Zukunft im Blick

"Nicht zur Maschinerie werden": BVB mit familiärem Nachwuchskonzept zum Erfolg

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Kümmert sich um die BVB-Jugend: Lars Ricken

Borussia Dortmund ist derzeit nicht nur in der Bundesliga das Maß aller Dinge. Auch im Nachwuchsbereich will der Tabellenführer zu Benchmark werden.

Dortmund/Berlin – Bei einem Besuch am Trainingsgelände in Dortmund-Brackel begegnet man nur einem Mario Götze, einem Christian Pulisic, einem Marcel Schmelzer. Sie sind Unikate, die bei Borussia Dortmund von Teenagern zu Fußball-Stars gereift sind. Unikate, zu denen die nächste Generation aus nächster Nähe aufschauen kann. Wie ihre Vorbilder soll der heutige Nachwuchs im heimeligen Familienbetrieb statt am Talente-Fließband nach Marke England zu Spitzenspielern entwickelt werden.

"Was wir sicher nicht wollen: zur Maschinerie werden", sagte BVB-Nachwuchs-Chef Lars Ricken. Der Erfolg gibt ihm recht: Erst am Sonntag putzte die B-Jugend des BVB Schalke 04 im Ruhrpott-Derby mal eben mit 5:0.

Neue Talente

Gleich zweimal traf dort Youssoufa Moukoko, der im jungen Alter von 14 Jahren Gegenspieler jenseits der Pubertät buchstäblich alt aussehen lässt und bei 30 Toren in 16 Saisonspielen steht. Wie Götze, Pulisic und Schmelzer ist der Stürmer die Entdeckung in einem funktionierenden System, das höchsten internationalen Standards genügt - sonst hätte es in der vergangenen Dekade nicht so viele tolle Fußballer ausgespuckt und im Jugendbereich zuletzt in fünf Jahren fünf von zehn möglichen Titeln gewonnen.

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"Ich glaube, dass es die Mischung aus total ambitionierten sportlichen Zielen und einer trotzdem unheimlich familiären Atmosphäre ist, die uns auszeichnet", sagte Ricken im Interview mit dem Mitgliedermagazin Borussia.

Identifikation und Synergien

Darauf achten sie in Dortmund. Profis und Nachwuchskicker trainieren nah beieinander. "Und am Ende des Tages schaut die U10 schon mal beim Elfmeterschießen der Profis vorbei", sagte Ricken. Das schafft Identifikation und auch Synergien, wenn die Kinder dann älter werden und den Anschluss an die A-Mannschaft suchen.

Damit aber der derzeitig noch prächtig reißende Strom an Talenten nicht irgendwann versiegt - wonach es im deutschen Fußball ja allgemein im Moment aussieht - muss Ricken noch weiter an den Infrastrukturen feilen. Und da schaut er dann doch mit ein bisschen Neid auf die Insel.

Konzentration auf den Fußball

Auf das englische Schulsystem, um genau zu sein. Es sei laut Ricken "schon ein Unterschied, ob du morgens um 8 Uhr individuell trainierst, danach sieben Stunden Schule hast und am Abend erst eine Mannschaftseinheit absolvierst, oder ob du dich - wie zum Beispiel in England - schon in so jungen Jahren vornehmlich auf den Fußball konzentrieren kannst".

Um 16.30 Uhr statt 18.00 Uhr würde Ricken gerne beispielsweise mit dem Training der U19 anfangen. Ein bisschen weniger pauken also, damit nach dem Mannschaftstraining noch Zeit für professionelle Nachsorge bleibt.

Mehr Trainingsplätze

Gleichzeitig wird in den kommenden zwei Jahren das Jugendhaus stark erweitert und mehr Trainingsplätze gebaut - Kostenpunkt 15 bis 20 Millionen Euro. Englische Topklubs zucken da vielleicht nur mit der Augenbraue, aber BVB-Sportdirektor Michael Zorc sträubt sich dem Gigantismus.

"Uns geht es darum, unsere nationale Spitzenposition in der Nachwuchsförderung zu erhalten und Top-Talenten bestmögliche Bedingungen zu bieten", sagte der 56-Jährige: "Dafür benötigen wir keine 35 Rasenplätze." SID

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