Borussia Dortmund

Umbruch im Sommer unausweichlich? Im BVB-Kader mangelt es an Tiefe und Qualität

Borussia Dortmund zittert sich gegen den SC Paderborn in die nächste Pokal-Runde. Das Spiel zeigt: Dem BVB-Kader mangelt es an allen Ecken und Enden.

Dortmund – Marwin Hitz fand nach dem dramatischen Pokalabend nur wenig Ruhe. Bereits um 7.15 Uhr teilte der Torhüter von Borussia Dortmund am Mittwoch Bilder des 3:2-Sieges nach Verlängerung in den sozialen Netzwerken. Ob der 33-Jährige innerlich noch zu aufgewühlt war, oder seine gerade drei Wochen alte Tochter Joséphine Marie ihm den Schlaf geraubt hatte, ist nicht überliefert. Hitz, sonst online deutlich weniger aktiv als viele Mitspieler, dachte sich wohl, die Feste feiern zu müssen, wie sie fallen.

VereinBorussia Dortmund
CheftrainerEdin Terzic
StadionSignal-Iduna-Park (Dortmund)
Plätze81.365

BVB: Borussia Dortmund fehlt jegliche Tiefe und Qualität im Kader

Schließlich hatte der etatmäßige Dortmunder Ersatztorwart in den vergangenen drei Jahren dazu nicht allzu viele Möglichkeiten. Mit einigen starken Paraden im Pokal-Achtelfinale dürften sich seine Aktien bei Trainer Edin Terzic aber durchaus verbessert haben. Zumal Konkurrent Roman Bürki (30) zuletzt häufiger patzte – und vorerst sowieso aufgrund einer Schulterverletzung zum Zuschauen verdammt ist.

Ob in der kommenden Saison überhaupt noch einer der beiden Schweizer das BVB-Tor hüten wird, ist im Umfeld längst ein Thema. Den auslaufenden Vertrag mit Hitz würde der Klub wohl gerne verlängern. Der frühere Augsburger kann sich aber auch vorstellen, anderswo als Nummer eins anzuheuern. Bürkis Vertrag hingegen gilt noch bis 2023. Die Bild brachte in Péter Gulácsi (30, Leipzig), André Onana (24, Amsterdam) und Odysseas Vlachodimos (26, Benfica Lissabon) bereits Nachfolgekandidaten ins Spiel. Auch Bartlomiej Dragowski (23, Florenz) soll ein Thema sein. Der künftige Schlussmann ist aber nicht die einzige Baustelle im BVB-Kader.

BVB: Borussia Dortmund verfügt aktuell nur über zwei Außenspieler internationaler Klasse

Wie es eine Mannschaft schafft, an einem Abend so viele verschiedene Gesichter zu zeigen, bleibt ein Rätsel. Dortmund begann stark gegen Paderborn, lag nach 16 Minuten 2:0 vorne. Mit einem Schlag geriet die Statik aber ins Wanken – dafür bedarf es mittlerweile nicht mal klassische Rückschlage. „Dass wir uns das nach der Anfangsphase und nach dem Halbzeitergebnis anders vorgestellt haben, dass es nicht ganz so hektisch, nicht ganz so emotional werden würde, ist auch klar“, sagte Terzic. Seine Mannschaft bleibt ihm, sich selbst und allen Anhängern ein Rätsel.

Borussia Dortmund musste im Pokal gegen Paderborn in die Verlängerung.

In Raphael Guerreiro und Jadon Sancho verfügt der BVB aktuell nur über zwei Außenbahnspieler mit internationaler Klasse – einen für die Defensive, einen für die Offensive. Dahinter wird es mau: Für Thomas Meunier sind die Rechtsverteidiger-Fußstapfen von Achraf Hakimi bislang zu groß. Offensiv ist Giovanni Reyna im Dauer-Formtief. Verlegenheitslösung Julian Brandt, im Zentrum wohl besser aufgehoben, schwankt zwischen kurzen Momenten der Genialität und lang anhaltenden Schwächephasen. Terzic dürfte sich nach der Rückkehr des derzeit verletzten Thorgan Hazard sehnen.

BVB: Spieler aus der zweiten Reihe werden nicht dem Qualitätsanspruch gerecht in Dortmund

Dass das Fehlen des Belgiers Hazard so stark ins Gewicht fällt liegt auch daran, dass dem BVB jegliche Tiefe im Kader abhanden gekommen ist. In Bestbesetzung ist die Mannschaft allen unerklärlichen Ausrutschern zum Trotz zumindest theoretisch in der Lage, gegen jedes Schwergewicht mitzuhalten. Müssen aber wie gegen Paderborn Akteure aus der zweiten Reihe ran, ist der Qualitätsunterschied nicht zu übersehen. Nationalspieler Nico Schulz fehlt jeglicher Spielrhythmus, um eine ernsthafte Guerreiro-Vertretung sein zu können. Gegen Paderborn war er die Verunsicherung in Person.

Mangelnder Einsatz ist Felix Passlack zwar nicht vorzuwerfen. Der 22-Jährige beging aber vor beiden Gegentoren Anfängerfehler. Mahmoud Dahoud zählt fußballerisch zwar zu Deutschlands Besten, stellt für Terzic aber aufgrund seiner Wankelmütigkeit aktuell kaum eine Alternative dar. Genau wie der Brasilianer Reinier, dessen Leihe von Real Madrid ein großes Missverständnis zu sein scheint.

Rubriklistenbild: © Frederic Scheidemann/dpa

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