Bundesliga am Sonntag

Bosz kehrt nach Dortmund zurück – wiederholt er seine Fehler mit Leverkusen?

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Peter Bosz möchte seine Fehler beim BVB als Trainer von Bayer 04 Leverkusen nicht wiederholen.

Erstmals kehrt Peter Bosz am Sonntag als neuer Trainer von Bayer Leverkusen nach Dortmund zurück. Dabei werden nicht nur beim Niederländer viele Erinnerungen wach.

Dortmund – Als Peter Bosz einen Tag vor Heiligabend als neuer Trainer von Bayer Leverkusen vorgestellt wurde, war noch ein wenig Frust im Spiel. Der Coach reagierte, auf seine frühere Tätigkeit beim Ligakonkurrenten Borussia Dortmund angesprochen, gereizt.

„Ich war noch nicht fertig in der Bundesliga. Die Menschen in Deutschland haben noch nicht den richtigen Trainer Peter Bosz gesehen“, erklärte der Niederländer bei der offiziellen Präsentation. Doch einen intensiveren Blick zurück wollte der 55-Jährige nicht auf seine Zeit beim BVB werfen. „Die Fehler, die ich in Dortmund gemacht habe, muss ich nicht in Leverkusen wiederholen, sondern aus dieser Erfahrung lernen“, betonte Bosz.

Bosz freut sich

Gut 14 Monate nach seiner Demission bei den Schwarz-Gelben kehrt er am Sonntag (Anstoß 18 Uhr/bei uns im Live-Ticker) mit seiner neuen Leverkusener Mannschaft erstmals wieder in den Signal Iduna Park zurück. „Ich freue mich auf das tolle Stadion, auf die Gelbe Wand mit den Fans, und darauf, wieder einige nette Leute zu treffen“, sieht Bosz dem Wiedersehen positiv entgegen.

Die voraussichtliche Aufstellung des BVB gegen Leverkusen

Dennoch wird er am Sonntag an jenes Gefühl der Ratlosigkeit erinnert werden, das ihn zum Ende seiner Amtszeit, die lediglich 161 Tage dauerte, in Dortmund fast rund um die Uhr beschäftigte. Tage, an denen die Emotionen auch mit dem nach außen so ruhig und gelassen wirkenden ehemaligen Bundesligaprofi von Hansa Rostock Achterbahn fuhren.

Beim BVB Spuren hinterlassen

Denn Bosz hat beim BVB durchaus Spuren hinterlassen. Zu Beginn mit einem begeisternden Offensivfußball, der die Borussen damals nach sieben Spieltagen mit der fast optimalen Ausbeute von 19 Punkten bei 21:2 Toren auf Platz eins der Bundesliga-Tabelle führte. Aber auch mit einer Art von taktischer Hilflosigkeit, mit der er die folgende Talfahrt mit acht sieglosen Spielen und den damit verbundenen Absturz auf Platz acht der Tabelle nicht verhindern konnte. Bosz war nicht in der Lage, sein System den personellen Gegebenheiten in Dortmund anzupassen.

Es waren elementare Dinge, die schließlich ausschlaggebend für seine Entlassung waren. Das 4:4 im Derby gegen die Schalker nach einer 4:0-Pausenführung, oder aber das klägliche Aus in der Vorrunde der Champions League, in der es lediglich zwei Unentschieden gegen Nikosia gab. Am 9. Dezember zog BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke nach der 1:2-Heimpleite gegen Werder Bremen die Reißleine, trennte sich von Bosz und verpflichtete Peter Stöger als Nachfolger. Der Österreicher führte die Borussia dann immerhin noch in die Champions League.

Als Trainer von Borussia Dortmund konnte Peter Bosz am Ende keine Erfolge einfahren.

Und Watzke kartete nach, obwohl er zuvor vom Spielsystem des Peter Bosz‘, das zuvor bei Ajax Amsterdam nach einigen Anlaufproblemen zum Erfolg führte, überzeugt war. „Schon während wir gewonnen haben, habe ich nie ein sicheres Gefühl gehabt. Das war immer fragil“, begründete der Vorsitzende der Geschäftsführung die Trennung vom Niederländer. In bester Erinnerung ist in diesem Zusammenhang vielen BVB-Fans der 6:1-Kantersieg gegen Borussia Mönchengladbach in einer Partie, in der die Gäste vom Niederrhein eigentlich zur Pause mit 3:1 vorn liegen mussten. 

Bosz wollte Spieler holen

Einige Akteure seien, so Watzke, von der Spielidee nicht überzeugt gewesen. „Vielleicht haben sie es am Ende deshalb nicht mehr mit letzter Inbrunst gemacht“, erklärte der BVB-Boss. Von Bosz war nach der Entlassung in Dortmund zunächst nichts zu hören. Erst später plauderte er in niederländischen Talkshows über seine BVB-Zeit. Watzke und Sportdirektor Michael Zorc hätten damals viele Spiele von Ajax gesehen, erzählte Bosz. „Sie wollten, dass ich den BVB so spielen lasse und glaubten, für dieses System die richtigen Spieler zu haben.“ Vielleicht sei er zu diesem Zeitpunkt zu naiv gewesen, meinte Bosz, der den damaligen Kader der Borussia als zu groß empfand. Im Winter wollte er dann gezielt Spieler für das neue System verpflichten. Doch diese Zeit gab ihm der Verein nicht mehr.

Bayern-Bezwinger

Die soll er jetzt aber in Leverkusen erhalten. Mit Bayer hat er vier seiner bisherigen fünf Bundesligaspiele gewonnen, dabei auch die Bayern 3:1 geschlagen. Nur beim Bosz-Debüt gab es ein 0:1 gegen Borussia Mönchengladbach. Den guten Ergebnissen in der Liga stehen aber das Pokal-Aus mit 1:2 beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim und der K.o. in der Europa League mit den zwei Unentschieden gegen Krasnodar gegenüber.

Alle Neuigkeiten rund um Borussia Dortmund

Doch unter Bosz spielt Leverkusen einen attraktiveren Fußball als noch unter Vorgänger Heiko Herrlich. Was auch daran liegt, dass er Julian Brandt und Kai Havertz als Doppel-Acht in der Bayer-Schaltzentrale verantwortungsvolle Aufgaben übertragen hat. Am seinem 4-3-3 hält der niederländische Fußball-Lehrer in Leverkusen fest. Nur offenbar mit einer besseren Defensivabsicherung als damals beim BVB. Dennoch habe er, wie er beteuerte, an seinem System auch defensiv keineswegs etwas verändert. „Vielleicht setzen das die Spieler in Leverkusen nur besser um, als sie es in Dortmund getan haben“, schmunzelte der Niederländer.

Richtungweisend wird die Rückkehr nach Dortmund für Bosz nicht sein, aber ein echter Gradmesser – in jeder Beziehung.

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