Dämpfer für BVB

Ex-Trainer einig: Haaland hat gegenüber Bayerns Lewandowski entscheidenden Nachteil

Der BVB kassiert im Freiburg einen Dämpfer. Experten diskutieren über Dortmunds Abhängigkeit von Erling Haaland - und sehen einen Nachteil gegenüber Robert Lewandowski.

Hamm - Schon nach dem 2. Spieltag ist ein Stück weit Ernüchterung eingekehrt bei Borussia Dortmund. Der erste Rückschlag in der noch jungen Saison in der Bundesliga - und schon wird rund um den BVB wieder um das leidige Thema der vergangenen Jahre diskutiert.

VereinBorussia Dortmund
TrainerMarco Rose
Gründung19. Dezember 1909, Dortmund

BVB: Ering Haaland mit entscheidendem Nachteil gegenüber Robert Lewandowski (FC Bayern)

Denn auf dem erhofften Weg zu mehr Konstanz kassierte der BVB-Kader um Erling Haaland und Kapitän Marco Reus einen herben Dämpfer mit der 1:2-Niederlage der Schwarz-Gelben beim SC Freiburg. Kurzum: Borussia Dortmund erfüllte Erwartungen - inklusive der eigenen - nicht.  „Wir sind natürlich sehr enttäuscht, weil wir nach dem guten Start nachlegen wollten“, sagte der neue Dortmunder Trainer Marco Rose.

Mit 70 Prozent Ballbesitz, mit 19 Torschüssen und 10:0-Ecken sprachen zahlreiche Statistiken für den Titelanwärter. Das Ergebnis stimmte am Samstag allerdings nicht. Wie schon so oft in den vergangenen Monaten und Jahren. „Das darf nicht passieren“, sagte BVB-Verteidiger Manuel Akanji nach dem Spiel in Freiburg stinksauer.

Experten sind sich einig: Bekommt der BVB dieses Problem, gegen die vermeintlich kleineren Teams so zu straucheln, nicht in den Griff, wird es schwierig im Kampf um die Deutsche Meisterschaft. „Solche Spiele darfst du nicht fünf-, sechsmal abliefern. Sonst hast du keine Chancen gegen den FC Bayern“, sagte Ex-Profi Stefan Effenberg im Doppelpass auf Sport1: „Das passiert dem FC Bayern nicht.“

BVB: Experten diskutieren über Dortmunder Abhängigkeit von Erling Haaland

Ein Problem, das Borussia Dortmund in diesem Zusammenhang hat: Liefert die Kreativ-Abteilung des BVB nicht, bleibt auch Erling Haaland meist blass. Nachdem der norwegische Stürmer gegen Frankfurt noch an allen Toren beteiligt gewesen war, war auch er im Spiel in Freiburg kein entscheidender Faktor.

Die Parallele zum Rekordmeister aus München: Der FC Bayern ist abhängig von Erfolgsstürmer Robert Lewandowski - wie eben der BVB in gewisser Weise von Erling Haaland. Aber: „Was mir auffällt: Haaland hat seine Stärken eher im Umschaltspiel. Und wenn der Gegner defensiv so steht wie Freiburg, dann er hat diese Räume nicht, die er braucht, um seine Stärke einzubringen“, analysierte der langjährige Bundesliga-Coach Armin Veh im Doppelpass auf Sport1.

Das sei der Unterschied zu Bayerns Robert Lewandowski. Gegen die Münchner stünden die Kontrahenten sogar meist tiefer als gegen den BVB. „Aber er macht trotzdem die entscheidenden Tore“, meinte Armin Veh. „Das ist etwas, was Haaland, der natürlich überragend ist, noch dazulernen muss.“ Deshalb habe „Dortmund vielleicht diesen kleinen Nachteil, dass Lewandowski noch besser ist als Haaland“.

Sky-Experte Dietmar Hamann sieht Verbesserungspotenzia im Kopfballspiel von Erling Haaland

Ähnlich analysierte es ein anderer langjähriger Trainer. „Haaland keinen Platz zu geben, ist die Grundvoraussetzung, um gegen Dortmund erfolgreich zu sein“, sagte Friedhelm Funkel bei Sky90. Er brauche „den Platz, den Raum, die Tiefe. Wenn du ihm die nicht gibst, ist es ein Problem für Borussia Dortmund.“ Daher sei die Abhängigkeit des BVB von Erling Haaland „ein ganz großer Faktor“.

Unterm Strich seien Robert Lewandowski und Erling Haaland für Friedhelm Funkel nicht wirklich zu vergleichen, denn: „Lewandowski ist aktuell ein, zwei Stufen höher. Er ist viel komplexer und erfahrener. Er erkennt Situationen noch viel besser. Er kann sich auf engem Raum wunderbar durchsetzen.“ Das könne Erling Haaland (derzeit) noch nicht. Dazu habe der Bayern-Stürmer auch dahingehend einen großen Schritt gemacht, mannschaftsdienlicher zu agieren. „Er ist für die mich der komplette Spieler“, urteile Friedhelm Funkel.

Auch Sky-Experte Dietmar Hamman sieht Robert Lewandowski als „kompletten Stürmer“ - im Vergleich zu Erling Haaland. „Gerade im Kopfballspiel muss er sich um 100 Prozent verbessern“, meinte er: „Gerade, wenn du gegen tief stehende Mannschaften spielst und Flanken hereinschlägst. Ich glaube, dass er nicht ein Kopfballduell gegen Freiburg gewinnen hat.“

Nun sei es spannend zu beobachten, um Marco Rose - anders als seine Trainer-Vorgänger beim BVB - dieses Problem gegen die tief stehenden Teams in den Griff bekommt. Oder ob es künftig weitere Überraschungen für die vermeintlich kleineren Mannschaften gibt. Der SC Freiburg feierte so immerhin erstmals zwei Siege nacheinander gegen Borussia Dortmund.

Rubriklistenbild: © Philipp von Ditfurth/dpa

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