Lewandowski-Wechsel reißt Riesenlücke in BVB-Offensive

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DORTMUND - Der FC Bayern hat seinem nationalen Rivalen Borussia Dortmund den nächsten Schlag versetzt. Der Bundesliga-Primus wird seinen schon jetzt übermächtigen Luxuskader im Sommer auch noch mit Weltklassestürmer Robert Lewandowski bestücken.

Nur zwei Wochen nach dem Gewinn der Club-Weltmeisterschaft sorgte der Rekordmeister noch vor der Abreise ins Wintertrainingslager nach Katar am Sonntag mit der Verpflichtung des ablösefreien BVB-Torjägers auch prompt für die erste Fußball-Erfolgsmeldung im neuen Jahr.

Seinen Vertrag bei den Bayern wollte der Pole zunächst nicht kommentieren. Doch auf der BVB-Homepage wandte sich Lewandowski an die Anhänger der Schwarz-Gelben. "Liebe BVB Fans, ich möchte mich jetzt kurz an Euch wenden. Vor uns liegt noch ein halbes Jahr, in dem wir einige Ziele haben, die wir gemeinsam erreichen wollen. Auch wenn es unter Euch einige Fans gibt, die mit meiner Entscheidung nicht einverstanden sind, hoffe ich auf Eure Unterstützung! Ich werde jedenfalls alles für den BVB geben!"

Nach einem monatelangen Eiertanz um den Wechsel des polnischen Nationalspielers, der wegen der FIFA-Regularien erst im neuen Jahr einen Vertrag bei seinem künftigen Club unterschreiben durfte, konnten die Bayern endlich den allseits erwarteten Vollzug melden - und dieser erfüllte sie mit Stolz. "Robert Lewandowski ist einer der weltweit besten Stürmer", schwärmte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Er soll den Champions-League-Sieger nicht nur weiter verstärken, sondern "nochmals einen Schub geben". Lewandowski unterzeichnete nach der sportärztlichen Untersuchung am Samstag einen Fünfjahresvertrag bis zum 30. Juni 2019. Wenn dieser ausläuft, wird der Pole 30 Jahre alt sein und finanziell ausgesorgt haben.

Einen Tag nach der Bekanntgabe seines Wechsels zu den Bayern nahm Lewandowski mit seinen Noch-Mitspielern von Borussia Dortmund am Sonntag wieder das Training auf. Seinen Kontrakt mit den Bayern wollte der Pole nicht kommentieren.

Nach Nationalspieler Mario Götze (21), für den die Bayern eine festgeschriebene Ablöse von 37 Millionen Euro auf den Tisch blättern mussten, ist Lewandowski schon der zweite Offensiv-Kracher, den der BVB widerwillig zum deutschen Branchenführer ziehen lassen muss. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke reagierte zumindest öffentlich gelassen. "Das kommt nicht überraschend, es ist ein ganz normaler Vorgang", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Lewandowski wäre am liebsten schon vor dieser Saison nach München weitergezogen. Doch dagegen hatte der BVB sein Veto eingelegt und sogar eine Ablöse von über 20 Millionen Euro ausgeschlagen. Die Suche nach einem Nachfolger für den Weltklassemann, der in bislang 115 Bundesligaspielen 65 Tore erzielt hat, ist in Dortmund aber längst angelaufen. "Unser Sportdirektor Michael Zorc arbeitet mit Hochdruck daran, eine Alternative zu finden", sagte Watzke. Die Neubesetzung der wichtigen Planstelle dürfte schwierig und teuer werden.

Während sich beim BVB vorne eine Riesenlücke auftut, wird sich Bayern-Trainer Pep Guardiola künftig gerade in der Offensive nach Herzenslust aus einem exklusiven Baukasten bedienen können: Zu Ribéry, Robben, Götze, Müller, Mandzukic und Co. gesellt sich im Sommer auch noch der spielstarke Lewandowski, den BVB-Coach Jürgen Klopp als "Torjäger durch und durch" titulierte.

Lewandowskis Kommen müsse in München nicht den Abschied von Mittelstürmer-Konkurrent Mario Mandzukic (Vertrag bis 2016) bedeuten, wie Rummenigge versicherte. Er habe Mandzukic' Berater vielmehr sogar eine vorzeitige Vertragsverlängerung in Aussicht gestellt. "Es ist auf keinen Fall irgendein Thema bei uns, Mario abzugeben", sagte Rummenigge. Der Kroate Mandzukic rangiert in der Bundesliga-Torschützenliste mit zehn Toren direkt hinter Lewandowski und Adrián Ramos (Hertha BSC), die jeweils elfmal getroffen haben.

Den lange verabredeten Deal zwischen Lewandowski und den Bayern versuchte zum Jahresende noch Real Madrid mit großen finanziellen Verlockungen zu torpedieren. Lewandowskis Agent Maik Barthel sprach im "Spiegel" von einem "unmoralischen Angebot" der Spanier. "Aber es stand nie zur Debatte, dass wir unser Wort brechen", so Barthel.

Lewandowski war 2010 für 4,5 Millionen Euro von Lech Posen nach Dortmund gewechselt. Er wurde zweimal deutscher Meister mit dem BVB. Auch die Bayern ärgerte er mit seinen Toren, allein drei erzielte der Pole beim 5:2-Triumph der Dortmunder gegen die Bayern im Pokalfinale 2012. Damals schien die Borussia, die zuvor auch den Transferpoker um Marco Reus gewonnen hatte, auf Augenhöhe mit den Münchnern - spätestens nun ist die Hierarchie nach dem Verlust von Götze und Lewandowski wieder klar zugunsten der Bayern zementiert.

Noch ohne Lewandowski wollen die Bayern in der Rückrunde ihre 2013 errungene Vormachtstellung in Deutschland und Europa mit neuen Titeln untermauern. Sportvorstand Matthias Sammer mahnte am Sonntag vor dem Abflug des Bundesliga-Spitzenreiters nach Katar dazu, nach dem Lewandowski-Coup rasch zur Tagesordnung zurückzukehren: "Das ist eine Personalie, die man jetzt entschieden hat, aber für den Sommer." Noch sei Lewandowski ein Angestellter des BVB: "Und für diesen Club soll er in den nächsten Wochen und Monaten alles geben."

Im Trainingslager in Doha wolle er "nichts groß hören" zur ersten großen Personalentscheidung im Jahr 2014. Die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte müsse im Vordergrund stehen. "Wir bereiten uns akribisch, konzentriert, fokussiert darauf vor", sagte der ewige Antreiber Sammer: "Wir haben schwere Aufgaben vor der Brust!"

Pünktlich zum Rückrundenstart am 24. Januar soll auch Bastian Schweinsteiger auswärts in Mönchengladbach wieder auf dem Rasen stehen. Der Vize-Kapitän trainiere nach seiner Operation am rechten Fuß "jetzt schon gut" und solle möglichst "nach zwei, drei Tagen" ins Mannschaftstraining integriert werden, kündigte Sammer an.

Bei Arjen Robben müsse man abwarten, wie intensiv dessen Knie schon wieder belastet werden könne. "Aber auch da kann man sagen, unter den Voraussetzungen der Verletzung lief das optimal", erzählte Sammer. Beim FC Bayern gab es am 62. Geburtstag von Präsident Uli Hoeneß ausschließlich gute Nachrichten zu vermelden.

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