Trainerentlassung

Sehnsucht beim BVB: Trennung von Favre war dringend notwendig - Kommentar

Borussia Dortmund und Trainer Lucien Favre gehen getrennte Wege. Der BVB zog am Sonntag die Reißleine. Das ist nachvollziehbar und gar notwendig. Kommentar.

Dortmund - Lucien Favre ist gemeinsam mit Thomas Tuchel der Trainer mit dem besten Punkteschnitt bei Borussia Dortmund. Besser als Jürgen Klopp, besser als Ottmar Hitzfeld. Die Entscheidung, die Zusammenarbeit noch vor Ablauf des Vertrages im Sommer 2021 zu beenden, war dennoch überfällig. Denn Klub und Mannschaft benötigen dringend einen neuen Impuls.

NameLucien Favre
Geboren2. November 1957, Saint-Barthélemy VD
Größe1,78 Meter
Karrierebeginn\t1976

Lucien Favre (BVB): Entlassung in Dortmund war dringend notwendig - Kommentar

Dass sich Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc am Samstag nach dem peinlichen 1:5 gegen den VfB Stuttgart nicht zu Lucien Favres Zukunft äußerten, war schon kein gutes Zeichen für den 63-Jährigen. Den Verantwortlichen stellte sich vor allem eine Frage: Trauen sie Favre zu, die Mannschaft mindestens auf den vierten Tabellenplatz zu führen?

Dieser ist für den BVB von entscheidender Bedeutung. Auf die Einnahmen aus der Champions League (Auslosung im Live-Ticker sowie Übertragung live im Free-TV und Stream) kann der Klub gerade in finanziell schwierigen Corona-Zeiten nicht verzichten.

Watzke und Co. sahen das Minimalziel in Gefahr. Vor gut einem Jahr, als Favre nach elf Spieltagen die exakt gleiche Bilanz aufwies und gerade ein desolates 3:3 gegen Paderborn hinter sich hatte, schreckten sie noch vor der Trennung im Laufe einer Spielzeit zurück – auch aus Mangel an Alternativen. Diesmal glauben sie eher mit Co-Trainer Edin Terzic als mit dessen bisherigem Chef an eine Wende.

Lucien Favre (BVB): Borussia Dortmund lässt Tempo und Kreativität vermissen - Kommentar

Denn immer deutlicher wurde zuletzt, dass die Mannschaft keine Entwicklung mehr nahm. Lucien Favre gilt als Bessermacher, wurde diesem Ruf in Dortmund zunächst auch gerecht. Seit einigen Monaten aber war der Schweizer stets nur eine Niederlage von einer Krise entfernt. Nie wirkte das Spiel des BVB-Kaders stabil, immer häufiger trat das Team ohne Plan auf, zeigte weder Tempo noch Kreativität.

Lucien Favre ist nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund.

Individuelle Ausnahmeleistungen wie die eines Erling Haaland kaschierten immer wieder mal die Probleme. Spätestens aber der VfB Stuttgart legte offen, wie fragil das Gebilde BVB geworden war. So war die Zusammenarbeit zwischen Klub und Trainer längst nur noch eine Zweckgemeinschaft. Die Mannschaft, gespickt mit erfahrenen Nationalspielern und einigen der begehrtesten Talente der Fußball-Welt, legte immer wieder eine unerklärliche Lethargie an den Tag, ließ jegliche Emotion und Einstellung vermissen – weshalb sie sich auch dringend selbst hinterfragen sollte.

Lucien Favre (BVB): Beförderung von Edin Terzic ist nachvollziehbar - Kommentar

Erklären konnte oder mochte Lucien Favre die Entwicklung nicht. Er ist nicht interessiert an der Kommunikation, weder mit den Medien noch mit den Anhängern. Pressekonferenzen sind für ihn eine lästige Pflicht. Favre, der von den Spielern menschlich und fachlich geschätzt wird, ist gewiss ein großartiger Fußballlehrer, da sind sich alle Wegbegleiter einig. Aber kein Motivator, niemand, der Klub und Stadt emotionalisieren kann.

Nach genau so einem sehnt sich dieser Verein aber – Jürgen Klopp lässt grüßen. Die Beförderung von Edin Terzic ist nachvollziehbar. Seine Stärke liegt in der Ansprache, der 38-Jährige nennt Probleme beim Namen – und sollte umgehend wissen, wo der Hebel anzusetzen ist. Er wird versuchen, jene Emotionen zu wecken, die zuletzt auf der Strecke geblieben waren. Der BVB plant den Umbruch. Mal wieder.

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa/picture alliance

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