Weidenfeller und Zieler: Weltmeister kämpfen um EM

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Roman Weidenfeller

DORTMUND/NÜRNBERG - Manuel Neuer fällt in Spanien aus, doch Torwarttrainer Andreas Köpke hält auch Roman Weidenfeller und Ron-Robert Zieler für "echte" Weltmeister. Die EM-Teilnahme haben sie aber nicht sicher.

Auch nach dem Ausfall von Manuel Neuer wird Deutschland mit einem "echten" Weltmeister zwischen den Pfosten in Spanien spielen. Das Prädikat dürfen Roman Weidenfeller und Ron-Robert Zieler, die im letzten Länderspiel des Jahres bei Europameister in Vigo (20.45/ARD) wohl je eine Halbzeit spielen dürfen, als Mitglieder des WM-Kaders sowieso tragen. Und für Bundestorwarttrainer Andreas Köpke sind die beiden mehr als nur Statisten. "Ich bin mir sicher, dass wir auch mit Roman (Weidenfeller, d. Red.) oder Ron (Robert Zieler, d. Red.) im Tor Weltmeister geworden wären", sagte der BTT im offiziellen Verbandsorgan DFB-aktuell.

Sportlich darf man das bei allem Respekt vor den Leistungen des Dortmunders Weidenfeller und des Hannoveraners Zieler zumindest hinterfragen. Neuer - bester Keeper des Turniers, Welttorhüter, Deutschlands Fußballer des Jahres und Zweiter bei der Wahl zu Europas Fußballer - war eine der entscheidenden Figuren beim Titelgewinn. Gerade in knappen Spielen wie gegen Algerien (2:1 n.V. ), Frankreich (1:0) und Argentinien (1:0 n.V.) war er mit seinen rettenden Ausflügen aus dem Strafraum und Paraden wie gegen Karim Benzema eine Art Lebensversicherung.

Dass Weidenfeller und Zieler nicht auf Augenhöhe mit ihm sind, zeigt die Ausgangslage: Egal wie sie am Dienstag halten - Hoffnungen auf eine Ablösung Neuers besteht nicht. Es geht für das Duo höchstens darum, sich nach hinten abzusichern. Denn der frühere Nationaltorhüter Köpke hatte erst vor wenigen Wochen das größte Torhüter-Casting Deutschlands eröffnet: "Die Tür ist nicht zu. Bis zur EM 2016 werden wir genau prüfen, welche drei Torhüter wir mitnehmen."

Der DFB will eigentlich alle Kandidaten - es ist ein halbes Dutzend - nach und nach mal einladen. Bisher war jedoch auch wegen der Pflichttermine der U21 mit den Kandidaten Bernd Leno (Bayer Leverkusen), Marc-Andre ter Stegen (FC Barcelona) und Timo Horn (1. FC Köln) - stets das WM-Trio nominiert. Auch Ralf Fährmann (Schalke 04), Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt) und Oliver Baumann (1899 Hoffenheim) nannte Köpke ausdrücklich.

Dabei muss sich vor allem der auch erst 25 Jahre alte Zieler gegen die bis auf Fährmann (26) noch jüngere Konkurrenz zur Wehr setzen. Weidenfeller hat nämlich zwei große Vorteile: Aus seinem Klub Dortmund gibt es in Mats Hummels, Matthias Ginter, Erik Durm, Marcel Schmelzer und Kevin Großkreutz zahlreiche Defensiv-Kandidaten für Löw, für die es eine Erleichterung wäre, im Notfall den Klubtorwart hinter sich zu wissen.

Zudem ist der spätberufene Weidenfeller der einzige Routinier (34) und hat als dieser auch ein gutes Standing im Team. Im Kinofilm "Die Mannschaft" sieht man, dass er vor einem WM-Spiel sogar die Kabinen-Ansprache halten durfte - obwohl er zu diesem Zeitpunkt erst acht Monate dabei war und dieses Ritual normalerweise Stammspielern vorbehalten ist.

Köpke deutete zuletzt auch schon mal an, "dass die EM für Roman ein schöner Abschluss wäre". Diesen wird der viermalige Nationalspieler, der wie sein Klub zuletzt schwächelte und dafür sogar von Hummels kritisiert wurde, also wohl bekommen - wenn er sich nicht verletzt oder die Krise ärger wird und länger anhält. Vor allem Zieler muss deswegen in seinem vierten Länderspiel am Dienstag ein Zeichen setzen - von seinen bisherigen dreien gewann die DFB-Elf keins. - sid

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