Jürgen Klopp bestreitet schwersten Kampf

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Ratlos: BVB-Trainer Jürgen Klopp.

DORTMUND - Jürgen Klopp schaut mit erster Miene durch seine stylische Brille, die zusammengepressten Lippen verraten seinen Gemütszustand. Der Trainer von Borussia Dortmund bemüht sich um Kontrolle, doch hinter den Sorgenfalten quält ihn die Suche nach der Lösung aus dem größten Dilemma seiner Trainerkarriere.

Von Günter BORK

Denn vor der Saison neben Bayern München als Mitfavorit auf die Meisterschaft hochgelobt, erlebte Klopp den Absturz seiner Mannschaft in den tiefen Tabellenkeller.

Nichts ist mehr zu sehen von Klopps attraktivem und effektiven Vollgas-Fußball, mit dem der BVB in den vergangenen Jahren in der Bundesliga und auch in der Champions League für Furore sorgte. Stattdessen sehen die Fans Rumpel- und Brechstangen-Fußball und müssen erleben, wie sich ihre Mannschaft in fast selbstzerstörerischer Art und Weise mit dilettantischen Fehlern um mögliche Erfolge bringt.

Klopp kann kaum glauben, dass alles verpufft zu sein scheint, was er einst seit seinem Amtsantritt im Sommer 2008 in mühsamer Kleinarbeit und dem festen Glauben an seine Philosophie investiert hat. Die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur zu führen, es ist die größte Herausforderung seiner bisherigen Laufbahn.

Der 47-Jährige bedient sich inzwischen eines Vokabulars, das man einst nur aus jener Zeit beim FSV Mainz 05 kannte, als er 2007 in die 2. Liga absteigen musste. "Ich habe nie gedacht, dass mir mein Leben lang die Sonne aus dem Arsch scheint", ließ er jüngst wissen. "Im Erfolg ist es leicht, auf einem Lastwagen mit 8,4 Promille durch die Stadt zu fahren. Aber mir hat seit Sommer das Leben ein paar mal auf die Fresse gehauen."

Klopp bleibt bei allen Problemen authentisch, wenngleich dem einstigen Sonnyboy der Liga das Lachen längst vergangen ist. Aus den Sympathie-Kundgebungen der Fans und der bedingungslosen Rückendeckung durch die BVB-Verantwortlichen zieht er die Kraft für den Abstiegskampf. In anderen Klubs hätten schon längst die Gesetzmäßigkeiten gegriffen, in Dortmund ist eine Trainer-Entlassung kein Thema.

"Ich bin ein Kämpfer. Ich bin ein besserer Trainer als 2012, aber man sieht es an der Tabelle leider nicht. Ich bin niemand für einen Rücktritt", bekräftigte Klopp.

Der gebürtige Stuttgarter will die Wende schaffen, fühlt sich verantwortlich für den Schlamassel. Bisher hat er jedoch Symptome und Therapie für den derzeit prominentesten Patienten der Bundesliga noch nicht ausgemacht.

Klopp hat alle Register bereits gezogen, hat Aufstellungen und Taktik verändert, die Weltmeister Roman Weidenfeller und Kevin Großkreutz auf die Bank gesetzt bzw. aus dem Kader verbannt sowie unzählige Gespräche geführt. Doch bisher stehen neun Niederlagen nach 15 Spielen und nur 15 Tore aufgrund einer erschreckenden Trefferquote des teuersten Kaders der BVB-Geschichte zu Buche.

Klopp fordert weiterhin Leidenschaft, Siegeswillen und maximalen Einsatz, um das Glück wieder zu erzwingen, denn auch das war in dieser Saison alles andere als sein ständiger Begleiter. In Dortmund bleiben sie dennoch überzeugt, dass nur Klopp den BVB wieder auf die Beine helfen kann.

Der BVB-Coach kämpft - um die Borussia und seinen guten Ruf. - sid

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