Zwei-Jahres-Vertrag beim BVB

Favre: Ein schwieriger Typ wie Guardiola

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Lucien Favre erhält bei Borussia Dortmund einen Zwei-Jahres-Vertrag.

Borussia Dortmund will mit Lucien Favre den Neustart wagen. Die ehemaligen Chefs des neuen BVB-Cheftrainers sprechen in höchsten Tönen von ihm - und befürchten Schlimmes aus ihrer Sicht.

Dortmund - Wenn in diesem Zusammenhang einer weiß, wovon er spricht, dann ist es Max Eberl. Der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach arbeitete viereinhalb Jahre erfolgreich mit Lucien Favre zusammen. Schon als es nur ein Gerücht war, dass der Schweizer zur kommenden Saison Borussia Dortmund übernehmen würde, sprach Eberl im Express von einer „aus unserer Sicht leider guten Entscheidung“ der Schwarz-Gelben, die seit Dienstagvormittag offiziell ist: Der 60-Jährige erhält beim BVB einen Zwei-Jahres-Vertrag.

Es war bereits der zweite Versuch, Favre ins Ruhrgebiet zu holen. Vor einem Jahr scheiterte die Borussia am Veto seines bisherigen Klubs OGC Nizza, der dieses Mal bereitwillig die Freigabe erteilte – für eine Ablösesumme von rund drei Millionen Euro.

Favre spricht in einer Vereinsmitteilung von einer reizvollen Aufgabe, „die ich sehr gerne übernehme. Der BVB zählt zu den interessantesten Klubs in ganz Europa, dazu freue ich mich auf die Rückkehr in die Bundesliga, die ich bestens kenne und auch in den zwei Jahren in Nizza immer im Blick behalten habe.“

"Wichtiger Teil unseres Neustarts"

Und auch die Schwarz-Gelben sind demnach froh, einen renommierten Chefcoach gefunden zu haben, der „ein wichtiger Teil unseres sportlichen Neustarts in diesem Sommer“ sei, erklärt Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc: „Er genießt bei uns hohe Wertschätzung für seine fachlichen Qualitäten, die er in der Bundesliga bei Hertha BSC und in Mönchengladbach – genau wie zuletzt in Nizza – auch schon mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.“

Die besitzt Favre unbestritten. Doch damit einhergehend ist auch sein Ruf als Querkopf. Als Taktik-Besessener. Aber er ist auch jemand, „der für attraktiven Fußball und Erfolg steht“, sagt Eberl. Alle wichtigen Eigenschaften für einen guten Trainer. Aber gute Trainer sind selten einfach.

Von Köppel bis Favre: Die BVB-Trainer seit den Neunzigern

Was ebenso für Favre gilt. Der Schweizer könne sehr anstrengend sein. Sowohl in Berlin als auch in Gladbach soll er sich mehrfach mit einem Rücktritt befasst haben, wenn etwas nicht nach seinen perfektionistischen Vorstellungen gelaufen war. Dieter Hoeneß, der von 2007 bis 2009 mit Favre in Berlin zusammengearbeitet hat, erklärte in der Welt: „Er tat sich damals schwer damit, Entscheidungen in der Kader-Planung zu treffen. Darauf musst du dich als Verantwortlicher einstellen, das kostet Kraft.“

Groß-Baustelle: Gestaltung des Kaders

Dabei ist genau das die wohl größte Baustelle, die Favre mit den Klub-Verantwortlichen um Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu beackern hat. Er muss es schaffen, seinem Ruf als Besser-Macher gerecht zu werden und aus Talenten wie Jadon Sancho oder Christian Pulisic noch mehr herauszuholen.

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Dazu gehört aber auch, eventuell unpopuläre Entscheidungen zu treffen – etwa solche, wie es mit dem bisherigen Kapitän Marcel Schmelzer, Nuri Sahin oder Shinji Kagawa beim BVB weitergehen soll – um nur einige Namen zu nennen.

Ein erstes Veto soll Favre bereits eingelegt haben und sich gegen eine Verpflichtung des 34 Jahre alten Abwehrroutiniers Stephan Lichtsteiner ausgesprochen haben – was der Rechtsverteidiger dem Schweizer Blick bestätigt hatte: „Ich gehe nicht zum BVB. Wir haben uns nicht gefunden. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“

Hoeneß adelt Favre

Finden muss Favre nun dennoch die richtige Mischung, um Schwarz-Gelb nicht nur in der Königsklasse zu halten, sondern auch wieder mit attraktivem Fußball glänzen zu lassen. Dass er die Qualität dazu hat, steht für Hoeneß außer Frage: „Favre mag abseits des Trainingsplatzes mitunter schwierig gewesen sein. Aber auf dem Platz gehört er zu den Besten. Dort spielt er für mich in einer Liga mit Pep Guardiola.“

Wenn der Schweizer diesem Vergleich standhält, dürfte der BVB tatsächlich eine gute Entscheidung in der Trainer-Frage getroffen haben. Auch wenn es Eberl und der Rest der Liga wohl ungern hören wollen.

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