Dede verabschiedet sich mit wunderbarer Fußballparty

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Dortmund - Wenn 81.359 Menschen in den Dortmunder Signal-Iduna-Park strömen, nur um einem ehemaligen Spieler „Tschüss“ zu sagen, dann muss das schon ein besonderer sein. Und daran ließ die Atmosphäre am Samstagabend beim Abschiedsspiel von Leonardo de Deus Santos, kurz Dede, auch keinen Zweifel.

Von Henrike Raestrup

Vor dieser Rekordkulisse – nie zuvor in Europas Fußballgeschichte lockte ein Abschiedsspiel so viele Fans an – lieferte sich der Hauptakteur einen lockeren Spaßkick mit seinen ehemaligen Mitstreitern. Eine große Party in Schwarz-Gelb.

Seit 2011 spielt der Brasilianer, der in 13 Jahren insgesamt 399 Pflichtspiele für die Borussia absolviert hatte, eigentlich schon nicht mehr für den BVB. Doch er hat bleibenden Eindruck hinterlassen, wie der hoch emotionale Abschied eindrucksvoll bewies. BVB-Präsident Reinhard Rauball herzte den 37-jährigen Sympathieträger vor dem Spiel, ebenso wie Sportdirektor Michael Zorc (der Dede damals zum BVB holte) und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Der Brasilianer hätte nun „80.000 Zeugen“ (Rauball), die ihm bestätigten, was er für den Verein bedeute. Ganz im Sinne der Fans, denn immer wieder hallten schon vor dem Anpfiff „Olé Dede“-Sprechchöre durch das Stadion.

Seine Weltauswahl hatte die ehemalige Nummer 17 des Revierclubs teils mit Familienmitgliedern, teils mit ehemaligen Bundesliga-Profis aufgestellt, darunter Ailton, Lincoln und Jan Koller. Auf der anderen Seite liefen unter anderem Torsten Frings, Jens Lehmann und Thomas Hässler auf. Vom Tempofußball, den der BVB in dieser Saison bekanntlich ja wieder für sich entdeckt hat, war beim Abschiedsspiel freilich wenig zu sehen. Doch selten war das Ergebnis eines Fußballspiels so unbedeutend. Unbestrittener Höhepunkt der 90 Minuten: Der Star des Abends überwindet mit einem sehenswerten Lupfer aus 45 Metern seinen ehemaligen Vereinskollegen Roman Weidenfeller.

Doch es war nicht nur ein Abschied für Dede. Der BVB und seine Fans feierten sich selbst – und die ehemaligen Helden. Stefan Reuter, Knut Reinhardt, Lars Ricken, Marcio Amoroso – sie alle liefen für ihren alten Weggefährten an alter Wirkungsstätte noch einmal auf – und wurden dafür mit fast ebenso tosendem Applaus bedacht wie die frühere Nummer 17 der Borussia.

Dazu kam dann noch ein ganz frischer Abschied. Kevin Großkreutz stand nach seinem turbulenten Wechsel zu Galatasaray Istanbul vorerst zum letzten Mal als Spieler in Schwarz-Gelb vor der Südtribüne und klopfte sich dabei immer wieder gerührt auf die Brust – als Zeichen für seine Vereinsverbundenheit.

Richtig emotional wurde es dann nach dem Abpfiff (Ergebnis 13:11 für die Weltauswahl). Nicht nur Dedes ehemalige Mitstreiter versammelten sich um den 37-Jährigen. Auch seine Eltern und seine Lebensgefährtin waren bei ihm, als er die Zuneigung, die ihm von den Rängen entgegengebracht wurde, mit seinen Worten erwiderte: „Mein Herz wird immer hier sein.“

Dede bleibt dem BVB auch nach seiner großen Abschiedsparty erhalten. Als Botschafter der Stiftung „leuchte auf“ wird er sich auch in Zukunft für die Borussia engagieren. Sein letzter Auftritt im Signal-Iduna-Park war ein tränenreicher Schlusspunkt einer außergewöhnlichen Partnerschaft von Spieler und Verein. Bei dem der sonst so treue Publikumsliebling aber ein Versprechen nicht einhalten konnte: er hatte sich vorgenommen, nicht zu weinen. Zuletzt fand er sich schließlich auf seinem Lieblingsplatz wieder: dem Zaun vor der Südtribüne. Und wurde von seinen Fans mit ganz besonderen Worten verabschiedet: „You’ll never walk alone“.

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