Ex-Dortmunder erklärt Abschied

Hummels' emotionalen Beweggründe für BVB-Abschied: "Saß traurig zu Hause"

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Mats Hummels ist auch aus privaten Gründen zum FC Bayern gewechselt.

Dortmund - Als Mats Hummels Borussia Dortmund verlassen hatte, gab es nicht nur sportliche Beweggründe. In einem Interview mit Bruder Jonas erklärt er die privaten Hintergründe.

Rein sportlich gesehen war es ein durchaus nachvollziehbarer Schritt. Als Mats Hummels seinen Abschied von Borussia Dortmund angekündigt hatte, gab es im Grunde nur zwei Optionen, um sich zu steigern: einen Top-Klub im Ausland oder den FC Bayern. Am Ende ging er im Sommer 2016 den Schritt zurück nach München, zurück zu seinen Wurzeln.

Erstmals hat der Nationalspieler in einem gemeinsamen Stern-Interview mit seinem Bruder Jonas (26) nun ganz offen über seine Beweggründe gesprochen. Demnach war vor allem auch der familiäre Aspekt ausschlaggebend für den Wechsel zum deutschen Rekordmeister. Der 28-Jährige wollte endlich mal wieder bei einem Geburtstag seines Bruders dabei sein.

"Von den acht Geburtstagen, die ich in Dortmund spielte, war ich nur einmal da", erklärt Hummels: "Die anderen Male saß ich traurig zu Hause. Ich hab unglaublich viel verpasst." Zum Beispiel auch die anderen Geburtstage aus dem gemeinsamen Freundeskreis. "Wenn ich mal da war, hab ich zwei Drittel der Witze nicht verstanden, weil das alles Insider waren", sagt der Ex-Dortmunder. "Ich hab mitgelacht, aber eigentlich hab ich gemerkt: Okay, krass, ich gehöre nicht mehr richtig dazu. Die wussten alles voneinander, und ich wusste gar nichts."

An jedem freien Tag nach München

Hummels hatte Heimweh. Schon dann, als er München 2008 Richtung Dortmund verlassen hatte. "Du bist am Anfang auch jeden freien Tag nach München gekommen", sagt Jonas in Richtung seines älteren Bruders.

Doch je erfolgreicher Mats Hummels beim BVB war, desto weniger reiste er nach München. "Der Erfolg stand höchstens logistisch zwischen uns, weil ich einfach immer weniger Zeit hatte", erläutert er. "Und es kam vielleicht mit den Kumpels mal vor, dass ich was machen wollte, die aber kein Geld hatten und sich das auch nicht von mir bezahlen lassen wollten."

Gedrückte Stimmung bei WM-Erfolg

2011 und 2012 wurde Hummels mit der Borussia Deutscher Meister, 2012 kam sogar noch der Triumph des DFB-Pokals dazu. 2014 wurde er sogar Weltmeister, ehe er für rund 38 Millionen Euro zurück zum Rekordmeister wechselte.

Doch nicht über jeden Triumph konnte sich Jonas freuen, wie er in dem Interview einräumt. Trotz des engen Verhältnisses, das die beiden pflegen, wie es auch in den Gespräch mit dem Stern herüberkommt.

"Also über die Erfolge mit dem BVB habe ich mich unendlich gefreut", sagt der 26-Jährige: "Bei der WM war meine Stimmung ... gedrückt, irgendwie." Dabei sei es aber keineswegs um Neid gegangen. "Ich hab lange gebraucht, das zu verstehen. Irgendwie dachte ich: Fuck, jetzt wird die Diskrepanz zwischen Mats und mir langsam ein bisschen groß. Mats war spätestens nach der WM für die Leute ein Mega-Superstar, und ich eiere in der 3. Liga rum. Was soll ich mit ihm reden? Hey Mats, Samstag spiele ich gegen Sonnenhof Großaspach."

Kreuzbandriss zerstört Traum der Brüder

Mats selbst habe es "gefühlt. Aber wir haben erst vor ein paar Monaten das erste Mal darüber geredet, als wir ein bisschen Ruhe hatten", sagt der Ex-Dortmunder, der auch mit den sportlichen Rückschlägen seines Bruders zu kämpfen hatte. Kurz nach der WM, seinem bisher wohl größten sportlichen Erfolg, riss sich Jonas zum zweiten mal das Kreuzband, kurz darauf war seine Fußball-Karriere wegen Sportinvalidität vorzeitig beendet. "Da war ich komplett am Ende, zwei Stunden konnte ich mit niemandem reden und bin zwei Stunden durch die Gegend gesteuert und habe geweint", berichtet Jonas Hummels.

Sein Bruder Mats war in der Zeit im Urlaub in Nizza. "Als ich davon erfuhr, war ich am Boden zerstört", sagt er rückblickend. "Cathy (Hummels' Ehefrau, Anm. d. Red.) wollte direkt heim, damit ich zum Jonas kann. Wir hatten beide immer den Traum, uns mal in einem Pflichtspiel als Kapitäne die Hand zu geben. In dem Moment war mir klar, das wird nichts mehr. Da wird selbst ein WM-Titel ziemlich schnell egal." Weil die Familie bei Hummels eben über allem steht.

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