Topspiel am Samstag

BVB gegen Mainz: Die Charakterfrage

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Lucien Favre (links) und Michael Zorc stehen mit dem BVB vor einer Charakterprobe.

Glauben Mannschaft und Trainer des BVB noch an die Meisterschaft? Das Spiel am Samstagabend gegen Mainz ist vor allem auch: eine Mentalitäts- und Charakterfrage.

Dortmund – Borussia Dortmund gegen den FSV Mainz 05 – auf dem Papier eigentlich eine klare Angelegenheit. Doch wenn die Borussia am Samstag (18.30 Uhr/bei uns im Live-Ticker) im Abendspiel der Fußball-Bundesliga auf den selbst ernannten Karnevalsverein trifft, bleibt der Spaß erst einmal im Hintergrund. Spiel eins nach der 0:5-Klatsche im Spitzenspiel in München wird zur Mentalitäts- oder Charakterfrage, und zum Gradmesser, ob Mannschaft und Trainer weiter an die Meisterschaft glauben.

33 Pflichtspiele hat Michael Zorc in seiner langen Laufbahn als Fußball-Profi gegen den FC Bayern München von 1982 bis 1998 absolviert, 14 davon verloren, acht gewonnen. Ausgerechnet bei seinem letzten Bundesliga-Auftritt am 9. Mai 1998 im Münchner Olympiastadion kassierte er mit 0:4 seine höchste Niederlage gegen den deutschen Rekordmeister. Zorc wurde damals in der 68. Minute von Trainer Nevio Scala eingewechselt, um sich von den Fans zu verabschieden. Seine Demission aus dem deutschen Oberhaus wird der Ex-Nationalspieler trotz des Negativerlebnisses daher wohl nie vergessen.

Zorc will Klatsche in München verdrängen

Grundlegend anders verhält sich das mit dem Ergebnis vom vergangenen Wochenende, das er gerne schnell aus seinen Gedanken streichen würde. Als Sportdirektor kann er die Ereignisse auf dem Platz heute nicht mehr entscheidend beeinflussen, umso intensiver beschäftigen ihn jene Dinge, die nicht so laufen, wie sich das der inzwischen 56-Jährige vorstellt.

BVB im TVBorussia Dortmund – FSV Mainz 05 live im TV, im Live-Stream und Live-Ticker

Das Dortmunder Debakel in München hat auch bei Zorc deutliche Spuren hinterlassen. Einer, der sich stets schützend hinter die junge Mannschaft der Borussia gestellt hat, wirkte angefressen, tauchte deshalb unter der Woche ab. „Es ist noch nicht vorbei“, meinte er direkt nach der Partie in München. Mit etwas Abstand prangerte er nicht die hohe Niederlage an sich, sondern vor allem die Art und Weise an, wie sich der BVB von den Bayern ohne Gegenwehr vorführen ließ. „Wir erwarten jetzt gegen Mainz eine entsprechende Reaktion der Mannschaft“, waren die einzigen Worte, die sich Zorc mit Blick auf die Partie gegen den FSV am Samstagabend entlocken ließ.

Viele Fragen vor dem Spiel gegen Mainz

Es stellt sich vor allem die Frage, wie die Schwarz-Gelben mit dieser empfindlichen Pleite im Endspurt um die Meisterschaft umgehen werden. Wie reagieren die Fans? Welche Lehren zieht auch Trainer Lucien Favre aus seiner zweifellos verfehlten Personalpolitik in München? Folgt ihm die Mannschaft weiter bedingungslos?

„Es ist vorbei. Es bringt nichts, noch länger darüber zu reden“, versuchte der Schweizer, alle aufkommenden Diskussionen im Keim zu ersticken. Doch Kritik war selbst aus den eigenen Reihen zu hören, sogar vom Kapitän persönlich, der sich in München in der ungewohnten Rolle als Sturmspitze nicht wohl fühlte und 90 Minuten lang ohne Bindung zum Spiel blieb. „Jeder weiß, dass ich auf dieser Position nicht spielen will“, echauffierte sich Reus nach der Begegnung. „Ich spiele da, wo der Trainer mich aufstellt. Aber erklärt hat er es mir nicht.“

Aufstellung BVB: So könnte Dortmund gegen Mainz starten

Ausgerechnet Reus, schon zu gemeinsamen Mönchengladbacher Zeiten ein treuer Gefolgsmann des Trainers, demonstrierte öffentlich, dass die Mannschaft nicht mit allem einverstanden ist, was Favre vorgibt. Der Fehler, Lukasz Piszczek nach einer siebenwöchigen Verletzungspause in diesem Spitzenspiel von Beginn an zu bringen, war Favre ebenfalls anzukreiden. Die Folge: Piszczek verletzte sich erneut am lädierten Fuß, fällt jetzt vielleicht für den Rest der Saison aus. Und seine Maßnahme, Mahmoud Dahoud für Mario Götze im Mittelfeld einzusetzen, verpuffte ebenfalls wirkungslos.

Watzke stellte sich schützend vor Favre

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke stützte den Fußball-Lehrer bereits einen Tag nach der Pleite im Wontorra-Talk bei Sky. „Die Aufstellung hat mit dem Ergebnis nichts zu tun. Der Trainer ist komplett aus der Haftung“, erklärte Watzke. „Wenn wir so auftreten, kann er aufstellen, wen er will.“

Gegen die Mainzer wird Favre auf Bewährtes zurückgreifen. Da Dan-Axel Zagadou, der in München zweimal patzte, derzeit ohnehin leicht angeschlagen ist, könnte Julian Weigl in die Innenverteidigung zurückkehren. Reus wird wieder auf seiner angestammten Position im Mittelfeld auflaufen, in der er seine Laufstärke und seine Ideen einbringen kann. Mit der Rückkehr von Mario Götze in die Startelf könnte das Dortmunder Offensivspiel zusätzlich an Sicherheit gewinnen.

Dortmund muss die Schmach von München abhaken 

Doch die Aufstellung allein wird nicht entscheidend sein. Dortmund muss die Schmach von München möglichst zeitnah abhaken, sich der Situation bewusst sein, dass die Meisterschaft immer noch greifbar nahe ist. Watzke hatte es schon wenige Stunden nach der Pleite erkannt: „Die Bayern werden schnell merken, dass sie auch für dieses Spiel nur drei Punkte bekommen. Und wir werden merken, dass wir nur einen Punkt dahinter liegen. Und dann werden wir in den kommenden Wochen mal sehen.“ Vorangehen muss allein die Mannschaft. Ob die Dortmunder wirklich noch an den Titel glauben, müssen sie gegen Mainz auf dem Platz zeigen.

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