Tuchel-Nachfolge noch ungeklärt

Borussia Dortmund kämpft um Lucien Favre 

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Lucien Favre sorgt aktuell für viel Gesprächsstoff beim BVB.

[Update, 20 Uhr] Dortmund - Borussia Dortmund intensiviert nach der Trennung von Thomas Tuchel die Trainersuche. Der Kampf um Lucien Favre könnte zäh und teuer werden

Keine Atempause. DFB-Pokal-Sieger Borussia Dortmund intensiviert nach der aufreibenden Trennung von Trainer Thomas Tuchel umgehend den Kampf um den Wunschnachfolger Lucien Favre. Doch es könnte zäh werden - und teuer. 

Denn während in Deutschland unter anderem der kicker schreibt, mit dem Schweizer seien "die Dinge geregelt", kommen aus dem Umfeld von Favres Klub OGC Nizza ganz andere Töne. Im ersten Anlauf soll sich der BVB an der Côte d'Azur einen Korb eingehandelt haben. 

Nizza sei nicht zu Verhandlungen bereit

Nach Informationen der französischen Sporttageszeitung L'Equipe ist Nizza nicht zu Verhandlungen bereit. Zwar habe der BVB angefragt, doch aus Sicht der Vereinsführung "zu spät, um noch in die Materie einzusteigen". Ähnliches berichteten am Mittwoch Nice-Matin und die Tribune de Genève. Tenor: Favre bleibt - weil Nizza auf die Schnelle keinen geeigneten Ersatz für seinen Erfolgstrainer finden würde. Am 19. Juni wird OGC, sensationeller Tabellendritter und damit in der Champions-League-Qualifikation, bereits wieder das Training aufnehmen. 

Eine Frage des Preises?

Derlei Aussagen können eine ernsthafte Absage sein. Dann müsste sich der BVB nach Alternativen wie dem 1997er-Helden Paulo Sousa (AC Florenz), Peter Bosz (Ajax Amsterdam), Peter Stöger (1. FC Köln) oder David Wagner (Huddersfield Town) umsehen. Oder es ist nur Preistreiberei. Favre, 59 und derzeit im Heimaturlaub, besitzt einen Vertrag bis 2019. Fünf Millionen Euro sind die Summe, über die als Ablöse gesprochen wird. Wenn sich der BVB wirklich sicher ist, sollte das kein Problem sein. Informationen der Rheinischen Post aus dem Aufsichtsrat zufolge wäre der Verein sogar zu einer Zehn-Millionen-Zahlung bereit. Ob Nizza seinen Trainer gegen dessen Willen halten würde? Fraglich.

Reus der größte Favre-Fürsprecher 

In der BVB-Mannschaft ist Marco Reus der größte Favre-Fürsprecher. Die Bedeutung des Trainers für seine Karriere zu Gladbacher Zeiten hat er oft genug betont, auch im Gespräch mit Mannschaftskameraden, wie Torhüter Roman Bürki der Schweizer Zeitung berichtete. Reus habe "nur Positives erzählt", sagte Bürki: Demnach sei Favre "auch ein sehr akribischer Arbeiter. Überall, wo er arbeitete, hatte er Erfolg". 

Favre gilt auch als schwieriger Charakter

Doch Favre gilt auch als eigenbrötlerisch, als schwieriger Charakter. Als er Borussia Mönchengladbach verließ, teilte er das zuerst der Presse mit - es gibt Parallelen zu Tuchels spektakulärem Abgang beim BVB am Dienstag. Beim FC Zürich betrieb er heimlich seinen Abgang zu Hertha BSC, anschließend hieß es, er werbe Spieler ab. "Ganz schlechter Stil! Intrigenspiel!", schimpfte damals FCZ-Präsident Ancillo Canepa. Sportchef Fredy Bickel klagte, Favre mache "alle bei uns verrückt". Bei der Hertha verstrickte sich Favre stur in einen Machtkampf mit Manager Dieter Hoeneß - den er gewann. 

Unterdessen hat sich Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus zum möglichen Transfers des Schweizer geäußert. "Favre kennt die Bundesliga und gerade hier hatte er riesen Erfolge. Deswegen kann ich ihn mir gut als Nachfolger von Thomas Tuchel vorstellen. Für mich passt er zu Dortmund", sagte Matthäus im exklusiven Interview mit Sky Sport News HD.  

Unbestrittene sportliche Kompetenz bei teils anstrengenden Anwandlungen: Da könnte es bei dem einen oder anderen BVB-Verantwortlichen klingeln. Keine Atempause.

Kein offizielles Angebot für Aubameyang

Dies gilt im Übrigen auch für eine andere Baustelle. Der Wechsel des Bundesliga-Torschützenkönigs Pierre-Emerick Aubameyang zu Paris St. Germain ist laut übereinstimmender englischer Medienberichte perfekt. BVB-Sportdirektor Michael Zorc dementierte: Es liege kein offizielles Angebot vor.

Tuchel-Trennung Resultat eines längeren Prozesses

Zorc bekräftigte am Mittwoch zudem, dass die Trennung von Tuchel keine direkte Folge des Disputs zwischen Tuchel und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gewesen sei. "Mit dieser Mär möchte ich aufräumen. Die Trennung war das Resultat eines längeren Prozesses", sagte Zorc dem kicker. Tuchels Entlassung sei auch keine alleinige Entscheidung Watzkes gewesen. - SID

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