Immobile: Heimatgefühle an alter Wirkungsstätte

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Ciro Immobile (links) beim Training Turin.

TURIN - Als der Airbus A-321 der Turkish Airlines am Montagnachmittag mit dem Tross des BV Borussia Dortmund auf dem Flughafen in Turin landete, durfte Ciro Immobile wieder einmal Heimatgefühle genießen.

Von Peter Schwennecker

Schließlich schaffte er im Trikot von Juventus den Sprung in den bezahlten Fußball. Doch die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte hatte sich der 25-jährige italienische Nationalspieler nach sieben Monaten Fußball-Bundesliga etwas anders vorgestellt. Als Torschützenkönig der Serie A war der Stürmer mit großen Erwartungen und Hoffnungen zum BVB gewechselt, doch bisher konnte er sich bei den Schwarz-Gelben nicht durchsetzen, saß zuletzt sogar meist nur auf der Bank.

Erstmals beklagte sich Immobile ausgerechnet in den Tagen vor der Partie in Turin öffentlich über das "kalte Deutschland", bemerkte, dass er noch nie von seinen Teamkameraden privat eingeladen wurde. Kurz darauf ruderte er über Facebook zurück, sprach von kulturellen Unterschieden zwischen den Ländern, die für ihn zu Anpassungsproblemen geführt hätten.

An eine Flucht zurück über die Alpen hat er allerdings bisher nicht gedacht: "Ich habe einen Weg eingeschlagen und werde ihn bis zum Ende gehen. Ich würde mich wieder für die Borussia entscheiden", betont Immobile, der in seiner Kritik Trainer Jürgen Klopp ausnimmt. "Der Trainer spricht sehr viel und leidet mit mir."

Klopp hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder schützend vor den Stürmer gestellt, der nur in wenigen Spielen so überzeugte wie in der Champions-League-Begegnung gegen Arsenal London, bei der er mit einem Traumtor das 1:0 markierte. Immerhin hat er in der Königsklasse in fünf Partien viermal getroffen. Eine sehr gute Quote.

Die in der Bundesliga stimmt allerdings nicht. In 15 Begegnungen jubelte er lediglich dreimal. Für Sportdirektor Michael Zorc und Trainer Klopp überhaupt kein Problem. Wie bei allen anderen Neuzugängen in den Jahren zuvor zeigen sie sich auch im Fall Immobile geduldig, verweisen immer wieder darauf, dass selbst Spieler wie Robert Lewandowski oder Ilkay Gündogan mehr als ein Jahr gebraucht haben, um ihr Niveau zu erreichen.

Diese Zeit gewähren sie auch dem Italiener, der einen Vertrag bis Juni 2019 unterzeichnete. "Ciro hatte das große Pech, in eine Mannschaft zu kommen, bei der es nicht lief", erklärt der Dortmunder Fußball-Lehrer. "Zudem muss er sich erst an die Laufwege in der Bundesliga gewöhnen, die ganz anders als die im italienischen Fußball sind", sagt Klopp. "Er macht viele Wege, die unnötig sind, mit denen er sich selbst seiner Stärken beraubt."

Im Trikot des FC Turin wurde er im vergangenen Jahr mit 22 Toren in 32 Spielen Torschützenkönig der Serie A. Nach seinem Wechsel für 18,6 Millionen Euro nach Dortmund versank er anschließend in den großen Fußstapfen, die Robert Lewandowski hinterlassen hat. "Ich bin nicht gekommen, um Lewandowski zu ersetzen, sondern um Dortmund zu helfen", beteuert Immobile.

Der Trainer wird ihn nicht fallen lassen. Davon ist der Italiener überzeugt. "Klopp sagt mir: Ich weiß, dass Du mehr als alle andere unter dieser Situation leidest, weil du Ausländer und neu bist. Doch wir werden einen Ausweg finden." Vielleicht sogar schon mit einem Einsatz in Turin. Schließlich war die Königsklasse für Immobile bisher ein gutes Pflaster.

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