Borussia Dortmund

Julian Weigl gibt beim BVB den Lückenbüßer auf Zeit

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Julian Weigl (links) überzeugte zuletzt als Innenverteidiger. Ist der BVB-Kader komplett, wird es aber eng für den 23-Jährigen.

Für jeden Bundesliga-Profi ist es besonders wichtig: das Gefühl, gebraucht zu werden. Eine Wertschätzung, die Lucien Favre, Trainer des aktuellen Spitzenreiters BV Borussia Dortmund, Julian Weigl in der Hinrunde keineswegs vermittelte.

Dortmund - In nur vier von 17 Bundesligaspielen stand der 23-Jährige auf dem Platz, fünfmal gehörte er nicht einmal zum 18er-Kader, durfte nur von der Tribüne aus zuschauen. „Es war keine leichte Zeit für Julian“, erinnerte sich Michael Zorc. „Wir haben im Sommer einige Wechsel vorgenommen, aber er hat sich immer professionell verhalten“, bestätigte der Sportdirektor.

Für Weigl war die Nichtberücksichtigung durch Favre kein Grund, sich in den Schmollwinkel zurückzuziehen. Er trug sein Schicksal mit Geduld. Wöchentliche Wechselgerüchte auf Grund persönlicher Unzufriedenheit ließ er unkommentiert, selbst in den vergangenen Tagen wurde immer wieder über einen Transfer zu Paris St. Germain spekuliert, wo sein Lieblingscoach Thomas Tuchel arbeitet, unter dem Weigl seine wohl stärkste Phase im BVB-Trikot erlebte.

Unter Tuchels Führung wurde dem Mittelfeldstrategen eine große Karriere vorausgesagt. In der Saison 2016/17 wurde er sogar fünfmal von Bundestrainer Joachim Löw in der Fußball-Nationalmannschaft eingesetzt. Weigl galt als die Passmaschine der Liga auf der Sechserposition, raubte im Mai 2017 beim 2:2 gegen den 1. FC Köln mit 214 Ballkontakten dem Münchner Xabi Alonso den Bundesligarekord, obwohl er nur 83 Minuten auf dem Platz stand. Nicht nur deshalb rückte er bei den Scouts der europäischen Spitzenklubs in den Fokus.

Erneuter Einsatz in der Innenverteidigung

Weigl ist aber immer noch in Dortmund. Und er wird wieder dringend gebraucht. Auch am Samstag im Heimspiel gegen Hannover 96 (15.30 Uhr). „Wir sind froh, dass er da ist“, bekräftigte Zorc. Weil die zentralen Abwehrspieler Ömer Toprak, der am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining einstieg, Manuel Akanji und Dan-Axel Zagadou immer noch nicht richtig fit sind, wird Favre den früheren Münchner Löwen erneut im Deckungszentrum einsetzen.

Diese Aufgabe erfüllte Weigl schon zweimal mit Bravour, zum Abschluss der Rückrunde gegen Mönchengladbach (2:1) und am vergangenen Samstag bei RB Leipzig (1:0). Er war dabei einer der Garanten dieser wichtigen sechs Punkte. 

Nach der Partie gegen Leipzig bescheinigte ihm Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der Geschäftsführung, eine starke Leistung, sprach von einem Vorzeigeprofi mit tollem Charakter, der überragende Reaktionen abruft, wenn er gebraucht wird. Und Zorc ergänzte: „Dafür, dass er sein ganzes Leben immer im Mittelfeld gespielt hat, war das schon eine tolle Vorstellung.“ Worte, die Weigl wohl auch gern von seinem Trainer gehört hätte. Doch der Schweizer ließ sich vor laufenden Fernsehkameras nur zu der Aussage hinreißen, dass „Julian das sehr gut gemacht hat“.

Wintertransfer scheint ausgeschlossen

Wie lange Weigl den Lückenbüßer in Dortmund spielen wird, steht nicht fest. Einen Wintertransfer schloss Zorc nach der Partie in Leipzig aus. „Er bleibt auf jeden Fall bis Saisonende bei uns“, beteuerte der Sportdirektor.

Dass Weigl seinen bis 2021 laufenden Vertrag beim BVB erfüllen wird, scheint allerdings unwahrscheinlich zu sein. Im Mittelfeld, wo Thomas Delaney und Axel Witsel gesetzt sind, hat er keine Perspektive. In der Abwehr sind Manuel Akanji, Abdou Diallo und Dan-Axel Zagadou erste Wahl. Der endgültige Abschied vom BVB scheint also nur eine Frage der Zeit zu sein.

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