4. Bundesliga-Spieltag

Darum tut sich Borussia Dortmund gegen Hoffenheim so schwer

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Lucien Favre und der BVB brauchen mehr Zeit.

Borussia Dortmund kam gegen die TSG 1899 Hoffenheim nicht über ein Unentschieden hinaus. Warum fällt das dem BVB so schwer?

Sinsheim - Der BVB hat sich immer schwer getan. In Hoffenheim, sportlich. Oder mit Hoffenheim, ideologisch. Denn für die Anhänger von Borussia Dortmund ist der Verein nur ein Konstrukt. 

Sein Macher ist der Mäzen Dietmar Hopp, der mit der Softwarefirma SAP viel Geld, sehr viel Geld gescheffelt hat – mit dessen Hilfe er die TSG nahezu über Nacht im oberen Bundesliga-Niveau etablierte. So viel zur ideologischen Antipathie. Die sportliche ist nicht auf Geld begründet. Hoffenheim hat gewiss keine Hochkaräter von Weltklasse in seinem Team, die Hopp kurzerhand mit ein paar Millionen in die badische Provinz gelockt hätte. 

Besonderes Spielsystem

Nein, die sportliche Antipathie begründet sich tiefer. Weit verborgen im Spielsystem des jungen Trainers Julian Nagelsmann. Oder, um es mit den Worten von BVB-Kapitän Marco Reus auszudrücken: „Es ist ein unangenehmer Gegner, der schon einen komischen Fußball spielt.“

Dortmunds Kreativ-Genie hatte kein anderes Wort gefunden, um den Nagelsmann-Stil zu beschreiben. „Sie spielen irgendwie hinten raus, aber ganz komisch“, wiederholte er. Hoffenheim agierte mit einer gut strukturierten Fünferkette, fächerte im Spiel nach vorne die Außenverteidiger weit auf. 

In Unterzahl plötzlich besser

So kam Dampf auf die Flügel, im Spiel gegen den Ball klappte der Fächer ruckartig wieder zusammen. Borussia Dortmund fand keine Lösung dagegen. Hoffenheim wollte immer wieder das Spiel an sich reißen, kam dadurch oft druckvoll durch die Mitte – zum Verhängnis von BVB-Innenverteidiger Abdou Diallo.

In der 76. Minuten brach Andrej Kramaric durch die schwarzgelben Linien. Diallo leistete sich ein Laufduell, köpfte den Ball zu seinem Schlussmann Roman Bürki – rangelte danach aber noch mit Karamaric. Der Hoffenheimer ließ sich fallen, nahm den Einsatz der Arme dankend an. Wenn auch er in dieser Situation nicht ganz unschuldig handelte. 

Hoffenheim gegen Dortmund in Bildern

„Da war am Ende noch das Duell. Für mich ist es aber keine klare Rote Karte“, sagte der Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung, Sebastian Kehl, nach der Partie. Schiedsrichter Harm Osmers aus Hannover entschied anders, holte den Karton aus der Gesäßtasche. 

Ausgleich erzielt

Die Dortmunder, die zu diesem Zeitpunkt bereit mit 0:1 durch den Treffer von Joelinton (44.) hinten lagen, agierten fortan in Unterzahl – erzielten dennoch glücklich den Ausgleichstreffer zum 1:1-Endstand durch Christian Pulisic in der 85. Minute. „Am Ende waren wir glücklich über den Punktgewinn. Es war auch ein Punkt der Moral“, so Kehl.

Doch ursprünglich wollten die Borussen mehr. Nach fünf Spielen in Sinsheim ohne drei Punkte mal siegreich sein im Kraichgau. Da wären wir wieder bei Nagelsmann. Sein Verständnis von Fußball umfasst 31 Prinzipien. Das teilte er dem Magazin 11Freunde mal in einem Interview mit. Die meisten dieser Prinzipien sind geheim, einige lassen sich aber klar erschließen. 

Schneller Richtungswechsel

Eines etwa zeigte sich am Samstag. Seine Spieler standen möglichst breit, aber auch nur so breit wie eben nötig. Sowohl das Gegenpressing also auch die Bewegung in Richtung des Dortmunder Tores ging so schneller vonstatten.

Julian Nagelsmann fasst den Fußball in 31 Prinzipien zusammen.

Nagelsmann ist ein Trainer, der seinen Beruf erlernt, geradezu studiert hat. Ähnlich gestrickt ist Lucien Favre. Der BVB-Coach gilt als akribisch. Am Rand machte er sich immer wieder Notizen. Der Unterschied: Nagelsmann hat viel mehr Zeit verbracht mit Hoffenheim, als Favre mit Dortmund. Die Gastgeber konnten das Spiel einfach besser umsetzen – hier zeigte sich wieder mal die Schwäche der neugestarteten Borussia.

Mehr Zeit

„Sie besetzen die Räume sehr, sehr gut und das macht es einfach schwierig, zu pressen und in die richtigen Räume zu gehen“, erklärte Reus. Ansätze, die diesen Lob verdienen, sind auch beim BVB vorhanden. Doch der Ballspielverein braucht eben noch Zeit. Zeit, die es in der englischen Woche nicht gibt. „Alle Probleme, die wir nach Brügge angesprochen haben, konnten wir jetzt auch nicht so beheben“, sagte Kehl.

Am Mittwoch ist dann schon wieder der 1. FC Nürnberg zu Gast in Dortmund. Der nächste Gegner, das nächste Pflichtspiel – und die nächste nicht zufriedenstellende Leistung? Kehl glaubt nicht daran. „Gegen Nürnberg wird es schon wieder eine ganz andere Sache“, so der Ex-Profi.

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