.

Tuchel benennt drei konkrete Gründe für die Pleite

Natürlich hatte der Terroranschlag in Paris die Nationalspieler zwar belastet, schließlich waren sie nach Aussage von Ilkay Gündogan zwölf Stunden im Stadion eingesperrt gewesen, während draußen geschossen wurde. Aber als Ausrede für die Schlappe in Hamburg nutzte kein Nationalspieler die Tragödie während des Fußball-Länderspiel Frankreich gegen Deutschland.

„Unsere Nationalspieler haben gut trainiert, deshalb habe ich die bestmögliche Mannschaft aufstellen können“, betonte Tuchel. Mit Blick auf die verlorene Partie, in der Pierre-Emerik Aubameyang in der 86. Minute den Ehrentreffer für die Dortmunder erzielte, sprach der Coach von der fehlenden Intensität in der Verteidigung, von der nicht vorhandenen Schärfe im Passspiel und dem mangelhaften Besetzen der Positionen. Für all diese Mängel wurde die Mannschaft vom HSV verdient bestraft. - von Jens Lederer

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