Dortmunds Pleite im Derby

Wie Schalke die Wunden des BVB traf

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Das Ende aller Träume: Die Mannschaft des BVB schlich nach der Derby-Pleite vom Platz.

Für Lucien Favre war die Derby-Niederlage der bittersten Momente, seit er Trainer bei Borussia Dortmund ist. Für Favre und den BVB ist der Meisterschaftszug damit wohl abgefahren..

Dortmund – Fragen nach der möglichen Meisterschaft war Lucien Favre, Trainer des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund, in den vergangenen Wochen stets mit einer einfachen Phrase ausgewichen. „Wir schauen von Spiel zu Spiel“, hatte der Coach fast gebetsmühlenartig gepredigt. Doch nach der 2:4 (1:2)-Niederlage des BVB vor 80 196 Zuschauern (ausverkauft) im Revierderby gegen den Rivalen FC Schalke 04 warf der Schweizer resignierend das Handtuch. „Der Titel ist verspielt. Das ist klar. Diese Situation ist für mich nur schwer zu verdauen.“

Favres Aussage sorgte am Sonntag für heftigen Widerspruch von Hans-Joachim Watzke: „Wir geben erst dann auf, wenn es rechnerisch nicht mehr möglich ist. Das ist unsere Verpflichtung den Fans gegenüber“, erklärte der BVB-Geschäftsführer dem „Kicker“.

Auf der einen Seite frustrierte Dortmunder, auf der anderen euphorisierte Schalker, die mit diesem unerwarteten Triumph einen Riesenschritt Richtung Klassenerhalt zurücklegten und zudem ausgiebig die Versöhnung mit ihren Anhängern feierten. Zwar sprach auch Schalkes Trainer Huub Stevens am Ende davon, dass das Glück diesmal bei den Königsblauen war, doch hatte er seine Elf sehr gut eingestellt und die Finger damit fest in die Wunden der Borussia gepresst.

Was beim BVB empfindliche Schmerzen auslöste. Zwar gingen die Gastgeber früh durch Mario Götze (14.) in Führung, doch ein umstrittener Handelfmeter, den Daniel Caligiuri (17.) verwandelte, leitete die Wende ein. Salif Sané per Kopfball (28.) und erneut Caligiuri (62.) mit einem Freistoßtreffer sorgten für das 1:3. Anschließend sahen sowohl Dortmunds Kapitän Marco Reus als auch Marius Wolf innerhalb von nur fünf Minuten nach jeweils groben Fouls an Suat Serdar die Rote Karte. In Unterzahl gelang Axel Witsel zwar noch der Anschluss (84.), doch Breel Embolo sorgte wenig später (86.) für den Endstand.

Eklatante Abwehrschwächen

Zweifellos hatte der Elfmeterpfiff von Felix Zwayer die Dortmunder aus der Bahn geworfen. „Wir fangen sehr gut an, schießen ein super Tor. Und dann dieser Handelfmeter“, echauffierte sich Favre. Doch es wäre zu einfach, diese Dortmunder Derby-Pleite allein am Schiedsrichter fest zu machen. Eklatant waren einmal mehr die BVB-Abwehrschwächen bei Standards, zudem waren die Platzverweise von Reus und Wolf jeweils nach Attacken von hinten gegen Suat Serdar berechtigt.

BVB patzt ausgerechnet gegen Schalke

„In erster Linie brauchen wir nicht darüber zu reden, dass es eine Rote Karte war. Ich komme einen Schritt zu spät. Wer mich kennt, weiß, dass ich niemals den Gegner verletzen möchte. Ich wollte zum Ball gehen, er macht einen Zwischenschritt und ich treffe ihn an der Achillessehne“, zeigte sich Reus untröstlich, auch mit dem Wissen, dass er die restlichen Saisonspiele vielleicht nur von der Tribüne aus verfolgen darf und wohl weiter auf seinen ersten Meistertitel mit dem BVB warten muss. „So lange wir unsere Spiele nicht gewinnen, ist es theoretisch schwierig, die Bayern einzuholen“, meinte der Kapitän.

Kehl redet Klartext

Klartext redete einmal mehr der Leiter der Lizenzspielerabteilung, Sebastian Kehl: „Wir sind ein Stück weit verärgert über uns selbst, weil wir am Ende zu wenig Chancen herausgespielt haben. Wir haben Schalke trotz hoher Ballbesitzphasen nie richtig in Bedrängnis gebracht.“

Kommentar: Dieser BVB ist noch nicht reif für den Titel

Weil die Schalker die Dortmunder an ihren empfindlichsten Stellen trafen, sie mit Zweikampfhärte und mit vielen taktischen Fouls, die den Spielfluss immer wieder unterbrachen, der Borussia den Nerv raubten. Was Michael Zorc auf die Palme brachte. „Wir haben versucht, Fußball zu spielen. Schalke hat ein taktisches Foul nach dem anderen gemacht. Ich glaube, der Burgstaller hätte drei Gelbe Karten verdient gehabt. Da fehlte mir das Maß in der Bewertung. Das stimmte hinten und vorne nicht“, echauffierte sich der Sportdirektor, der jetzt auch nicht mehr an den Titel glaubt: „Wir sind keine Träumer!“

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