Schwarz-Gelb im Schockzustand

BVB-Geschäftsführer Watzke: "Das darf einfach nicht passieren"

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BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke war nach der Niederlage sichtlich enttäuscht. 

[Update 16.39 Uhr] Dortmund - Es war die erste Niederlage im 19. Pflichtspiel des Jahres. Eine, die besonders schmerzte. Als Dejan Lovrenz in der Nachspielzeit per Kopfball das 4:3 für den FC Liverpool erzielte und Borussia Dortmund damit den nach der 3:1-Führung fast schon sicher geglaubten Einzug in das Halbfinale der Europa League raubte, verharrte Schwarz-Gelb zunächst im Schockzustand.

„Das darf einfach nicht passieren“, meinte ein sichtlich enttäuschter BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der einfach keinen Spaß daran hatte, dass wenige Meter entfernt sein guter Freund Jürgen Klopp mit den Liverpooler Fans sein bisher emotionalstes Erfolgserlebnis an der Anfield Road feierte. „Eine magische Nacht“, wie es Klopp später nannte. 

Eine kurze und wohl schlaflose Nacht verbrachten die meisten Borussen in der Beatles-Stadt. Sowohl Watzke als auch Michael Zorc waren daher selbst nach der Landung in Dortmund angesichts des bitteren Scheiterns ziemlich angefressen. „Ich habe dafür noch keine Erklärung“, sagte der Sportdirektor den mitgereisten Journalisten. 

„Vielleicht waren einige im Glauben, schon auf einem sehr guten Weg zu sein, sind deshalb nicht den letzten Schritt gegangen“, fuhr Zorc fort. Auf die Frage, welche Schlüsse die Verantwortlichen daraus ziehen werden, antwortete Watzke gereizt: „Wir werden das in Ruhe analysieren. Und jetzt ist aber auch gut.“

Thomas Tuchel beweist Größe

Größe in einer seiner bittersten Stunden als Trainer bewies Thomas Tuchel. „Wir haben nicht gespielt wie die Champions, sollten uns aber so benehmen“, erklärte der Fußball-Lehrer nach einer packenden Begegnung, die alle Augenzeugen so schnell nicht vergessen werden. 

„Wir gratulieren Liverpool zum Sieg. Das ist auch ein Wesenszug des Sports. Es gibt kein Spiel ohne Niederlage und ohne Verlierer. Das sind Lektionen, die einfach dazugehören.“ 

Keine Erklärung

BVB-Trainer Thomas Tuchel (r.) bewies Größe in einer seiner bittersten Stunden als Trainer.

Allerdings fand auch der BVB-Coach keine Begründung dafür, warum seine Mannschaft eine 3:1-Führung nach gut einer Stunde durch Tore von Henrikh Mkhitaryan (5.), Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus (57.) verspielte. Klopp hatte seiner Mannschaft vermittelt, niemals aufzugeben. Als Davock Origi direkt nach der Pause das 1:2 gelang, „konnte ich spüren, sehen und auch riechen, dass noch etwas drin ist“, erklärte der Liverpooler Teammanager, der nach den weiteren Toren durch Philippe Coutinho (66.), Mamadou Sakho (78.) und dem Siegtreffer in der Nachspielzeit von Dejan Lovren Tränen in den Augen hatte. 

Jede Ordnung verloren

Ratlos und tief getroffen zeigte sich Tuchel. „Es fühlt sich sehr bescheiden an. Wir sind gerade sehr, sehr leer. Es gibt keine Worte dafür. Wir waren ganz kurz vor einem großen Ziel, einem echten Meilenstein“, gestand der BVB-Trainer ein. Anstatt nach der frühen Führung Ball und Gegner zu kontrollieren, ließ sich die Borussia auf Klopps Spektakelfußball ein, verlor dabei jede Ordnung. Oder wie es Tuchel beschrieb: „Liverpool musste durch den frühen Rückstand sehr viel riskieren. Damit sind wir nicht klar gekommen“, meinte der Coach. „Irgendwann war die gegnerische Mannschaft völlig emotionalisiert.“  

Deutliche Worte von Mats Hummels

Fand deutliche Worte: Mats Hummels

Deutliche Worte fand Kapitän Mats Hummels, der unmittelbar vor dem Eckball, der zum 3:3 führte, seine Kollegen am Fünfmeterraum zu einer Ansage versammelte und mehr Konzentration einforderte. Vergeblich. „Wir haben aufgehört, aggressiv zu verteidigen. Mit dem 3:2 haben wir aufgehört Fußball zu spielen. Da haben wir auf einmal Schiss bekommen“, wetterte der Nationalspieler. „Ich war fest davon überzeugt, dass wir die Europa League gewinnen. Das Ding haben wir hergeschenkt.“ Und irgendwie wirkte Hummels bei den Worten, als würde er angesichts dieser Pleite über eine Vertragsverlängerung beim BVB noch intensiver nachdenken.

DFB-Pokal als letzte Option auf einen "Pott"

Keine Frage, der BVB hat mit der vorzeitigen Qualifikation für die Champions League sein großes Saisonziel frühzeitig erreicht. Doch große Mannschaft feiern Titel. Die Chance in der Bundesliga und in der Europa League ist verspielt, am kommenden Mittwoch soll im Pokal-Halbfinale bei Hertha BSC Berlin (20.30 Uhr) die letzte Option auf einen „Pott“ gewahrt werden. 

Bitterer K.o. für den BVB - 3:4 gegen Klopp und Liverpool

Tuchels Aufgabe ist es jetzt, seine Profis aufzurichten, den großen Knacks zu verhindern. „Das Interessante wird sein, wie wir gemeinschaftlich damit umgehen, ob wir es schaffen, die Enttäuschung bis allerspätestens nächsten Mittwoch in Berlin in Energie und Trotz umzuwandeln“, erklärte der Trainer. Nur gut, dass schon am Sonntag um 15.30 Uhr in der Bundesliga das Heimspiel gegen den Hamburger SV ansteht. Die schnelle Gelegenheit, vor heimischem Publikum den großen Frust wieder abzuladen. Aber Tuchel wird wohl erneut rotieren und wie gegen Schalke eine B-Elf gegen den HSV auf das Feld schicken.

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