Lange Bewährungsstrafen

Derby-Randale: Soester „Ultra“-Fans verurteilt

Maskierte und gewaltbereite Fans beim Revierderby. Zwei junge Männer aus Soest zählten zu den Rädelsführern, stellte gestern das Jugendschöffengericht in Gelsenkirchen fest.

SOEST / GELSENKIRCHEN - Das Jugendschöffengericht in Gelsenkirchen hat am Dienstag zwei junge Männer aus Soest (20 und 21 Jahre) wegen ihrer Beteiligung an den gewalttätigen Ausschreitungen beim Revierderby Schalke gegen Dortmund im vergangenen Oktober verurteilt.

Die beiden seien nicht nur Mitläufer gewesen, sondern hätten sich in vorderster Front hervorgetan, sagte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung.

Der 20-Jährige, der eine ganze Latte von Vorstrafen hat und erst im Januar zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt worden war, bekam neun Monate obendrauf, wobei auch die erneute Jugendstrafe zur Bewährung ausgesetzt wird. Sein Kumpel muss 180 Tagessätze Geldstrafe à 10 Euro zahlen.

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„Da stürmt eine Horde vermummter Gestalten das Stadion, begibt sich sofort mit Brachial-Gewalt in den Gästeblock und haut die Glas-Abtrennungen raus.“ Mit diesen Worten fasste Richterin Winter das Tatgeschehen zusammen. „Das war ein Mob, der durchs Stadion getobt ist.“ Vorneweg die beiden Soester, die zur gewalttägigen „Ultra-“ und „Desperado“-Szene von Borussia Dortmund zählen.

Aus dem von oben bis unten schwarzgekleideten Block sind zudem Bengalos gezündet und Feuerwehrskörper geworden worden: in die Zuschauerränge und sogar gegen Torwart Weidenfeller.

„Es ist wirklich Schwachsinn!“, beklagte sich Staatsanwalt Eberhard Buschmann. Er hat inzwischen schon ein Dutzend weitere Prozesse gegen andere Derby-Randalierer erlebt: „Ich höre immer das Gleiche“: Keiner sei so richtig verantwortlich, alle nur Mitläufer.

Genauso schilderte der 20-Jährige auch den Tag: Über SMS habe er die Nachricht bekommen, sich vor dem Spiel in Essen-West zu treffen. Dort lagen griffbereit schwarze T-Shirts und schwarze Sturmhauben für die Vermummung. Die Richterin: „Wer hat die dahin gelegt?“ Achselzucken. „Wie haben Sie bezahlt?“ – „Jeder hat fünf Euro in einen gelben Sack gesteckt, der da lag.“ Die Richterin: „Verkaufen Sie uns doch nicht für blöd!“

Randale beim Revierderby

Randale beim Revierderby: Bengalos im Dortmunder Block

Auf jeden Fall ließen sich die beiden Soester mit mehreren hundert anderen „Ultra-Fans“ in Shuttle-Bussen von Essen nach Schalke fahren. Bevor es in den schwarzen Block ging, so der Angeklagte, „kam das Kommando: Sturmhauben auf!“

Angeblich, so sagt der 20-Jährige, habe er inzwischen mit den „Ultras“ gebrochen: „Mittlerweile sehe ich das anders.“ Ja sogar das Fan-Tattoo habe er sich wegstechen lassen. Und auch der zweiwöchige Arrest nach der Verurteilung im Januar habe ihn ins Grübeln gebracht: „Heute habe ich keine Lust und keine Zeit mehr auf so etwas!“

Womöglich stimmt das, sagte sein Bewährungshelfer. Denn seit ein paar Monaten hat er einen Job als Hilfsarbeiter und plant, sein Fachabi nachzuholen.

Womöglich ist alles aber auch nur ein Lippenbekenntnis, so Richterin Winter. Das werde sich zeigen: In der langen Bewährungszeit von drei Jahren. Jede weitere Straftat und Verurteilung würden automatisch Bewährung in Knast umwandeln. - hs

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