BVB: Wirtschaftlich gesund, sportlich ein Pflegefall

DORTMUND - Der Krise des BVB droht ein neuer Tiefpunkt, sollte der deutsche Fußball-Vizemeister Borussia Dortmund am kommenden Samstag (18.30 Uhr/Sky) das Prestigeduell beim Rekordtitelträger Bayern München nicht gewinnen.

Die Vita von Jürgen Klopp würde um den schlechtesten Saisonstart in der Historie des Traditionsklubs ergänzt. Doch von Trainer-Diskussionen und Fan-Tumulten ist in Dortmund keine Spur. Am Dienstag (20.30 Uhr/ARD und Sky) im Zweitrundenspiel des DFB-Pokals beim Zweitligisten FC St. Pauli will sich der Vorjahresfinalist den Frust von der Seele schießen und in die Erfolgsspur zurückkehren.

Jeder Wettbewerb außerhalb der Bundesliga scheint für Klopps Truppe derzeit einer Therapie-Sitzung gleichzukommen. Denn in der Champions League ist die Bilanz makellos (drei Spiele, drei Siege, 9:0-Tore) "Das Besondere an Borussia Dortmund und dem Klub-Umfeld ist, dass wir trotzdem die nötige Ruhe bewahren und besonnen handeln. Was wir zurzeit nicht mehr ausstrahlen, ist Gelassenheit. Aber das dürfen wir angesichts unserer Ergebnisse auch nicht mehr", betonte Klub-Boss Hans-Joachim Watzke jüngst ein einem Interview.

Es ist schon verrückt: Selbst in der Saison des bisher einzigen Bundesliga-Abstiegs 1971/72 standen für den BVB nach neun Spieltagen immerhin - umgerechnet auf die Drei-Punkt-Regel - acht Zähler (zwei Siege, zwei Remis, fünf Niederlagen) in der Tabelle. Und nach zehn Runden standen stets mindestens neun Punkte zu Buche, wie auch in der Spielzeit nach dem Champions-League-Triumph 1997.

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Das alles interessiert Klopp nicht, er verweigert sogar den Blick auf die Tabelle. Der 47-Jährige ist auf der Suche nach Lösungen für die Rückkehr zum einst so erfolgreichen Vollgas-Fußball. Nur sieben Punkte sind zu wenig für einen Klub, der sich als Dauergast in der Königsklasse einnisten wollte. Inzwischen ist ein Spitzenplatz kein Thema mehr. "Platz zwei oder drei ist kaum noch umzusetzen", merkte Weltmeister und Kapitän Mats Hummels an.

Noch mehr Sorgen bereitet die Zukunft. Die Aktie gab am Montag um 5,27 Prozent nach und wurde am Vormittag für 4,06 Euro notiert, doch wirtschaftlich steht der BVB auf festen Säulen. Allein aus den Töpfen der UEFA flossen in den beiden vergangenen Spielzeiten in der Königsklasse rund 90 Millionen Euro auf das Klubkonto. Zudem hat das börsennotierte Fußball-Unternehmen aus der Kapitalerhöhung mehr als 140 Millionen Euro eingenommen und seine Restschulden beglichen.

Wirtschaftlich kerngesund, aber sportlich ein Pflegefall: Dortmund muss der Dreh aus der Krise möglichst schnell gelingen. Denn derzeit liefert die Mannschaft ihrem Klub-Chef Watzke kaum Argumente für einen Verbleib der beiden Leistungsträger Marco Reus und Ilkay Gündogan. Während bei Reus im kommenden Jahr eine Ausstiegsklausel (25 Millionen Euro Ablöse) greifen könnte, endet der Vertrag von Gündogan 2016. Die Schar der hochkarätigen Interessenten ist groß. Es drohen, zwei weitere Stützen des BVB-Gebäudes nach Mario Götze und Robert Lewandowski (beide Bayern München) wegzubrechen. Denn Geld allein macht die Spitzenkräfte nicht glücklich, sie wollen Titel gewinnen.

"Wirtschaftlich kann uns in den nächsten Jahren nichts erschüttern. Aber das ist noch lange keine sportliche Aussage. Und mir geht es um Fußball", ergänzte Watzke. - SID

Rubriklistenbild: © dpa

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