Gegen rechte Hetze

Anti-Nazi-Plakate und erfundene BVB-Zitate: Staatsschutz ermittelt

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Mit diesen Plakaten positioniert sich der BVB gegen Nazis.

In der Dortmunder Innenstadt hängen zahlreiche Anti-Nazi-Plakate mit BVB-Akteuren – doch die Zitate sind erfunden. Jetzt ermittelt der Staatsschutz.

Update, 13. Mai, 14.19 Uhr:

Im Fall von illegal aufgehängten Plakaten mit BVB-Bezug im Dortmunder Stadtgebiet ermittelt der Staatsschutz. Geprüft würden mögliche Verstöße gegen das Urhebergesetz und Sachbeschädigung, teilte die Polizei am Montag mit. Die Ermittler suchen Zeugen. Bislang seien den Beamten mindestens 40 der Plakate mit Slogans gegen den Nationalsozialismus bekannt. Der Staatsschutz sei routinemäßig bereits am Wochenende eingeschaltet worden, weil ein politischer Hintergrund möglich sei, sagte eine Sprecherin der Polizei.

Unbekannte hatten laut den Ermittlern wahrscheinlich am Samstag an mehreren Orten in der Stadt die Poster in Werbevitrinen aufgehängt. Die Aussagen wurden Spielern und dem Trainer von Borussia Dortmund zugeschrieben. Die Botschaften trugen die Logos des BVB, der Aussteiger-Organisation Exit und des Bundesfamilienministeriums. Verein, Ministerium und "Exit" hatten sich laut eigenen Angaben aber nicht an der Aktion beteiligt hatten. Die Plakate wurden inzwischen entfernt.

Auf den Plakaten waren Slogans wie "Lieber Schalkesieg als Nazikiez" (Marco Reus), "Dauerkarten für Naziaussteiger" (Lucien Favre) oder "Lieber Ersatzbank als Rechtsaußen" (Lukasz Piszczek) abgedruckt. Der BVB hatte auf Twitter dazu geschrieben: "Borussia Dortmund steht für den Kampf gegen Rassismus und distanziert sich klar von jeglicher Form von Diskriminierung. Der BVB ist aber nicht Urheber der sich zurzeit im Umlauf befindlichen Plakate." Eine ähnliche Erklärung gab es von der Organisation Exit. dpa

Zitate auf den Plakaten sind "frei erfunden"

14.44 Uhr: Die Plakate sorgen nicht nur für Aufmerksamkeit, sondern auch für Verwirrung. "Die Zitate sind frei erfunden, es ist auch nicht vom Ministerium oder Exit. Fakt ist: Wir wissen nicht, wer diese Plakate in Umlauf gebracht hat. Stehen natürlich aber hinter der Botschaft", teilte ein BVB-Sprecher auf Nachfrage dieser Redaktion mit.

Update, 11. Mai, 14.12 Uhr: Nun hat sich der BVB geäußert und stellt klar: "Borussia Dortmund steht für den Kampf gegen Rassismus und distanziert sich klar von jeglicher Form von Diskrimierung. Der BVB ist aber nicht Urheber der sich zurzeit im Umlauf befindlichen Plakate." Wer Urheber der Plakate ist, ist noch unklar. Die Organisation für Nazi-Aussteiger "Exit" sowie das Familien-Bundesministerium werden angeführt.

Bericht: BVB positioniert sich mit diesen Plakaten klar gegen Nazis

Dortmund – Borussia Dortmund verbindet. Damit wirbt der Verein seit vielen Jahren. Ein starkes Signal sendet der BVB daher aktuell in der Dortmunder Innenstadt. Überall verteilt hängen Plakate mit Sprüchen gegen Nazis und rechte Hetze.

So heißt es etwas auf einem Plakat mit dem Bild von Marco Reus: "Lieber Schalkesieg als Nazikiez!", BVB-Trainer Lucien Favre wird zitiert mit "Dauerkarten für Naziaussteiger!", Lukasz Piszszek würde "lieber Ersatzbank als Rechtsaußen" bevorzugen und Mario Götze steht für: "Lieber die Meisterschaft an die Bayern verlieren als Dorstfeld an die Nazis." Ein weiteres Plakat gibt es noch mit dem Ex-Borussen Andy Möller. Angelehnt an eines seines bekanntesten Zitate heißt es dort: "Mailand oder Madrid – Hauptsache kein Dorstfeld".

Der Dortmunder Stadtteil Dorstfeld steht stellvertretend für das Nazi-Problem einer ganzen Stadt. Seit vielen Jahren machen sich Rechtsextreme dort breit, skandieren offen den "Nazikiez". Politik und Sicherheitsbehörden sind zum Teil überfordert – umso wichtiger, dass ein Klub mit der Strahlkraft von Borussia Dortmund nun eindeutig Stellung bezieht. 

Alle Dorstfelder sind Nazis? Kritiker melden sich zu Wort

Die Plakataktion rief aber auch Kritiker auf den Plan. So schreibt ein lokales Nachrichtenportal, dass mit den Plakaten alle Dorstfelder als Nazis abgestempelt werden. Bei den Fans hingegen im Netz gab es bisher für die Aktion eher positive Resonanz.

BVB am Samstag gegen Fortuna Düsseldorf

Am Samstag kämpft der BVB aber nicht nur gegen rechten Hetze. Auf dem Platz geht es um die Deutsche Meisterschaft. Fortuna Düsseldorf ist zu Gast um 15.30 Uhr (bei uns im Live-Ticker oder hier im TV). Sollte der FC Bayern München zeitgleich Punkte liegen lassen in Leipzig und der BVB gewinnt diese Partie, wäre weiterhin alles offen.

Aufstellung BVB: So könnte Borussia Dortmund gegen Fortuna Düsseldorf starten

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