Jetzt spricht der BVB-Präsident 

Watzke erhält im Streit mit Tuchel Rückendeckung von Rauball

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Präsident Reinhard Rauball stellt sich auf die Seite von Hans-Joachim Watzke.

Dortmund - Im Streit um die Austragung des Champions-League-Viertelfinales gegen den AS Monaco hat BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke jetzt Unterstützung von Präsident Reinhard Rauball bekommen.

Die schwarz-gelbe Fußballwelt könnte so schön sein. Der BVB liegt nach dem 2:1 gegen die TSG 1899 Hoffenheim auf Kurs Richtung Champions League und steht im DFB-Pokal-Finale am 27. Mai gegen Eintracht Frankfurt, kann die Saison somit zu einem guten Abschluss bringen. Dass es in Dortmund derzeit zugeht wie beim früher als FC Hollywood bekannten FC Bayern München, ist im östlichen Ruhrgebiet äußerst gewöhnungsbedürftig. 

Reus und Aubameyang sorgen für einen BVB-Sieg gegen Hoffenheim 

Bei dem ehemaligen Führungstrio aus Geschäftsführer Watzke, Manager Zorc und Ex-Trainer Jürgen Klopp galt jahrelang, dass alle Meinungsverschiedenheiten intern geregelt werden. Differenzen gelangten in Klopps acht Jahren auf der Dortmunder Trainerbank nicht an die Öffentlichkeit, sondern wurden in der einen oder anderen Skatrunde ausgeräumt. 

Kein Vergleich zu Klopp

Dass das Verhältnis von Watzke und Zorc zum aktuellen Coach Thomas Tuchel nicht von der gleichen Innigkeit geprägt ist, war bislang kein Problem, da das Trio zumindest nach Außen hin an einem Strang zu ziehen schien. Und der Erfolg gab ihnen Recht. Der Punktschnitt von 2,1 Zählern pro Partie unter Tuchel ist sensationell und stellt selbst die Ikone Klopp (1,9) in den Schatten. 

Dennoch mehren sich die Indizien dafür, dass es große Risse im Binnenverhältnis der sportlichen Führung gibt. Vor allem die schnelle Neuansetzung des zunächst wegen den Bus-Attentats abgesagten Champions-League-Viertelfinals gegen den AS Monaco am 11. April hatte bei Tuchel für Verstimmung gesorgt. „Wir haben die Zeit nicht bekommen, sind zu keiner Zeit gefragt worden. Die Entscheidung ist bei der Uefa in der Schweiz gefallen. Das hat sich sehr bescheiden angefühlt“, so der Fußball-Lehrer, der mit seiner Mannschaft nur einen Tag später antreten musste. Damit erntete Tuchel den Widerspruch von Watzke. Der 57-jährige Sauerländer betont, dass die Nachholpartie knappe 24 Stunden später keinen Widerspruch bei Tuchel hervorgerufen hatte.

Rauball unterstützt Watzke

Diese Sichtweise unterstützt jetzt auch Borussias Präsident Reinhard Rauball. „Ein solcher Wunsch ist nicht an uns herangetragen worden“, macht Rauball in der „Bild“ klar und stellt sich auf die Seite von Watzke: „Er hat jahrelang bewiesen, dass er in schwierigen Situationen nicht an sich, sondern an den BVB denkt. Dieses Vertrauen in ihn sollte man schon haben“, stellt sich Rauball auf die Seite von Watzke. 

Doch der tiefe Riss scheint nicht nur durch die Dortmunder Führungsetage zu gehen. Auch zwischen Tuchel und der Mannschaft soll es Konflikte geben. Nach der 1:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt in der Hinrunde hatte der 43-jährige Fußball-Lehrer seinem Team ein „kollektives Defizit“ vorgeworfen, was für Missstimmung gesorgt hatte. Die „Süddeutsche Zeitung“ zitiert nun einen nicht genannten Spieler, dass die Beziehung zwischen Mannschaft und Trainer seit dem Sprengstoffanschlag nicht so eng sei wie gedacht und in den Medien zu positiv dargestellt würde. Außerdem seien die Warnungen über Tuchels schwierigen Charakter vor der Verpflichtung im Sommer 2015 ignoriert worden. „Wir sind vorher aus Mainz gewarnt worden, dass es schwierig werden dürfte. Wir haben darauf nicht gehört. Ein halbes Jahr ging alles gut. Dann war alles wie aus Mainz vorhergesagt“, sagte der anonyme Insider der „Süddeutschen Zeitung“. 

Trennung im Sommer wahrscheinlich

Der derzeit medial ausgebreitete Dissenz macht ein Ende der Zusammenarbeit des BVB mit Tuchel zum Saisonende fast schon alternativlos. Die Risse scheinen nicht mehr zu kitten zu sein. Eine würde eine Scheidung mit einer neuen Qualität, denn nicht der sportliche Erfolg, sondern persönliche Differenzen wären der Trennungsgrund. Ab Sommer dürfte dann wieder ein Trainer an der Seitenlinie stehen, der mehr als Versöhner, denn als Querkopf gilt. Also eher ein Typ wie Sunnyboy Julian Nagelsmann als denn ein Wirbelwind wie Lucien Favre. Doch wie auch immer der Kampf um die Meinungshoheit endet: Die schwarz-gelbe Fußballwelt ist im Augenblick alles andere als in Ordnung, egal wie groß der sportliche Erfolg auch sein mag. Verpassen Sie keine Nachricht zu Borussia Dortmund und werden Sie Fan unserer Facebook-Seite.

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