Klopp nach Pokal-Niederlage: "Es fällt mir schwer, loszulassen"

+

Berlin - Gegensätzlicher hätten die Gefühlswelten der beiden befreundeten Trainer nicht sein können. Während Wolfsburgs Coach Dieter Hecking nach dem 3:1 (3:1)-Triumph vor 75.815 Zuschauern im ausverkauften Berliner Olympiastadion im 72. Finale ausgelassen mit den Fans in der Kurve den ersten DFB-Pokaltriumph des Vereins feierte, schlich Jürgen Klopp nach seinem letzten Auftritt als Verantwortlicher auf der Bank des BV Borussia Dortmund mit traurigem Blick über den Rasen, umarmte jeden Spieler einzeln.

"Der Abschiedsschmerz kommt langsam, das tut extrem weh. Ich habe gerade versucht, jedem meiner Spieler meinen Dank auszudrücken. Es fällt mir schwer, loszulassen", beschrieb Klopp seine Gedanken. Und auch die Jürgen-Klopp-Sprechchöre halfen dem scheidenden Fußball-Lehrer nicht über die Enttäuschung hinweg. "Sie waren leider kein Trost für mich", gestand der 47-Jährige ein. "Diese Niederlage zu verarbeiten, geht nicht innerhalb einer Sekunde. Wenn man sich etwas so sehr wünscht, und man es dann nicht erreicht, dann braucht man einen Moment."

Bei seiner Analyse sprach der BVB-Coach von "gefühlten sieben Minuten", die entscheidend waren. Dabei waren es genau 16, die der VfL Wolfsburg nach einem sehr guten Start der Dortmunder mit dem frühen Führungstreffer von Pierre-Emerick Aubameyang (5.) benötigte, um die Partie mit den Toren durch Luiz Gustavo (22.), Kevin de Bruyne (33.) und Bas Dost (38.) dank deutlicher Abwehrschwächen der Schwarz-Gelben zu drehen. Auch, weil Marco Reus nach sieben Minuten die große Möglichkeit zum 2:0 ausgelassen hatte. Bei seiner Halbzeitansprache hatte Klopp durchaus noch Hoffnung: "Ich habe zu 100 Prozent das Gefühl gehabt, dass ein Spektakel passieren kann und wir das Spiel drehen können. Ich war in keiner Sekunde unruhig", erzählte der Coach. Doch Wolfsburg war an diesem Tag einfach souverän, der Erfolg des VfL geriet nicht mehr ernsthaft in Gefahr.

109 Bilder vom DFB-Pokal-Finale in Berlin

Ganz zur Freude von Hecking, der seinem Freund die erhoffte Party vermasselte. "Ich fühle mich ein bisschen bekloppt", flachste Hecking angesichts der Tatsache, dass im Vorfeld der Partie der Abschied seines Dortmunder Kollegen die Schlagzeilen beherrschte. Schon während der Partie hatte er versucht, einiges gerade zu rücken. "Borussia Dortmund ist ein emotionaler Verein, das ist toll", sagte er. "Als ich gesehen habe, dass die gegnerische Trainerbank auch ihre Emotionalität auslebt, habe ich ein bisschen mit am Rad gedreht." Hecking gestand ein, dass es für den VfL nach einem 0:2-Rückstand sehr schwer geworden wäre. "Ich bin mächtig stolz auf meine Mannschaft. Mit dem Ausgleich haben wir den Mut zurückgefunden. Am Ende haben wir meiner Meinung nach verdient gewonnen", erklärte der Coach.

Derweil stellte sich Klopp ein letztes Mal schützend vor seine Mannschaft. Kritik an Schlussmann Mitchell Langerak, der zumindest beim Ausgleich nicht gut aussah, ließ er ebenso wenig aufkommen wie Zweifel am Leistungsvermögen von Marco Reus, der weiter auf seinen ersten Titel warten muss. "Naldo schießt wie ein Gaul. Mitch kann den nicht festhalten", beteuerte Klopp. "Und Marco wird mit seiner Qualität definitiv noch Titel gewinnen."

Bei den Dortmundern herrschte anschließend Funkstille. "Es ist bitter, die Karriere mit so einer Niederklage beenden zu müssen", ärgerte sich Sebastian Kehl nach seinem letzten Spiel im DFB-Trikot. "In der Kabine hat keiner etwas gesagt", berichtete Kapitän Mats Hummels. "Aber es ist o.k., wenn man Niederlagen so verarbeitet. Wir hätten das 2:0 machen müssen", ärgerte sich der Innenverteidiger.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare