Neue Diskussion um Favre droht

Kommentar: Das große Rätsel um die Dortmunder Hochbegabten

Immer wieder zeigt die hochbegabte Mannschaft von Borussia Dortmund rätselhafte Leistungen. Wo liegen die Gründe und welche Rolle spielt Lucien Favre? Kommentar.

Auf den Social-Media-Kanälen der BVB-Profis war es am Mittwoch lange erstaunlich ruhig. Siege werden dort ausgiebig zelebriert, nach Niederlagen meldet sich in aller Regel zumindest Axel Witsel mit aufbauenden Phrasen zu Wort – doch auch der belgische Mittelfeldmann schwieg diesmal.

VereinBorussia Dortmund
TrainerLucien Favre
StadionSignal-Iduna-Park (Dortmund)

Es war eben keine Niederlage im Stadio Olimpico, über die der Klub einfach so hinweg gehen kann. Das ließen die für Dortmunder Verhältnisse durchaus kritischen Kommentare der Verantwortlichen nach Schlusspfiff erahnen. Dennoch ist der Glaube daran, dass das ewige Rätsel um die schwarzgelben Leistungsschwankungen endlich gelöst werden könnte, bestenfalls winzig. Konstant ist diese Mannschaft nämlich schon seit Jahren nur in ihrer Inkonstanz.

BVB: Das Rätsel um die Hochbegabten von Borussia Dortmund - Kommentar

Dabei besteht sie aus einer Ansammlung Hochbegabter. Spieler, die auf dem gesamten Kontinent heiß begehrt sind. Die bis auf Erling Haaland am Dienstag gegen Lazio aber auf großer Bühne erneut versagten. Wieder einmal war vom berauschenden Fußball, den der BVB vor allem in Heimspielen auf den Rasen bringen kann, nichts zu sehen.

Mit körperlichem Widerstand kommt diese Elf von Borussia Dortmund nicht zurecht. So war es in Augsburg, so war es in Rom. Obwohl die einsatzfreudigen, aber auch fußballerisch limitierten Italiener im zweiten Durchgang zum Teil schon stehend k.o. schienen.

BVB: Das Rätsel um die Hochbegabten von Borussia Dortmund - Kommentar

Ein neues Phänomen ist die Dortmunder Verweigerung jeglicher Körperlichkeit nicht. Besonders in der Champions League muten die Auswärtsauftritte zum Teil grotesk an. Nur drei der vergangenen elf Königsklassen-Partien in der Fremde gewann der BVB. Viel zu wenig für einen Klub, der zumindest den Anspruch hat, die deutsche Nummer zwei zu sein. Womöglich ist aber auch dieser Anspruch ein Problem.

Kein Einsatz, technische und taktische Fehler: BVB-Trainer Lucien Favre mochte kaum noch zuschauen.

Es scheint, als genüge ein knapper Sieg des BVB wie am vergangenen Wochenende in Hoffenheim, um bereits wieder die wie Gift wirkende Selbstzufriedenheit aufkommen zu lassen. In München gewinnen Spieler wie Leon Goretzka an Mentalität und Persönlichkeit, in Dortmund sucht ein Julian Brandt noch immer seine Rolle.

Taktisch und technisch nicht auf der Höhe

In Rom ließ die Mannschaft die Grundtugenden des Fußballs vermissen, war taktisch und technisch nicht auf der Höhe, lief deutlich weniger als der Gegner. Ballkünstler wie Marco Reus und Jadon Sancho schienen nicht anwesend zu sein, Axel Witsel hat jegliche Hoheit über das Zentrum verloren, Neuzugang Thomas Meunier droht ein ähnliches Flop-Schicksal wie Nico Schulz.

Noch sieht sich Lucien Favre keiner ernsthaften Trainerdiskussion ausgesetzt. Fahrt aufnehmen wird sie aber, wenn der BVB im Derby und kommenden Mittwoch gegen St. Petersburg erneut einem Rätsel gleicht.

Die Frage, weshalb einigen Spielern immer wieder das Zutrauen an die eigenen Fähigkeiten fehlt, muss nämlich an den Schweizer gerichtet werden. Ist Dauer-Skeptiker Favre, der immer wieder auf Gefahren hinweist und mittelmäßige Gegner stark redet, der richtige für einen sensiblen Kader? Die Dortmunder Klubbosse werden darauf bald eine Antwort finden müssen. Favres Vertrag endet am Saisonende.

Rubriklistenbild: © AFP/ALBERTO PIZZOLI

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare