Reus und Bender fallen aus

Dortmunder Sorgenkinder tanken Selbstvertrauen

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Eine Nummer zu groß für Werder: Dortmunds Nuri Sahin (links) mit Doppeltorschütze Henrykh Mkhitaryan.

BREMEN - Freudig, beinahe schon ein bisschen enthusiastisch riefen Bremer Journalisten Sokratis Papastathopoulos zu sich. Sie kennen den staubtrockenen, coolen Innenverteidiger von Borussia Dortmund aus seiner Zeit bei Werder glänzend. Aber sie werden sich am Samstag schon ein bisschen mehr von ihm erhofft haben als diese nüchternen Fußballersätze, die so gesagt werden.

Von Marcus Bark

Schließlich hatte Sokratis mit dem BVB 5:1 (2:0) bei seinem ehemaligen Klub gewonnen, und dann war ja da noch die Geburt seiner Tochter Charula vier Tage zuvor. Aber selbst diese höchst erfreuliche Gemengelage führte nur zu folgender Grundaussage: „Das war ein gutes Spiel von uns. So müssen wir weitermachen.“

Vom Tenor her stimmte Jürgen Klopp mit seinem Spieler überein. Allerdings trug der Trainer seine Analyse wesentlich lockerer und in der Wortwahl doch deutlich angemessener vor: „Das war ein großartiges Spiel meiner Mannschaft. Heute haben wir gesehen, was wir gerne jede Woche sehen würden.“ Auch Robert Lewandowski lächelte: „Ja, das war der alte BVB. Ich hoffe, dass es auch der neue sein wird.“

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Mit 13 Treffern liegt der polnische Stürmer nun auf dem zweiten Platz der Torschützenliste hinter dem Berliner Adrian Ramos, der angeblich im Sommer nach Dortmund wechseln soll. Am Samstag schoss Lewandowski die Tore zum 1:0 (26.) und 5:0 (86.). Es war das 17. Mal im 118. Bundesligaspiel, dass ihm mindestens zwei Treffer gelangen.

Eine enorme Quote eines Spielers, der trotz seines Wirbels um den Wechsel zum FC Bayern in den vergangenen Wochen mit guten Leistungen überzeugte. Die hatte er exklusiv bei den Borussen, die mit vier Punkten, aber sehr holprig aus der Winterpause gekommen waren.

In Bremen zeigten die Dortmunder wieder den Fußball, mit dem sie unter Jürgen Klopp so erfolgreich geworden sind: aggressives Attackieren, konsequentes Gegenpressing nach Ballverlust, vertikal und mit Tempo nach vorne. Die Spielfreude war zumindest für 90 Minuten zurück.

Das schönste Tor des Nachmittags erzielte Henrikh Mkhitaryan nach einer famosen Vorarbeit des deutlich verbesserten Marco Reus (62.). Schon vor der Pause (41.) hatte der Armenier mit einem trockenen Schuss nach Temposolo getroffen. Mkhitaryan gilt als sehr selbstkritisch, er selbst äußerte im Wintertrainingslager, dass er sich häufig zu viele Gedanken mache. Die beiden Treffer, so hoffen sie in Dortmund, lösen beim knapp 27 Millionen Euro teuren Neuzugang nun eine neue Lockerheit aus.

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„Es stimmt, ich war nicht frei, habe mir selbst zu viel Druck gemacht. Ich habe versucht, an mir zu arbeiten und glaube, es ist mir gelungen, lockerer zu spielen“, sagte Mkhitaryan. Einen gewissen Druck hatte auch Manuel Friedrich verspürt, der in der 47. Minute mit dem 3:0 die letzten Zweifel am Dortmunder Sieg gegen die überforderten Bremer beseitigte. Er habe das Bedürfnis gehabt, so der überraschend für den wieder verletzten Mats Hummels in die Mannschaft gekommene Innenverteidiger, dass er dem Verein „ein Stück zurückgeben musste“.

Dortmund habe ihn, den damals arbeitslosen Profi, im November 2013 „als Notlösung“ verpflichtet. Das Vertrauen habe er zunächst nicht zurückzahlen können. Nun gelang es ihm, und Friedrich strahlte: „Ich habe mich selten mehr über ein Tor gefreut. Es war ein überwältigendes Glücksgefühl.“

Es scheint, als habe der BVB rechtzeitig wieder in die Spur gefunden. Schon am Dienstag geht es im Viertelfinale des DFB-Pokals bei Eintracht Frankfurt weiter, in gut zwei Wochen steht das Hinspiel im Achtelfinale der Champions League bei Zenit St. Petersburg an. Der BVB wäre aber nicht der BVB aus der Saison 2013/14, wenn es nicht auch schlechte Meldungen gäbe – in diesem Fall neue Verletzte. Sonntag teilte der Verein mit, dass Reus (Muskelfaserriss) zwei Wochen und Sven Bender (Zerrung) eine Woche ausfallen werden.

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