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Nati-Torwarttrainer Foletti: Das kann Hitz besser als Bürki - und das nicht

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Von: Marcel Guboff

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Wer hat den besseren Durchblick? Mit der Verpflichtung von Marwin Hitz (links) hat der BVB den Konkurrenzkampf zwischen den Pfosten verschärft. Bislang war sein Landsmann Roman Bürki als Nummer eins gesetzt.
Wer hat den besseren Durchblick? Mit der Verpflichtung von Marwin Hitz (links) hat der BVB den Konkurrenzkampf zwischen den Pfosten verschärft. Bislang war sein Landsmann Roman Bürki als Nummer eins gesetzt. © imago

Roman Bürki und Marwin Hitz kämpfen bei Borussia Dortmund um den Platz zwischen den Pfosten. Der Torwarttrainer der Nati, Patrick Foletti, charakterisiert die beiden im Interview.

Dortmund - Bei Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund herrscht künftig ein verschärfter Kampf auf der Torhüter-Position. Nach der Verpflichtung von Marwin Hitz (30) darf sein Schweizer Landsmann Roman Bürki (27) nicht mehr sicher davon ausgehen, zwischen den Pfosten gesetzt zu sein.

Patrick Foletti (44), Torwart-Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, beschreibt im Gespräch mit Marcel Guboff die Stärken und Schwächen der Kandidaten und erklärt, warum er ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet.

Herr Foletti, der BVB hat mit Roman Bürki und Marwin Hitz zwei Schweizer Keeper im Kader. Was geben Sie ihnen auf den Weg, dass sie so eine Qualität entwickeln?

Patrick Foletti: Das ist ja nicht erst seit gestern so, dass die Qualität der Schweizer Torhüter groß ist. Ich habe schon mehrfach betont: Es sind meist junge und talentierte Torhüter auf der einen Seite, auf der anderen Seite sind es für Bundesliga-Verhältnisse „eher günstige“ Keeper. Dazu sind sie sehr teamfähig und entsprechend einfach zu integrieren. In Sachen Struktur und Sprache benötigen Sie keine lange Adaptionszeit. Von daher ist es keine Überraschung, dass viele Schweizer Torhüter in Deutschland sind. Es ist aber schon außergewöhnlich, dass gleich zwei in einem Verein sind. Das macht es sehr speziell.

Speziell auch dahingehend, dass beide den berechtigten Anspruch auf die Nummer eins haben?

Foletti: Von der Qualität her dürfen sicherlich beide diesen Anspruch haben. Mit Blick auf die Schweizer Nationalmannschaft ist es eine unglückliche Situation, weil wir jetzt in der Bundesliga einen Stammkeeper weniger haben werden.

Wie würden Sie die Stärken von Roman Bürki beschreiben?

Foletti: Roman ist auf der Linie hervorragend, ja sogar weltklasse. Er bringt dafür die Technik und athletischen Voraussetzungen mit. Er hat eine überdurchschnittliche Explosivität, kann mit starken Paraden auf der Linie sein Team im Spiel halten. Im Offensivspiel mit dem Fuß hat er eine unheimliche Präzision und Schärfe. Das sind nicht alle seine Top-Qualitäten, aber sicher seine stärksten Merkmale.

Und wie sieht es mit den Schwächen aus?

Foletti: Bei allem, was im Raum stattfindet, sehe ich noch Potenzial. Zum Beispiel bei der Entscheidung, ob er stehenbleiben oder rausgehen soll.

Es gibt auch Stimmen, die sagen, dass Bürki zu wenig Sicherheit und Ruhe ausstrahlt

.

Foletti: Neben dem Platz ist Roman sehr ruhig, aber auf dem Platz braucht er die Emotionen, um die volle Leistung zu bringen. Diese Emotionen hat er vielleicht nicht immer ganz im Griff. Das können Außenstehende vielleicht als Unruhe wahrnehmen. Ich sehe das dezidiert anders.

Patrick Foletti ist Torwarttrainer der Schweizer Nationalmannschaft.
Patrick Foletti ist Torwarttrainer der Schweizer Nationalmannschaft. © dpa

Ist Ihnen Bürki in der vergangenen Saison zu schlecht weggekommen? Er schien nicht gänzlich unumstritten.

Foletti: An solchen Diskussionen beteilige ich mich als Trainer nicht. Was in der Presse abläuft, ist Teil des Business. Wichtig ist für mich, dass ich weiß: Roman kann sich selber sehr gut einschätzen.

Zu Marwin Hitz: Er hat auf die WM-Teilnahme verzichtet, um direkt beim BVB einsteigen zu können. Wie haben Sie das aufgefasst?

Foletti: Die Mitteilung von Marwin kam sehr überraschend und kurzfristig, erst eine Woche vor dem Start unseres WM-Camps. Ich habe die Entscheidung natürlich akzeptiert und respektiert, nachvollziehen ist jedoch etwas anderes, aber es ist seine Sache. Er ist sehr reif und hat seine Gründe. Man kann spekulieren, ob der Wechsel dabei eine Rolle gespielt hat, denn zu diesem Zeitpunkt war er noch nicht zu 100 Prozent fix. Eine große Rolle hat allerdings gespielt, dass er als Nummer drei zur WM gefahren wäre. Ganz ehrlich: Ich habe lieber einen Torhüter, der so etwas klar kommuniziert als einen, der zehn Tage nach Turnierstart beklagt, dass er unzufrieden ist.

Welche Stärken bringt Marwin Hitz mit?

Foletti: Marwin hat eine unglaubliche Ruhe, und er ist auf der Linie unheimlich reaktionsschnell. Dazu ist er im Raum auch sehr gut. Er kann eine Spielsituation recht gut lesen. Und um die nächste Frage direkt zu beantworten: Er hat im Spielaufbau nicht die gleiche Qualität wie ein Roman Bürki. In dieser Hinsicht sehe ich bei ihm noch Potenzial.

Genau das könnte der entscheidende Punkt sein. Bei Lucien Favre wird der Torwart stark im Spielaufbau integriert und gilt als wichtige Anspiel-Station. Könnte das für Marwin Hitz zum Nachteil werden?

Foletti: Zum Schluss werden die Verantwortlichen in Dortmund sicher das Gesamtpaket beurteilen und nicht bloß eine einzige Fähigkeit. Entscheidend wird sicherlich sein, wer in den kommenden Wochen den überzeugenderen Eindruck hinterlässt. Ich kann mir auch vorstellen, dass sich die beiden den Job in den drei Wettbewerben teilen.

Für die Bank wären demnach also beide zu gut?

Foletti: Das ist so. Die Unterschiede sind so minimal. Man könnte die Augen zumachen und auf einen der beiden zeigen. Am Ende wird ein hervorragender Keeper im Tor stehen.

Hitz hat angedeutet, dass er sein Spiel in Dortmund umstellen muss, weil er dort mehr mitspielen muss als in Augsburg. Ist diese Umstellung so schwierig?

Foletti: Er hat in Augsburg ja schon beides erlebt. Die Umstellung ist insofern schwierig, dass er eine kleine Anpassungszeit benötigt. Aber Marwin ist intelligent und kann auch Fußball spielen. Von daher wird er das hinbekommen. Und Favres Mannschaften haben immer gezeigt, dass es zwei Komponenten ganz besonders braucht: einen Torhüter, der Fußball spielen kann und eine Mannschaft, die Lösungen anbietet. Und Favres Teams bieten immer mehrere Lösungen an, wenn der Keeper den Ball hat.

Das spricht ja für Hitz, dass er so lernwillig ist?

Foletti: Marwin ist unglaublich hungrig, unglaublich offen und immer noch lernfähig. Das ist eine große Qualität von ihm. Wenn wir in der Nationalmannschaft etwas Neues ausprobiert oder angesprochen haben, hat er das immer bewiesen. Er ist noch längst nicht ausgelernt. Das gilt aber auch für Roman Bürki. Ich habe immer viel Neues probiert, und sie haben beide positiv reagiert.

So, wie Sie von beiden schwärmen, würde es Ihnen offensichtlich schwer fallen, sich für einen der beiden zu entscheiden.

Foletti: Definitiv, da möchte ich nicht in der Haut von Favre und seinem Trainerteam stecken. Das ist eine 50:50-Entscheidung. Das ist ein Luxusproblem. Aber genau das war ja auch das Ziel der Dortmunder, zwei Top-Torhüter im Kader zu haben. Es ist schön, aber sicherlich auch schwieriger zu verwalten.

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