Vier Punkte hinter den Bayern

Das spricht im Titel-Rennen noch für den BVB

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Der BVB hat noch begründete Rest-Hoffnung, in der Bundesliga noch nach ganz oben zu klettern.

Kaum einer rechnet Borussia Dortmund im Titel-Rennen mit dem FC Bayern noch Chancen aus. Doch es gibt noch Gründe für eine Rest-Hoffnung beim BVB.

Dortmund – Borussia Dortmund hat beim 2:2 in Bremen eine 2:0-Führung verspielt – und damit für viele Experten wohl auch die letzte Chance auf die Meisterschaft. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke möchte das Fernduell mit den Bayern aber noch nicht für beendet erklären, spricht von einer „Resthoffnung“. Dafür gibt es folgende Gründe.

Das Restprogramm

Mit dem Heimspiel gegen die bereits gesicherte Fortuna aus Düsseldorf und dem Gastauftritt bei den kriselnden Gladbachern erwartet den aktuellen Liga-Zweiten aus Dortmund das vermeintlich lösbarere Restprogramm. Zwei Siege sind Pflicht, will Schwarz-Gelb noch am deutschen Rekordmeister vorbei ziehen.

Die Münchner hingegen treten zunächst bei den starken Leipzigern an, am 34. Spieltag ist Eintracht Frankfurt zu Gast in der bayerischen Landeshauptstadt. Das 1:6 zuletzt gegen Leverkusen sollte bis dahin verdaut, der Einzug in das Finale der Europa League möglicherweise eingetütet sein und für neuen Schwung sorgen. Vorteil Dortmund.

Der Rückhalt

Wer Deutscher Meister werden will, benötigt Ruhe und Cleverness – besonders intern. Vorzufinden ist beides im Ruhrgebiet. Besonders der Posten des Cheftrainers steht im Fokus der Öffentlichkeit. Während BVB-Coach Lucien Favre von Sportdirektor Michael Zorc trotz der sportlichen Rückschläge Rückendeckung erhält („Wir gehen definitiv mit ihm in die neue Saison, unabhängig davon, ob wir Meister werden oder nicht“), erhöhte zuletzt Bayern-Ikone Franz Beckenbauer den Druck auf Niko Kovac: „Niko sollte das Double schaffen, er muss es schaffen.“

Klar ist: Sollte Kovac den aktuellen Vier-Punkte-Vorsprung noch verspielen, wird es schwierig für ihn, schlagkräftige Argumente für eine weitergehende Anstellung auf der Trainerbank vorzulegen. Denn wie sagte schon FCB-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge vor wenigen Wochen: „Beim FC Bayern hat niemand eine Jobgarantie.“

Die Geschichte

Totgesagte leben länger. Vier Punkte in zwei Spielen aufzuholen, ist durchaus kein einfaches Unterfangen. Die Bundesliga-Historie beweist, dass das Saisonfinale für die eine oder andere Überraschung gut ist. Schon zweimal wurde ein ähnlich großer Vorsprung an der Spitze verspielt.

In der Saison 1985/86 musste Trainer Otto Rehhagel zusehen, wie seine Bremer nach dem 30. Spieltag nur noch zwei Zähler holten und dem FC Bayern aufgrund des schlechteren Torverhältnisses zur Meisterschaft gratulierten.

Dass sich die Dortmunder höchstselbst als erfolgreiche Jäger etablierten, haben sie der Meistersaison 2001/02 zu verdanken, als sie nach dem 31. Spieltag fünf Punkte auf Spitzenreiter Leverkusen wett machten. Mit einem 4:3 in Hamburg stießen sie die Werkself am 33. Spieltag vom Thron. Der goldene Treffer von Ewerthon im Heimspiel gegen Bremen sicherte dem BVB die sechste Deutsche Meisterschaft.

Der Reus-Faktor

Dass BVB-Kapitän Marco Reus ein begnadeter Fußballer ist, ist unbestritten. Sich für sein Talent gekrönt hat der 29-Jährige bislang nicht – zumindest nicht mit der Meisterschaft. 2017 gewann Reus den DFB-Pokal, 2013 und 2014 den Supercup. Die Weltmeisterschaft in Brasilien im folgenden Sommer verpasste der gebürtige Dortmunder verletzungsbedingt.

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Am letzten Spieltag bei seinem alten Arbeitgeber Borussia Mönchengladbach darf der 29-Jährige nach abgesessener Rot-Sperre wieder ins Geschehen eingreifen – und wird damit seinen BVB zu Höchstleistungen anspornen. Vielleicht mit einem eigenen Treffer, während die Bayern gegen Frankfurt patzen. Reus würde sich endlich die Krone aufsetzen – und das in seinem alten Wohnzimmer.

Der Druck ist weg

Neun Zähler Vorsprung hatte Borussia Dortmund zwischenzeitlich. Einsam zog der Klub seine Kreise an der Spitze der Bundesliga. Dem Druck des Gejagten hielt die junge Mannschaft aber nicht stand. Zu verlieren hat die Favre-Elf jetzt allerdings nichts mehr.

Der Meisterschaftskampf scheint entschieden, der BVB kann befreit aufspielen und genau das tun, was ihn noch in der Hinrunde auszeichnete: Ohne die Bayern im Nacken die spielerische Überlegenheit in Siege ummünzen. Mit ein wenig Glück und Schützenhilfe aus Leipzig und Frankfurt springt dann vielleicht doch noch mehr dabei raus.

Die Gier nach dem Titel

Nicht nur Kapitän Reus sehnt sich nach der ersten deutschen Meisterschaft seiner Karriere, stehen im BVB-Kader doch nur drei Titelträger. Lediglich Marcel Schmelzer, Lukasz Piszczek und Mario Götze streckten die Schale am Borsigplatz gen Dortmunder Himmel.

Beim Konkurrenten sieht das anders aus: Nur Serge Gnabry und Leon Goretzka ist die nötige Konsequenz anzumerken, was von Beckenbauer deutlich kritisiert wurde. „Sie hätten den Sack schon längst zumachen können, das ist aber nicht gelungen“, sagte Beckenbauer.

Mit seiner Einschätzung stieß er bei Joshua Kimmich auf Verständnis: „Wenn er das so sagt, ist das eindeutig. In sehr vielen Spielen war das von uns zu wenig.“ „Von außen hat es den Anschein, als wäre Gnabry fast der Einzige, der wirklich Meister werden will. Wenn die Mannschaft das Ziel Double hätte, würde sie ganz anders auftreten“, bestätigte auch Motivationsexperte Matthias Herzog.

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