Politik entscheidet über Bundesliga-Neustart

Bundesliga in der Kritik - BVB-Boss Watzke: "Ich habe mich gewundert, dass …"

Die Entscheidung über Bundesliga-Start steht bevor. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke drängt förmlich auf einen Wiederbeginn im Mai. Dazu wundert er sich über Kritik.

  • Die Entscheidung über den Bundesliga-Neustart seitens der Politik steht aus.
  • Dennoch könnte eine Revolution bevorstehen und die 50+1-Regel kippen, wie Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erklärt, wieso.
  • Der BVB-Boss meint zudem: Die Bundesliga müsse so schnell wie möglich wieder beginnen.

Update vom 29. April, 9.16 Uhr: Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (60) hat für die Zeit nach der Corona-Krise ein Umdenken im Profi-Fußball gefordert. "Ich habe mich aktuell gewundert, dass eine kritische Tendenz gegenüber dem Profi-Fußball stattfindet in der Gesellschaft. Wenn wir die Krise überstanden haben sollten, muss sich im Fußball einiges ändern", sagte der 60-Jährige in der ZDF-Sendung Markus Lanz am Dienstagabend.

Man müsse wieder "puristischer werden", meinte Watzke und monierte konkret "die Sachen wie Gold-Steak-Geschichten und die ganze Protzerei." "Da wir einen globalisierten Fußball haben, bin ich skeptisch. Aber wir in Deutschland müssen versuchen, zumindest einiges wieder in den Griff zu kriegen", betonte der BVB-Boss.

Bis heute habe Borussia Dortmund keine Schulden machen müssen. "Das wird aber auch nicht mehr unendlich lange dauern, wenn wir keine Einnahmen haben", beschrieb Watzke die wirtschaftliche Lage in Dortmund durch die durch Corona bedingte Unterbrechung der Bundesliga-Saison.

Watzke verteidigte dabei erneut das Konzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) zur angestrebten Fortsetzung der unterbrochenen Bundesliga-Saison. Im Falle von einer Corona-Infektion eines Profis müssten die Spiele der betroffenen Mannschaften zur Not zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. "Dann machen wir anschließend drei Nachholspiele. Dann müssen die irgendwann absolviert werden", sagte Watzke. Nicht einlassen wollte sich der BVB-Chef auf eine Diskussion über ein konkretes Datum des Neustarts. "Wir unterwerfen uns komplett der Politik", sagte Watzke.

Auf die Frage, wie man den Jugendfußballern erklären solle, warum Profis wieder ran dürften und die Amateure eben nicht, hatte Watzke eine für ihn plausible Antwort parat: "Weil die Spieler bei uns ihrer Arbeit nachgehen, das ist der Unterschied. Das ist ein Wirtschaftszweig - und genau wie VW die Arbeit wieder aufnimmt, muss der Fußball wieder die Möglichkeit haben."

BVB-Boss Watzke drängt auf Bundesliga-Neustart in Mai: "Es ist völlig ausgeschlossen, dass …"

Update vom 28. April, 16.03 Uhr: Hans-Joachim Watzke drängt auf einen Wiederbeginn der wegen der Corona-Krise unterbrochenen Bundesliga-Saison schon im Mai. "Es ist völlig ausgeschlossen, dass erst im Juni gespielt wird, dann kannst du es gleich vergessen", sagte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund am Dienstag in einem Spiegel-Interview.

Der 60-Jährige verwies auf das stramme Fußball-Restprogramm: "Wir haben ja noch neun Spieltage zu spielen, wir haben noch Relegationsspieltage und dann kommt der DFB-Pokal noch dazu. Und wir müssen damit rechnen, dass auch mal ein Spiel ausfällt."

Watzke sieht keine Veranlassung, die Entscheidung über einen Wiederbeginn weiter hinauszuzögern: "Wir haben der Politik ein 41-seitiges Gesundheitskonzept vorgestellt und sind auch jetzt noch dabei, es auf Wunsch der Politik noch weiter auszudehnen. Wenn das trägt, ist es egal, ob wir am 9. Mai oder am 16. Mai spielen, die Situation ist die gleiche. Jede Woche später wird kritisch."

Auch in anderen großen europäischen Ligen sei man bemüht, "die Saison einigermaßen zu Ende zu spielen". "Wenn wir es schaffen, als erste wieder zu spielen, wird das eine immense Wirkung auf die ganze Welt haben, weil jeder guckt", sagte Watzke.

BVB-Geschäftsführer Watzke: Bundesliga droht Revolution - "Dann kommen die weißen Ritter"

Dortmund - Kurzfristig könnte die Coronavirus-Krise für die Insolvenz zahlreicher Bundesliga-Klubs sorgen. Traditionsvereine wie Werder Bremen stecken mitten im Kampf ums Überleben. Den Schaden, den der Profi-Fußball bereits jetzt erlitten hat, ist immens. Das Szenario, das BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in der Sendung "Wontorra - allein zu Hause" auf Sky zeichnet, ist umso besorgniserregender.

Die Nachricht von Watzke während der Sendung war eindeutig. Der Ball muss so schnell wie möglich wieder rollen, auch ohne Zuschauer. Denn sonst "säuft die ganze Bundesliga ab", so Watzke. "Natürlich weiß ich auch, dass viele Fans sagen: 'Ja aber die Stimmung im Stadion, die ist doch nicht da. Die kommt doch am Fernseher nicht so rüber", zeigt Watzke Verständnis. Dennoch betont der 60-Jährige, dass es um die Rettung des Fußballs und der Bundesliga geht.

BVB: Hans-Joachim Watzke befürchtet Revolution der Bundesliga

Wird das in den kommenden Wochen und Monaten nicht geschafft, droht eine Revolution. "Und jeder weiß, wenn es Insolvenzen gibt, kommen auch die sogenannten Weißen Ritter, die dann sagen, wir geben euch Geld, aber ihr müsst dafür sorgen, dass 50+1 fällt", blickt Watzke mit sorgenvoller Miene voraus. Mit der 50+1-Regel, die von der Deutschen Fußball Liga (DFL) ins Leben gerufen wurde, soll soll verhindert werden, dass Kapitalanleger die Stimmenmehrheit in Profi-Clubs übernehmen. Die jüngsten Einnahmeverluste könnten dazu verleiten, finanzkräftigen Investoren mehr Einfluss zu gewähren.

Im Mai soll der Ball in der Fußball-Bundesliga wieder rollen. Dann mit Geisterspielen, die womöglich ins Jahr 2021 hineinreichen können. Borussia Dortmund stehen aufgrund fehlender Ticketeinnahmen massive Verlustgeschäfte bevor. In der aktuellen Krise allerdings unausweichlich, wie Watzke betont. Nun gehe es vielmehr darum, dem eigenen Beruf endlich wieder nachgehen zu dürfen - dank eines detaillierten Konzepts.

Watzke: Zukunft der Bundesliga könnte sich am 30. April entscheiden

"Wir haben ein Konzept entwickelt, das uns viel Geld kostet. Wir wollen aber auch nicht benachteiligt werden, nur weil der Fußball eine sehr relevante Rolle eingenommen hat. Dass sich jetzt ein paar Leute, die den Fußball schlecht finden, an uns abarbeiten, damit muss man leben", sagt Watzke. Eine Nachbesserung des Sicherheitskonzeptes hält er nicht für notwendig. "Mehr geht nicht", meint Dortmunds Geschäftsführer.

Ob eben jenes durchgewunken und der Bundesliga somit grünes Licht für den Neustart erteilt wird, darüber entscheidet die Politik am 30. April. "Wenn man unser Konzept jetzt ablehnt, wird sich auch in acht Wochen daran nichts ändern", sagt Watzke. "Wir haben ein Maximum an Sicherheit entwickelt. Dass wir Zweikämpfe machen müssen, ist halt so. Wir federn es ab, indem wir unsere Spieler bestmöglich isolieren und Dauer-Tests machen." Genügt dies nicht, könnte es ziemlich düster werden.

dpa/WA

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa

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