10. Bundesligaspieltag

Kommentar: BVB besiegt Wolfsburg – warum nicht immer so?

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Mario Götze (l.) lacht. Sah man zuletzt auch nicht so häufig beim BVB.

Borussia Dortmund hat gegen den VfL Wolfsburg gewonnen und gezeigt, wozu die Mannschaft fähig ist. Wenn sie denn will. Ein Kommentar.

Kommentar: Ein M-Wort war lange verpönt bei Borussia Dortmund: Meisterschaft. Mittlerweile hat man das Ziel klar formuliert, das ist gut. Ein M-Wort ist aber weiterhin verpönt: Mentalität. Und das ist ein Fehler. Denn nicht nur der Sieg gegen Wolfsburg hat gezeigt, dass der BVB ein Kopfproblem hat.

In Hälfte zwei blitzte er mal wieder auf nach langer Zeit: Hacke, Spitze, eins-zwei-drei – schwarzgelber Spaß-Fußball. Am System lag es nicht, es war wie immer das 4-2-3-1. Am Personal kann es auch nicht gelegen haben. Nein, der BVB hatte in der zweite Hälfte einfach mal wieder den Kopf frei und verstand es (endlich) wieder seine Qualität auf den Platz zu bringen.

Jetzt verhält es sich mit der Mentalität natürlich so wie mit der Moral in Georg Büchners Woyzeck. „Moral, das ist, wenn man moralisch ist, versteht Er. Es ist ein gutes Wort.“ So recht mag man die Spielweise von Borussia Dortmund damit nicht erklären wollen, zu einfach macht man es sich. Aber doch: Mentalität ist auch, wenn man nach schlechten Leistungen, gute zeigt.

Das muss Borussia Dortmund in den kommenden Tagen und Wochen festigen. Und vielleicht sollte man sich noch mal mit dem Thema auseinandersetzen, um kleinere Knicke im Selbstbewusstsein in Zukunft zu vermeiden. Denn letztendlich ist alles vorhanden, um eine Topmannschaft zu sein – wenn man sich dessen bewusst wird.

Borussia Dortmund gewinnt gegen den VfL Wolfsburg dank starker zweiter Halbzeit: der Spielbericht

Dortmund – Wäre Lucien Favre ein Busfahrer, er hätte seine Lenk- und Ruhezeiten in den vergangenen Tagen nicht eingehalten. Die Englischen Wochen verlangten viel, dann waren da noch die Kritik und die vermeintliche Krise. Davon kann beim BVB nach den Befreiungsschlägen keine Rede mehr sein, Favre hat seine Mannschaft zunächst sicher ans Ziel gebracht. Ausruhen kann er sich aber noch lange nicht, die Rast ist nur von kurzer Dauer.

„Ein Glas Rotwein und dann volle Konzentration auf Inter Mailand“, sagte Favre nach dem 3:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg, bei dem Lukasz Piszczek sein 300. Bundesligaspiel absolvierte. Am Samstag hatte Favre zudem Geburtstag, das Gläschen sei ihm gegönnt. Aber auch wirklich nur eins, schließlich geht die Reise direkt weiter. Nächste Haltestelle: Inter Mailand (Dienstag, 21 Uhr/live im TV oder im Live-Ticker).

„Das ist ein anderes Kaliber, eine europäische Topmannschaft. Wir brauchen da einen Sieg, um unsere Position in der Champions League zu festigen“, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Das Hinspiel in Mailand verlor der BVB mit 0:2. Favre hatte da mit einem stockenden Motor zu kämpfen, scheint seinen Bus voller hochtalentierter Fußballer nun wieder in Richtung Erfolg zu steuern. Nach dem Sieg gegen Wolfsburg am Samstag sagte Julian Weigl: „Es hat uns Selbstvertrauen gegeben, der Sieg gegen Gladbach auch schon. Das hat uns gezeigt, was möglich ist für uns – vieles fällt dann leichter und dieser Spaß ist wieder drin im Spiel.“

BVB denkt nach Sieg gegen Wolfsburg schon an Inter Mailand

Dabei freue sich die Mannschaft auf ihr nächstes Ziel, den Sieg gegen Inter am Dienstag (21 Uhr). „Wir freuen uns auf Mailand zu Hause, es sind immer besondere Nächte in der Champions League. Wir versuchen alle Kräfte jetzt zu bündeln – es geht ja direkt weiter“, so Weigl. Alle einsteigen, Favre sitzt schon wieder hinterm Steuer und will abfahren. Zum nächsten Spiel, zur nächsten Aufgabe.

Denn als die Kritik wuchs, da muss sich auch der BVB-Trainer hinterfragt haben. Zwar gewährt er immer noch keinen Blick auf die vielen Schalter und Knöpfe seiner Fahrerkabine, hat zumindest den Trennvorhang aber etwas beiseite geschoben und lässt sich über die Schulter schauen. Nach dem Spiel gegen Wolfsburg zeigte sich Favre auffallend zutraulich, suchte hier und da mal ein Gespräch. Favre will sich beweisen, er will klarmachen, dass er der richtige am Lenkrad ist.

Nach Siegesserie: Mehr Rückendeckung für BVB-Trainer Lucien Favre

Sportdirektor Zorc ist davon überzeugt, die Spieler sind es wohl auch. „Du brauchst keinen lauten Trainer, den hörst du bei 80.000 Fans sowieso nicht“, sagte Julian Brandt nach dem Pokalsieg. Bei Borussia Dortmund will man offenbar einen Trainer mit einer ruhigeren Fahrweise haben. Einen, der kleine Krisen analytisch umkurvt, und nicht mit Vollgas um jeden Preis durchbrettert. „Wir haben zuletzt ja in der 90. Minute zwei Eigentore in Folge geschossen, das macht uns vielleicht etwas unsicher dann. Wir erarbeiten uns alles weitere mit kleinen Schritten“, so Zorc.

Die Ruhe, die jetzt in Dortmund eingekehrt ist, tut dem Verein gut. Lucien Favre kann sich wieder mehr auf seine Aufgabe konzentrieren und ungestört weiterfahren. Ob man schon über dem Berg sei? „Über welchem Berg? Wo ist der Berg?“, erwiderte Zorc. Der kommt am Dienstag und ist schwarz-blau. Favre und sein Team können den Schwung aus den vergangenen Siegen nutzen, um ihn zu erklimmen.

Borussia Dortmund bangt noch um Marco Reus

„Alle einsteigen“, kann der BVB-Coach allerdings noch nicht rufen. Borussia Dortmund bangt vor dem nächsten wichtigen Spiel um Kapitän Marco Reus, der gegen Wolfsburg verletzt – ebenso wie Schiedsrichter Tobias Welz – ausgewechselt werden musste. Glück für Favre: Mit Julian Brandt als Navigator auf der Zehn kann man ebenfalls die Ziele erreichen. Und manches kann man eben auch einfach nicht planen, da muss man dann doch das Gaspedal bis zum Anschlag durchdrücken. Oder mit den Worten von Michael Zorc: „Hätte, wenn und aber gibt es im Fußball nicht.“ Einfach machen. In diesem Sinne: Abfahrt.

Borussia Dortmund sorgt für erste Saisonniederlage des VfL Wolfsburg in der Liga

Bevor es für den BVB aber gegen Inter Mailand geht in der Champions League, blicken die Verantwortlichen mit Spannung auf die Auslosung der nächsten Runde des DFB-Pokals. Wir begleiten die Veranstaltung für Sie im Live-Ticker. maho

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