Nach Angriff auf Auto

Rache unter Fußball-Fans: Schalke-Ultras im Visier

Gewalttätige Randale beim Revierderby im Oktober 2013

SOEST / GELSENKIRCHEN -  Bei den Tatverdächtigen, die am Dienstag in Gelsenkirchen zwei Soester BVB-Hooligans und ihren Anwalt überfallen haben, handelt es sich nach Auskunft der Polizei um Schalke-“Ultras“.

Die beiden Soester waren wenige Minuten zuvor vom Gericht in Gelsenkirchen wegen ihrer gewalttägigen Randale beim Revierderby im vergangenen Herbst verurteilt worden.

Lesen Sie weitere Berichte zu dem Thema bei unseren Kollegen des Soester Anzeigers.

Polizei und Staatsanwälte im Ruhrgebiet haben in Sachen Exzesse und Gewalt bei Fußballspielen im Revier schon eine Menge erlebt. Doch einen solchen Fall wie am Dienstag, als zwei Soester Hooligans nach ihrer Verurteilung vor Gericht auf der Straße abgefangen werden und das Auto zertrümmert wird, ist auch für die Ermittler Neuland. „Das hat schon eine andere Qualität“, sagt Oberstaatsanwältin Anette Milk.

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt auch ihr Kollege Eberhard Buschmann, der seit Jahren alle Gewalttaten, die „Auf Schalke“ und drumherum verübt worden sind, auf den Tisch bekommt und die Täter anklagt. „Dritt-Ort-Auseinandersetzungen“ kommen immer wieder mal vor, wenn etwa gewaltbereite Schalke-Ultras auf Dortmund-Ultras auf der Straße oder in der Kneipe treffen und sich beharken. Doch dass ein Dutzend gewaltbereiter junger Männer auf offener Straße gezielt ein Fahrzeug stoppt und mit Baseballschlägern auf die Scheiben und die Karosse eindrischt, hat es nach Auskunft der Ermittler noch nicht gegeben.

Staatsanwältin: Es gibt keine andere Erklärung

Es blieb zum Glück am Dienstagmittag beim Materialschaden. Wobei die drei Insassen auch nur deshalb mit heiler Haut davonkamen, weil der Soester Rechtsanwalt Jürgen Brunnert, der das Auto mit den beiden Verurteilten an Bord steuerte, über den Gehweg flüchten konnte (wir berichteten).

Eine andere Erklärung als die, dass die Soester Dortmund-“Ultras“ auf gewalttätige Schalke-“Ultras“ getroffen sind, hat Staatsanwältin Milk nicht: „Es sieht ganz danach aus, es gibt gar keine andere Erklärung.“ Die Einschätzung wird gestützt von den Erkenntnissen der Polizei in Gelsenkirchen, die inzwischen zumindest drei aus der Angreifer-Horde identifiziert hat. Auch wenn die Polizei keine näheren Angaben zu den Tatverdächtigen machen will, so viel erklärt sie doch: „Die gehören zur Gelsenkirchener Ultra-Szene.“

Aber warum picken die sich ausgerechnet die beiden Soester heraus? Sind die zwei, die vor Gericht vom Staatsanwalt als Rädelsführer und keineswegs als bloße Mitläufer bezeichnet wurden, bei den verfeindeten Schalker-“Ultras“ mittlerweile so bekannt und verhasst, dass es zu solchen brutalen Exzessen kommt?

Rücksichtslos auch gegen Unbeteiligte

Staatsanwältin Milk nennt zwei mögliche Erklärungen: „Entweder wollten sie (die Schalker Ultras) vielleicht nochmal ihren territorialen Anspruch auf Gelsenkirchen deutlich machen oder es war wirklich ein Racheakt innerhalb der Fan-Szene.“

Sollte das Letztere zutreffen, spielt es offensichtlich für gewalttätige Fans keine Rolle, wenn wie am Dienstag mit dem Soester Anwalt Unbeteiligte mit zu Schaden kommen. „Ich bin da zwischen die Fronten geraten“, glaubt Brunnert.

Für diese Annahme sprechen auch die Erfahrungen, die das Gericht in Gelsenkirchen und die Ermittler bei der großen Randale beim Revier-Derby im Oktober gemacht haben. Damals schossen die Vermummten aus dem schwarzen Dortmund-Block Leuchtspurmunition quer durch die Schalker Arena, sogar auf die Spieler der eigenen Mannschaft und in den Nachbarblock, wo friedfertige Familien mit Kindern saßen. -  hs

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