Aufatmen im Abstiegskampf

Borussia beflügelt vom Reus-Effekt

DORTMUND - Er hätte viel zu erzählen gehabt. Zum Beispiel, wie es ihm nach seiner Vertragsverlängerung bis 2019 ergangen ist. Oder darüber, dass er am Freitagabend beim 4:2 (0:1)-Heimsieg von Borussia Dortmund über den FSV Mainz 05 der überragende Spieler auf dem Platz war.

Von Patrick Droste

Doch Marco Reus eilte am späten Freitagabend in einem ähnlichen Tempo an den wartenden Journalisten vorbei, wie er zuvor die Abwehrreihen des Gegners durcheinandergewirbelt hatte. „Ich will heute nicht reden“, rief er noch – und verschwand mit einem Grinsen auf dem Gesicht.

Lediglich im klubeigenen BVB-TV nahm Reus, der große Auftritte außerhalb des Rasenvierecks nicht sonderlich mag, noch Stellung und erklärte, warum die in der Hinrunde so extrem schwächelnden Dortmunder nun nach dem 3:0-Sieg in Freiburg den zweiten Dreier in Folge einfuhren. „Man sieht, wenn man Selbstvertrauen hat, klappen auch schwierigste Dinge“, ließ der Nationalspieler wissen. „Es geht nur über Erfolge. Und wenn man an sich glaubt, kann man auch spielerische Akzente setzen.“

Und dass die gegen die Mainzer von den Schwarz-Gelben gesetzt wurden, es nach dem Wechsel ein wahres Spektakel, fast schon eine Explosion auf und neben dem Rasen gab, daran hatte Reus einen mehr als großen Anteil. Nach dem frühen 0:1 durch Soto (1.) war sein Schuss nur zwei Minuten später am Pfosten gelandet, im zweiten Durchgang zeigte er sich dann aber treffsicherer. Erst markierte Neven Subotic den 1:1-Ausgleich (49.) und sorgte für den Auftakt einer großen Show, in deren Mittelpunkt Reus stand.

Ein zuletzt seltenes Bild: Vier Tore bejubelte der BVB – angeführt vom überragenden Marco Reus (Dritter von rechts) – am Freitag gegen Mainz.

Zuerst schob er zum 2:1 ein (55.). Und als Malli die Partie mit seinem Tor zum 2:2 zu kippen schien, bediente Reus mit einem Zauberpass Pierre-Emerick Aubameyang, der die überragende Vorlage mit dem Außenrist von der Seitenauslinie dann im Strafraum zum 3:2 verwandelte (71.). „Der neue Vertrag war für ihn eine Erlösung. Was er gespielt hat, war schlicht weltklasse“, staunte Nuri Sahin, der in der 78. Minute noch zum 4:2-Endstand getroffen hatte. „Seine Statistiken sind einfach frech, der totale Wahnsinn. Seine Tor- und Vorlagenzahl suchen ihresgleichen.“

Und Aubameyang fügte hinzu: „Das Pass war genial, unglaublich. Das ist Marco. Ich bin echt froh, dass er verlängert hat.“ Das Treuebekenntnis von Reus hatte seine Wirkung also nicht verfehlt. Denn zum allerersten Mal in dieser Saison hatte der BVB ein Spiel gedreht – und dass nach einem überaus kuriosen Treffer zum 0:1.

„Das war gefühlt das 25. Scheißtor gegen uns. Aber wir nehmen die in der Saison alle mit, damit wir dann damit fürs nächste Jahr durch sind“, sagte Trainer Jürgen Klopp später, als der Sieg feststand und er mit seinem Team einen weiteren Schritt aus dem Tabellenkeller gemacht hatte. „Wir hatten viele geile Momente, in denen richtig Fußball gespielt wurde.“

Aber es war nicht nur Reus, der ein Signal gesetzt, für den spielerische Aufwärtstrend und das gestiegene Selbstvertrauen gesorgt hatte. Offensichtlich hat auch in den Köpfen der Spieler ein Umdenken stattgefunden. „Sieben Punkte aus vier Spielen, damit kann man leben“, frohlockte Ilkay Gündogan. „Sicher hat uns Marcos Unterschrift euphorisiert. Aber es war auch in der Hinrunde so, dass jeder zu uns gesagt hat, ihr kommt da unten doch wieder raus. Das haben wir so oft gehört, dass wir irgendwann selbst daran geglaubt, aber viel zu wenig dafür getan haben. Jetzt wissen wir, was es heißt, da unten zu stehen.“

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