Erik Durm im Exklusiv-Interview

"Man muss nicht immer den einfachen Weg nehmen"

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Erik Durm im exklusiven Interview

LA MANGA - Erik Durm darf sich wohl als Durchstarter der Hinrunde bezeichnen. Innerhalb weniger Monate reifte der gelernte Stürmer bei Borussia Dortmund zum gestandenen Verteidiger. Im exklusiven Interview spricht er über seine Entwicklung und seine Umschulung.

Aus La Manga berichtet Peter Schwennecker

Er hat seine Handball-Laufbahn nach nur zwei Trainingseinheiten abrupt beendet, hat seine E-Gitarre verkauft, weil die drei Griffe zu mehr als dem Song "Smoke on the water" von Deep Purple nicht reichten.

Doch bei Borussia Dortmund ist der gelernte Stürmer Erik Durm innerhalb von nur vier Monaten richtig durchgestartet, hat nach seiner Umschulung zum Verteidiger nicht nur den Sprung in den Profi-Fußball geschafft, sondern sich auch schon in der Champions League bewährt.

Im Trainingslager in La Manga sprach Peter Schwennecker mit dem 21-Jährigen über seine rasante sportliche Entwicklung.

Sie sind mit einem grippalen Infekt ins Trainingslager gestartet. Wie geht es Ihnen und wie weit wirft es einen zurück, wenn man einige Einheiten nicht mitmachen kann?

Erik Durm: Es geht mir gut, ich bin wieder gesund. Leider war ich sechs Tage richtig raus, war bettlägerig krank. Deshalb bin natürlich noch nicht ganz auf dem normalen Level . Ich bin froh, dass ich wieder mit der Mannschaft trainieren darf. Die Muskeln fühlen sich ein bisschen schwer an, doch das gehört zu einem Trainingslager dazu.

Sie sind in den vergangenen Monaten als Jungprofi richtig durchgestartet, haben als Neuling Bundesliga und Champions League gespielt. Mussten Sie sich in der Winterpause auch einmal kneifen, um zu erkennen, ob das alles überhaupt Realität ist, und wie vorarbeitet man so einen rasanten Karrieresprung?

Durm: Das Verarbeiten ist mir nicht besonders schwer gefallen, weil ja für mich alles sehr positiv gelaufen ist. Aber klar, man nimmt das alles gar nicht so wahr, weil man ja auch alle drei Tage ein Spiel hat. Man kriegt das erst durch die Freunde oder die Familie so richtig mit, dass man gerade Champions League gespielt hat. Deshalb ist es auch ganz gut, wenn dann die Familie mit einem darüber redet. Die vergangenen vier Monate waren sehr schön für mich.

Sie hätten vor Ihrem Wechsel auch einen Vier-Jahres-Vertrag als Profi bei Mainz 05 unterschreiben können. Warum haben Sie sich für den BVB entschieden, der 2012 gerade das Double gewonnen hatte? Der Weg in Mainz wäre doch vielleicht etwas einfacher gewesen.

Das ausführliche Interview lesen Sie am Dienstag in unserer Print-Ausgabe. Darin spricht Durm unter anderem über Privates und  dass er sich zur Not auch ins Tor gestellt hätte.

Durm: Man muss nicht immer den einfachen Weg gehen. Ich glaube, wenn man als junger Spieler ein Angebot vom BVB bekommt, dann muss man nicht lange darüber nachdenken. Wenn ich das nicht gemacht hätte, hätte ich mich zwei oder drei Jahre später tierisch darüber geärgert. Ich weiß ja auch nicht, wie es in Mainz gelaufen wäre. Wir sind uns damals in Mainz nicht ganz einig geworden, sind aber im Guten auseinander gegangen. Das war mir auch wichtig. Bisher habe ich keinen Schritt bereut. Ich bin sehr froh, dass ich das gemacht habe.

Zu welchem Zeitpunkt hatte denn Trainer Jürgen Klopp die Idee, Sie zum Verteidiger umzufunktionieren?

Durm: Das war zum Ende der Rückrunde 2012/2013, als wir mit der zweiten Mannschaft noch mitten im Abstiegskampf steckten. Ich war erst verletzt, bin dann zurück gekommen und habe zunächst linkes Mittelfeld gespielt. Die Umschulung zum Verteidiger haben wir dann vertagt. Der Kampf um den Klassenerhalt in der 3. Liga war in diesem Moment wichtiger. Wir sind dann nicht abgestiegen. Und dann haben wir das zu Beginn der neuen Saison geregelt.

Wie funktioniert solch eine Umschulung?

Durm: Auf dem Platz lernt man das am besten, doch nach dem Training sieht man sich auch Videos an. Mir wurden aber zudem Aufzeichnungen von Lukasz Piszczek und Marcel Schmelzer gezeigt, weil die es fast schon in Perfektion beherrschen. Da kann ich mir jeden Tag etwas abgucken, und da bin ich auch froh drüber.

Was würde Erik Durm machen, wenn es mit der Profi-Karriere nichts geworden wäre?

Durm: Ich habe auf der Fußball-Eliteschule in Mainz mein Abitur gemacht, und dann auch schon ein halbes Semester Sportwissenschaft an der Uni in Mainz studiert. Aber das hat zeitlich nicht mehr so ganz hingehauen. Ich hatte damals kein Geld für ein Auto, musste immer mit dem Fahrrad zur Uni fahren. Und es war Winter. Über meine berufliche Zukunft hatte ich mir eigentlich noch nie Gedanken gemacht. Meine Eltern sind Bürokaufleute. Doch ich bin nicht der Typ, um den ganzen Tag in einem Büro zu sitzen. Ich hätte auf jeden Fall irgendetwas mit Sport gemacht. In welcher Funktion, darüber musste ich mir bisher zum Glück noch nicht den Kopf zerbrechen. Aber man weiß ja nie, was in Zukunft noch kommt.

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