Krise beim BVB

Die schlechteste Bilanz, seit Jürgen Klopp Trainer ist

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Tief durchpusten: BVB-Coach Jürgen Klopp (rechts), im Hintergrund Kölns Trainer Peter Stöger. J

KÖLN - Michael Zorc kam als letzter Dortmunder aus der Kabine. Die 1:2 (0:1)-Niederlage vor 50.000 Zuschauern beim zuvor in Heimspielen sieglosen Aufsteiger 1. FC Köln hatte den Sportdirektor sehr nachdenklich gestimmt. Deswegen bemühte er sich auch gar nicht erst darum, im Gespräch mit den Journalisten das Wort Krise zu umgehen. „Das könnt ihr ruhig benutzen. Wir stecken derzeit in der schwierigsten Situation seit vielen Jahren.“

Von Peter Schwennecker

Aus den vergangenen fünf Bundesligaspielen holten die Borussen nur einen mageren Punkt. Gerade einmal sieben Zähler stehen nach acht Spieltagen im Oberhaus auf dem Konto des BVB – die schlechteste Bilanz, seit Jürgen Klopp Trainer ist. Der bereite, so Zorc, die Mannschaft weiter sehr detailliert und akribisch vor. „Die Spieler ganz allein müssen es jetzt richten“, betonte Zorc. Doch die haben momentan große Probleme, sind verunsichert. „Selbst die Führungsspieler machen derzeit kapitale Böcke“, betonte der Sportdirektor.

Statistik

1. FC Köln: Horn – Olkowski, Mavraj, Wimmer, Hector – Vogt, Lehmann – Halfar (64. Osako), Svento (57. Peszko), Risse – Zoller (76. Matuschyk) Borussia

Dortmund: Weidenfeller – Großkreutz, Piszczek, Sokratis, Hummels – Gündogan (90. Subotic), Kehl – Reus, Mchitarjan (68. Aubameyang), Kagawa – Immobile (75. Ramos)

Schiedsrichter:  Fritz (Korb)

Zuschauer: 50 000 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Vogt (40.), 1:1 Immobile (48.), 2:1 Zoller (74.)

Gelbe Karten:  Lehmann (4) / Hummels (1), Mchitarjan (1), Sokratis (4)

Ballbesitz in %:  35,8 - 64,2

Torschüsse: 5 - 16

gew. Zweikämpfe in %: 51,8 - 48,2

Fouls:  11 - 14

Ecken: 3 - 6

Damit meinte er auch Kapitän Mats Hummels und Schlussmann Roman Weidenfeller, die an den FC-Treffern durch Kevin Vogt (40.) und Simon Zoller (74.) zweifellos ihren Anteil besaßen. „Das zweite Tor geht allein auf meine Kappe“, gestand Weidenfeller ein. „Ich habe mich schon bei der Mannschaft entschuldigt.“ Es folgte eine schonungslose Analyse des Dortmunder Fußball-Lehrers.

„Wir haben eine Art Fußball gespielt, die absolut keinen Sinn macht“, polterte Klopp. „Wir hatten eine hohe Fehlpassquote in der ersten Halbzeit, haben einfache Fehler gemacht, die durch unterschiedlichste Dinge zu erklären sind, aber nicht passieren sollten.“ Dabei musste Klopp sogar das Risiko eingehen, mit Ilkay Gündogan, der nach 434 Tagen sein Bundesliga-Comeback feierte, Henrikh Mkhitaryan und Marco Reus gleich drei Akteure von Beginn an zu bringen, die zuvor lange pausiert hatten.

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„Marco war eigentlich zunächst nicht geplant“, erklärte Klopp. „Doch Erik Durm hatte muskuläre Probleme im Oberschenkel.“ Dortmund präsentierte daher zumindest auf dem Papier hohe spielerische und offensive Qualität, die im ersten Durchgang aber nur mit 70 Prozent Ballbesitz ein positives Ergebnis fand.

Die Wahrheit auf dem Platz sah anders aus, wie Klopp feststellte. „Wir waren in den entscheidenden Momenten vorm gegnerischen und vorm eigenen Tor nicht klar genug. Vorne fehlte die Konsequenz im Abschluss, hinten die Konzentration. Das hat zu den zwei Gegentoren geführt, und deshalb stehen wir immer noch mit sieben Punkten da und müssen mit dieser Situation jetzt umgehen“, sagte der Coach und wurde noch deutlicher: „Es war zu leicht, was wir dem Gegner angeboten haben. Wir müssen die Fehler abstellen. Nicht morgen, nicht übermorgen, sondern sofort!“

Selbst nach dem schnellen Ausgleich zu Beginn der zweiten Hälfte durch Ciro Immobile fanden die Borussen in ihrem Spiel keine Linie, wobei sich Gündogan und Reus zumindest nach Kräften bemühten, doch war von ihnen (noch) nicht mehr zu erwarten.

Dortmund verliert in Köln 1:2

Dass die Dortmunder angesichts der Talfahrt eine Kurskorrektur vornehmen müssen, war auch dem Sportdirektor klar. „Wir brauchen derzeit nicht über irgendwelche Saisonziele zu diskutieren“, erklärte Zorc. „Im Moment zählt nur das nächste Bundesligaspiel, und das müssen wir gewinnen.

Zunächst steht am Mittwoch die Aufgabe in der Champions League bei Galatasaray Istanbul (20.45 Uhr/ZDF) an, dann folgt am Samstag das Heimspiel gegen Hannover. Dabei wird der Druck gewaltig sein. Die Mannschaft muss lernen, damit umzugehen.

Der Druck wurde den Kölnern erst einmal genommen. „Wir hatten auch das notwendige Quäntchen Glück“, meinte FC-Trainer Peter Stöger, der ein einfaches Rezept verriet, wie der BVB derzeit zu packen ist: „Geduldig auf Fehler im Aufbau warten, und die dann auch eiskalt nutzen.“ Er lobte seine Profis dafür, dass sie das Vorhaben so exzellent umgesetzt und damit bewiesen hatten, dass sie auch gegen vermeintlich große Teams punkten können.

Pressekonferenz: Jürgen Klopp nach dem Spiel 1. FC Köln - Borussia Dortmund

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