"Dreckiger Sieg"

Champions League: Reus ist Freund eines anderen Stils

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Marco Reus (Mitte) würde gerne wieder öfter über Tore jubeln.

Der BVB hat kein Feuerwerk im Sturm gezündet. Gegen den FC Brügge gab es nur sehr wenige Schüsse auf das Tor der Gastgeber. Doch genau das wollte Favre.

Brügge/Dortmund – Der BVB siegte glücklich gegen den FC Brügge in der Champions League durch das späte Tor von Christian Pulisic (bei uns im Ticker zum Nachlesen). Sportlich hat Borussia Dortmund allerdings nicht überzeugt. Wieder einmal. Es war kein schöner Fußball. Doch von den Schwarzgelben hört man immer wieder nur ein Stichwort: Geduld.

In der Vergangenheit hörte man die Kritiker sagen, Dortmund bräuchte zu viele Chancen. Das hat sich geändert. Nun heißt es: Dortmund hat zu wenig Chancen. Die Borussen kamen zwar auf 62 Prozent Ballbesitz – haben aber nur drei Schüsse auf das Tor der Gastgeber abgegeben. Für BVB-Kapitän Marco Reus zu wenig. „Wir müssen mehr in die torgefährlichen Räume kommen und mehr Spielfreude an den Tag legen“, sagte er. Spielfreude wollte bei ihm aber generell nicht so ganz aufkommen – was auch seiner Position geschuldet war. Reus musste mal wieder als Spitze herhalten. Ein Zwangsstürmer. „Ich denke schon, dass unser Trainerteam sich genug Gedanken um die Aufstellung und Taktik macht. Aber jeder weiß, dass ich kein reiner Stürmer bin“, so der 29-Jährige.

Reus als Zwangsstürmer

Lucien Favre hätte Maximilian Philipp bringen können. Neuzugang und Neuner-Hoffnung Paco Alcácer war gar nicht erst mit nach Brügge gereist. Der BVB-Coach entschied sich für Reus. Der klagte aber über mangelnde Tiefe im Offensivspiel. „Wir standen zu defensiv und konnten vorne kein Pressing spielen. Man hat gesehen: Wir sind nicht so weit, wie wir es gedacht haben“, sagte Reus. Dortmund brach Angriffe immer wieder im Ansatz ab, suchte lieber – voller Geduld – den Pass zurück in Richtung des eigenen Tores.

Dort machte übrigens Roman Bürki den besten Job im Dortmunder Dress. Der Schweizer Keeper überzeugte mit diversen Paraden. Lob gab es dafür auch von Mannschaftskamerad Lukasz Piszczek. „Ich denke, wir stehen stabiler, als im letzten Jahr. Wir haben gut verteidigt und Roman hat uns im Spiel gehalten“, so der Rechtsverteidiger, der sogleich die Erklärung für das maue Offensivspiel nachreichte. „Der Trainer hat in der Halbzeit gesagt, dass wir Geduld haben sollen und den Ball nicht sofort nach vorne spielen sollen“, erklärte der Pole.

Mehr Attraktivität

Favres Plan ging auf. Zumindest auf dem Papier, Dortmund hat drei Punkte auf dem Konto. Ein „dreckiger Sieg“. Für Reus bedeutet das aber nicht alles. Er will den Fans auch weiterhin attraktiven Fußball bieten. „Man schon das Gefühl, dass wir gut stehen auf dem Platz. Trotzdem bin ich mehr ein Freund davon, dass wir uns mehr Torchancen rausspielen“, so der Kapitän.

Happy Birthday, Christian Pulisic! Geburtstagkind und Matchwinner in Brügge

Für Torchancen sorgte etwa in der Bundesliga-Partie gegen Eintracht Frankfurt Jadon Sancho nach seiner Einwechslung. In Brügge offenbarte sich bei dem jungen Flügelstürmer aber eine enorme Schwäche. Gegen ausgeruhte Mannschaften bekommt er kaum Zug zum Tor. Seine Haken blieben immer wieder in den Gegnern hängen. Es zeigte sich: Die Verantwortung ist noch zu groß für Sancho. Zu viel lastete auf ihm. Der 18-Jährige kann eine wertvolle Waffe sein – ist aber ein klassischer Einwechselspieler. Eine Waffe, die man ab der 60. Minuten etwa einsetzen kann, um den müden Gegnern den Todesstoß zu versetzen. Favre wird das bemerkt haben.

Zorc hat Defizite im Blick

Mit dem Abpfiff war das zunächst einmal egal und auch einen Tag später waren die Verantwortlichen vor allem eines: froh über den Sieg. „Ich bin erleichtert, dass wir gewonnen haben. Das versetzt uns in eine gute Ausgangssituation“, sagte Michael Zorc. Der BVB-Sportdirektor hat dabei auch die Defizite im Blick. „Ich weiß aber auch, dass wir unsere Offensivleistung verbessern müssen, dass wir da mehr Überraschungsmomente in unserem Spiel haben“, sagte er. Und: „Wir brauchen mehr individuelle Momente. Die haben wir in Brügge kaum gehabt.“ Momente, die Sancho hätte schaffen können – wäre er später als Entlastung gekommen. Zorcs Ansatz? „Eine bessere Leistung der Spieler“, so der Sportdirektor.

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